Schweiz im Panini-Fieber

Für Paninibildchen-Sammler gibt es keine Altersbeschränkung. Keystone

Am 10. April kommen die kleinen Klebebildchen! Für die Firma aus dem italienischen Modena verspricht das ein einträglicher Handel zu werden. Sie hofft, in der Schweiz 65 Millionen Päckchen absetzen zu können.

Dieser Inhalt wurde am 09. April 2008 - 17:07 publiziert

Fussball-Europa- oder -Weltmeisterschaften – alle zwei Jahre schlägt der Wahnsinn zu: Panini dringt in die Schweiz ein, und ihre kleinen Klebebildchen verkaufen sich wie "warme Weggli".

Man soll aber nicht glauben, dieses Phänomen beschränke sich auf Schulkinder. Das aktuelle Panini-Fieber erstreckt sich weit über Primarschüler hinaus. Laut einer Studie sind 85% der "Infizierten" 15 Jahre und älter.

"Die Schweiz ist unsere grössten Kundin", erklärt Silvia Losi in ihrem Büro in Modena. Die Managerin des Schweizer Marktes präsentiert schwindelerregende Voraussagen: "Bei der Weltmeisterschaft 2006 haben wir in Ihrem Land fast 60 Mio. Päckchen verkauft. Das ergibt für jeden Bewohner acht. Zum Vergleich: Deutschland liegt mit 110 Mio. auf Platz zwei, das macht pro Einwohner 2 Päckchen."

Die richtige Wahl

Panini ist überzeugt, mit ihren Bildchen bei der Euro 2008 eine Goldader getroffen zu haben. Ab Donnerstag präsentiert sie eine speziell auf den Schweizer Markt zugeschnittene Spezialedition.

"Diese Sonderausgabe ist eine Belohnung für unsere Schweizer Kunden. Das machen wir für kein anderes Land, nicht einmal für Österreich", sagt Silvia Losi, bevor sie einige Einzelheiten dieser Exklusivität enthüllt: "Das Album und die Bilder der Schweizer Ausgabe unterscheiden sich von den anderen. Die Edition fällt reicher aus und umfasst 555 Klebebildchen."

Nach einem kurzen Augenblick fügt sie hinzu: "Neben den üblichen zwanzig Porträts bekommen die Schweizer weitere zwanzig Fotos. Man sieht die Spieler in Aktion und in der Öffentlichkeit. Es gibt auch Fotos der Mannschaft, die Maskottchen Trix und Flix sowie der Stadien und Städte."

Die richtige Vorauswahl

Eine der grössten Herausforderungen für Panini liegt in der Wahl der zwanzig Fussballer, die im Album erscheinen werden. Kein Trainer lüftet das Geheimnis seiner "Liste der 23" vor der Präsentation der Sammlung. Man muss also richtig auswählen.

"Wir haben dafür intern ein spezielles Team gebildet", sagt Losi. "Wir analysieren die Statistiken der offiziellen Spiele, aber auch jene der Freundschaftsspiele. Im Zweifelsfall schicken wir unsere Liste den Verbänden, um herauszufinden, ob wir richtig liegen. Aus diesem Grund ist unsere Fehlerquote sehr gering."

Der Fall Jens Lehmann ist allerdings die Ausnahme, welche die Regel bestätigt. Der Torhüter der deutschen Nationalmannschaft figurierte nicht auf der Auswahlliste der Weltmeisterschaft von 2006.

"Wir haben also eine Sonderausgabe gestartet mit seinem Porträt und allen ihn betreffenden Informationen. Die Sammler konnten seine Karte anstelle eines anderen deutschen Nationalspielers einkleben", erinnert sich Silvia Losi.

Eine Institution

Mit zunehmender Anzahl Ausgaben der Sammlungen ist Panini zu einer Institution geworden, auf die sich sogar Zeitungen beziehen. Vor der Weltmeisterschaft in Frankreich 1998 hatte der "Corriere della Sera" geschrieben: "Panini selektiert Baggio nicht, der Nationalcoach schon", lacht Silvia Losi.

Böse Zungen behaupten auch, dass die Trainer erst auf die Ausgabe von Panini warten, bevor sie ihre endgültige Spielerliste veröffentlichen. Und Köbi Kuhn, macht er es wohl ebenso?

swissinfo und Pascal Dupasquier, La Liberté
(Übertragung aus dem Französischen: Etienne Strebel)

Dichtung und Wahrheit

Die Figuren bleiben, aber die Preise steigen. In diesem Jahr muss man für ein Päckchen einen Franken ausgeben. Das sind 10 Rp. mehr als 2006.

"Wenn Sie Bilder tauschen, müssen Sie rund eineinhalb Kartons für eine vollständige Sammlung ausgeben", schätzt Silvia Losi. "Die Rechnung für 100 Säckchen mit 555 Klebebildchen und dem Album ist schnell gemacht", sagt Losi. Eine komplette Sammlung kommt auf rund 150 Franken zu stehen.

Seit Jahren geistert das Gerücht herum, einige Bilder seien seltener als andere. Silvia Losi dementiert: "Alle Bildchen sind in einer identischen Menge gedruckt. Sie werden dann geschnitten und nach einem Zufallsprinzip gemischt."

Heute ist Panini weltweit führend im Bereich der Klebebilder, der viertgrösste Herausgeber von Jugendbüchern und italienischer Marktführer bei der Verteilung von Comics in Buchhandlungen.

2006 erwirtschaftete die Gruppe einen konsolidierten Umsatz von 926 Mio. Franken, verteilt auf 110 Länder mit 705 Beschäftigten.

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