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Schweizer Presse sucht Gründe für das WM-Debakel



Lara Gut nach dem Sturz im Slalom der Super-Kombination der Frauen.

Lara Gut nach dem Sturz im Slalom der Super-Kombination der Frauen.

(Reuters)

Nur eine einzige Medaille haben die Schweizer Skirennfahrerinnen und Skirennfahrer an den Weltmeisterschaften in Garmisch-Partenkirchen gewonnen. Nach diesem Debakel waren auch in der Schweizer Presse Analysen angesagt.

Der Schweizer Skiverband Swiss Ski stehe zwar besser da, als die Bilanz der Ski-Weltmeisterschaft aussage,meint die Neue Zürcher Zeitung. Dennoch gebe es viel zu tun. Die Zürcher Tageszeitung empfände es als "fatal", den ausgebliebenen Medaillenglanz nur mit "Pech" zu erklären und zur Tagesordnung überzugehen. Vielmehr liege es an der mangelnden Kontinuität.

Die Gruppe um Cuche habe innert eines Jahres zwei neue Trainer erhalten, der Frauen-Cheftrainer sei ohne Not und Stil entlassen worden, die Coaches der Frauen in der Disziplin Slalom seien im Jahresrhythmus ausgewechselt worden und ein neuer Direktor sei angeheuert und gleich wieder entsorgt worden, zählt die NZZ auf. Indiskretionen und Insiderinformationen hätten die Gerüchteküche angeheizt und der Sport sei darüber vergessen gegangen.

Und die Zeitung warnt:" Die elf Medaillen an der Junioren-WM 2011 verwandeln sich nicht automatisch in Erfolge bei den Grossen."

"Nicht ein Entwicklungsland"

Im Hinblick auf das Abschneiden der Schweizer Skifahrerinnen und Skifahrer will auch der Tages-Anzeiger nüchtern bleiben: "Die Schweiz war vor zwei Jahren nicht die Skination Nummer 1, als die sie gefeiert wurde, nur weil sie im Medaillenspiegel vorne lag. Sie ist auch jetzt nicht ein Entwicklungsland."

Die Schweiz müsse mehr Gas geben, auf allen Ebenen mehr tun, "die Detailarbeit noch mehr verfeinern, die Allrounder nicht verheizen."Die Österreicher allerdings würden noch unerreicht bleiben, die Zeit sei noch nicht reif für einen Sturz der Hierarchien. Doch laut dem Tages-Anzeiger gibt es Anzeichen, wohin die Entwicklung im Skirennsport gehen könnte[s1] , nämlich in den Osten.

Auch der Blick blickt in die Zukunft. Er befragt den neuen Cheftrainer der Männer, Osi Inglin, der in zwei Monaten die Nachfolge von Martin Rufener antritt, wo anzusetzen sei, um weitere Debakel dieser Art zu vermeiden. Inglin denkt, dass die bisherigen Sommertrainings in Argentinien zu oft ins Wasser gefallen seien.

Er sei mit einem chilenischen Ski-Insider in Kontakt. "Andere Nationen haben sehr gute Erfahrungen mit Schneetrainings in Chile gemacht", meint Inglin.

"Bitterer Nachgeschmack"

Strenger urteilt die Westschweizer Presse: Der angekündigte Triumpfmarsch der Schweizer Athleten mit sechs Medaillen habe sich in eine Niederlage wie bei der Schlacht an der Berezina verwandelt, schreibt La Liberté.

"Debakel. Misserfolg." Welches Vokabular man auch immer verwenden wolle, die Schweiz habe diese Weltmeisterschaften mit einem bitteren Nachgeschmack beendet, schreibt Le Temps. Wie hatten sich die Verantwortlichen von Swiss Ski so täuschen können? Sechs Medaillen hätten sie erwartet. Damit habe der Verband die Athleten unnötig unter Druck gesetzt, kritisiert die Westschweizer Tageszeitung.

Einzig Didier Cuche habe die Diskrepanz zwischen dem, was die Verbandsführung in ihren Büros verlangte und dem, was die Athleten auf ihren Skis erlebten, angeprangert.

Psychologische Unterstützung

Ob die Schweizer Athletinnen und Athleten überhaupt genügend gut auf die unerbittliche Medaillenjagd vorbereitet seien, wenn sie alle zwei Jahre aufgerufen würden, die Ehre der Nation zu verteidigen, fragt 24 heures. Das Blatt stützt sich auf die Erfahrungen von William Besse, einem ehemaligen Schweizer Abfahrer. Ohne Zweifel habe es an psychologischer Unterstützung gefehlt, meint dieser.

Das Niveau in den Wettkämpfen sei so hoch, dass man die Ziele präziser festlegen und ihre Annährung planen müsse. Obwohl er nicht wisse, wie es die Norweger und die Amerikaner bewerkstelligten, sei sein Tipp für die Zukunft: In der "Schweiz täte man gut daran, dieser Frage nachzugehen".

Enttäuschende Schweizer Bilanz

Swiss-Ski hat das angestrebte Ziel, die von Präsident Urs Lehmann und Dierk Beisel, dem Chef Leistungssport, genannten sechs Medaillen, deutlich verpasst.

Die Silbermedaille von Didier Cuche in der Abfahrt ist eine karge Ausbeute für die Schweizer.

In Garmisch gabs durch Didier Cuche im Super-G, Lara Gut in der Abfahrt und im Super-G sowie Dominique Gisin in der Super-Kombination vier "Lederne" für die Schweizer Delegation.

Fehlendes Wettkampfglück hatten auch Beat Feuz, Silvan Zurbriggen und Lara Gut in der Super-Kombination zu beklagen.

Zahlreiche Ausfälle und körperlichen Defizite hatten einen Qualitätsverlust zur Folge.

Im Moment ist die Spitze im Schweizer Team zu schmal, als dass Top-Athleten adäquat ersetzt werden könnten.

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swissinfo.ch


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