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Tourismus entdeckt religiöse Seite der Schweiz



Letzte Pinselstriche an einem Gemälde des Klosters Einsiedeln im Kanton Schwyz.

Letzte Pinselstriche an einem Gemälde des Klosters Einsiedeln im Kanton Schwyz.

(Keystone)

Nicht nur Berge und Seen, die Schweiz hat auch Kathedralen. Mit dem Segen der Schweizer Kirchen ruft Schweiz Tourismus seine Kundschaft auf, auch die spirituelle Landschaft des Alpenlands zu entdecken.

Auf der Internetseite "Religionslandschaft Schweiz" sollen in- und ausländische Gäste Informationen zum religiösen Hintergrund an ihren Aufenthaltsorten finden. Die Internetseite gibt auch einen Überblick über verschiedene Glaubensrichtungen, die in der Schweiz vertreten sind. Verlinkt sind Informationen über die Religionsgeschichte, Bräuche, sakrale Orte und Gebäude sowie Pilgerstätten.

"Für uns ist es wichtig, dass die Besucher auch mit der religiösen Dimension konfrontiert werden und dazu Informationen erhalten. Dahinter steckt selbstverständlich auch ein seelsorgerisches Anliegen", sagt Pater Lorenz Moser von der katholischen Kommission für Tourismus-, Freizeit und Pilgerseelsorge.

"Glaubensorientierte Reisen sind eine interessante Marktnische für die Schweiz", sagt Alex Hermann, Direktor Nordamerika bei Schweiz Tourismus. Es sei aber schwierig, den Markt zu quantifizieren.

Hermann hebt hervor, dass die Schweiz für Gäste, die am christlichen Glauben interessiert sind, viel zu bieten habe – namentlich das Kloster Einsiedeln, Kathedralen wie jene St. Gallens, Pilgerorte wie Flüehli-Ranft sowie ein Stück des Jakobswegs, der die Schweiz von Nordosten nach Westen durchquert.

Städtetours

"Daneben gibt es Städte mit besonderen Beziehungen zu religiösen Persönlichkeiten, zum Beispiel zwei treibende Kräfte in der europäischen Reformationsbewegung Calvin in Genf und Zwingli in Zürich.

'Reformation Tours' heisst ein in den USA ansässiger Tour-Operator, der pro Jahr fünf bis zehn Reisen in die Schweiz organisiert. "Zürich und Genf sind die wichtigsten Destinationen für uns. Oft bieten wir auch ein paar Übernachtungen in Grindelwald (Berner Oberland) an, damit die Kunden in die Berge gehen können", sagt Vize-Präsident Rowena Drinkhouse gegenüber swissinfo.ch

"In Zukunft wollen wir mehr Gruppenreisen in die Schweiz durchführen. Das christliche Erbe in diesem schönen Land ist sehr umfangreich und ausgezeichnet für Reisen - sowohl auf der Schiene wie der Strasse".

Viele religionsbezogene Reisen nach Europa machten Halt in der Schweiz, sagt Hermann. Gewöhnlich wünschen die Teilnehmenden eine Besichtigung der üblichen Sehenswürdigkeiten kombiniert mit Orten, die eine religiöse Bedeutung hätten. "Nicht selten verbinden sie diese mit Elementen von Aktivferien, wie Walking oder Bergwandern".

Christliche Ausrichtung

Die Website ist das Geisteskind der römisch-katholischen Kirche, dem Schweizerischen Evangelischen Kirchenbund und Schweiz Tourismus. Andere Religionsgemeinschaften werden ermutigt, eigene Informationen anzubieten, sagt Pater Lorenz Moser.

"Das Konzept sollte so neutral wie möglich sein und einen Überblick über die verschiedenen Glaubensrichtungen in der Schweiz geben". Den einzelnen Religionen stehe es dann frei, sich mit detaillierteren Informationen vorzustellen, wie es die katholische Kirche gemacht habe. "Aber abgesehen von der protestantischen Kirche hat noch keine andere Glaubensgemeinschaft Interesse angemeldet", sagt Moser.

Jüdische Geschichte

Der Schweizerische Israelitische Gemeindebund hatte keine Kenntnis von "Religionslandschaft Schweiz". Das Judentum ist hinter dem Christentum, dem Islam, Hinduismus und Buddhismus die fünftgrösste Glaubensgemeinschaft und hat eine lange Tradition in der Schweiz.

"Es ist nicht unser Ziel, touristische Informationen anzubieten, aber wir informieren über das Judentum in der Schweiz auf unserer Internetseite", sagt Generalsekretär Jonathan Kreutner gegenüber swissinfo.ch.

"Wir sind die Dachorganisation der jüdischen Gemeinden in der Schweiz, und wenn uns die Leute kontaktieren, verbinden wir sie mit den jeweiligen Gemeinschaften."

Laut Kreutner gibt es viele jüdische historische Orte in der Schweiz, die für Besucher interessant sein könnten, etwa die Synagoge in Endingen in der Nordschweiz. "Endingen und Lengnau waren die einzigen Dörfer in der Schweiz, wo Juden Ende 19. Jahrhundert leben durften", sagt er. Dort gebe es heute einen jüdischen Kulturweg "Endigen-Lengnau".

Auch in Zürich und Genf gebe es historische Gebäude, in denen jüdische Gemeinschaften lebten. Das Zürcher Lehrhaus bietet Rundgänge namens "Jüdisches Zürich" an, ein Bildungsangebot zur Förderung des Dialogs zwischen Juden, Christen und Muslimen.

Mangelnde Sichtbarkeit

Welche Resonanz das Angebot "Religionslandschaft Schweiz" bei Touristen bisher hatte, ist wenige Monate nach dem Start noch nicht klar.

Laut Pater Lorenz Moser gibt es keine verlässliche Statistik über die Zahl der Besucher auf der Website. Sehr euphorisch ist er aber nicht. "Ich fürchte, dass es nicht von vielen Besuchern entdeckt wurde, weil es auf der Website von Schweiz Tourismus verborgen und schwierig zu finden ist."

"Mit der Kommission für Tourismus, Freizeit und Pilgerseelsorge war vereinbart worden, auf der Website von Schweiz Tourismus einen Link auf 'Religionslandschaft Schweiz' herzustellen. Dieser Link erscheint nun unter allen externen Links für Kulturangebote in der Schweiz", erwidert Véronique Kanel von Schweiz Tourismus.

"Darüber hinaus verschickten wir eine Medienmitteilung im Namen der Kommission für Tourismus, Freizeit und Pilgerseelsorge, mit der wir der neuen Website zu optimaler Aufmerksamkeit verhalfen."

Schweiz Tourismus geht davon aus, dass Religionstourismus ein Wachstumsmarkt ist. "Diese Reisen erlauben es, eine potentielle Kundschaft anzusprechen, vor allem in gewissen Regionen der USA, die bisher nicht zu unseren Schlüsselmärkten gehörten, zum Beispiel der Mittlere Westen und eher ländliche Gebiete", sagt Hermann.

Religionszugehörigkeit (gemessen an der Bevölkerungszahl)

Christentum: 79, 27%

Islam: 4,25%

Hinduismus: 0,38%

Buddhismus: 0,29%

Judentum: 0,25%

Andere Religionsgemeinschaften: 0,11%

Keine Religionszugehörigkeit: 11,11%

Unbestimmt: 4,33%

Infobox Ende


(Übertragung aus dem Englischen: Peter Siegenthaler), swissinfo.ch


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