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Gewerkschaften: Nur bedingt erfolgreich

Siegessichere Bauarbeiter auf dem Bundesplatz.

(Keystone Archive)

In der Baubranche haben die Gewerkschaften mit dem flexiblen Rentenalter einen Sieg errungen - nur bedingt ein Meilenstein.

Flexibles Rentenalter: In vielen Ländern Europas gehört dies zum sozialpartnerschaftlichen Standard. In der Schweiz jedoch mussten Mitte letzten März mehr als 10'000 Gewerkschafter für ein Rentenalter 60 und eine Lohnerhöhung von 120 Franken im Baugewerbe demonstrieren. Vor dem Bundeshaus in Bern drohten sie mit Streik, sollte der Baumeisterverband auf diese Forderung nicht eintreten.

Mit der Streikdrohung wollten die Bauarbeiter die ins Stocken geratenen Verhandlungen für den neuen Landesmantelvertrag wieder in Gang setzen. Sie hatten Erfolg: Zehn Tage später einigten sich die Sozialpartner nach zähen Verhandlungen auf Rentenalter 60 und 100 Franken mehr Lohn. Während dem 1. Mai wirds gefeiert.

"Soziale Pionierleistung"

Die Einführung des flexiblen Rentenalters sei der grösste sozialpolitische Fortschritt der letzten Jahrzehnte, sagte der Präsident der Gewerkschaft Bau und Industrie (GBI) Vasco Pedrina. Und die Gewerkschaft Syna sprach von einer sozialen Pionierleistung. Aber auch die Arbeitgeber waren zufrieden: Er sei glücklich, einen neuen Vertrag zu haben, sagte Heinz Pletscher, Präsident des Schweizerischen Baumeister-Verbandes (SBV) nach dem Verhandlungsmarathon.

Rentenalter 60 sei ein Meilenstein, vergleichbar mit der Einführung der 5-Tage-Woche in den sechziger Jahren, befand Rolf Zimmermann vom Schweizerischen Gewerkschaftsbund (SGB) gegenüber swissinfo. Er rechne damit, dass dieses Resultat auch für andere Branchen, die mit dem Frühpensionierungs-Problem konfrontiert seien, Signalwirkung habe.

Stabile Sozialpartnerschaft

Auch Klaus Armingeon, Leiter des Instituts für Politikwissenschaften der Universität Bern und Autor des Buches "Gewerkschaften in der Schweiz", bezeichnet gegenüber swissinfo das in der Baubranche erreichte Ergebnis als einen grossen Erfolg: "Die Gewerkschaften haben die Spaltung der Arbeitgeberseite geschickt ausgenützt und sich bei den Verhandlungen klug verhalten." Rentenalter 60 hätte auf der politischen Bühne nie erkämpft werden können.

Doch sei dieser Erfolg nicht Ausdruck einer neuen Stärke und kämpferischen Gesinnung: "Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer! Die Gewerkschaften hatten nach einer schwachen Phase einfach wieder einmal einen Erfolg." Die Schweizer Gewerkschaften seien im internationalen Vergleich immer noch äusserst friedliebend und kompromissbereit.

Ungewöhnlich für die Schweiz

Dass eine gewerkschaftliche Forderung praktisch zu hundert Prozent erfüllt wird, ist tatsächlich ungewöhnlich in einem Land, das mit durchschnittlich 0,6 Streiktagen auf 1000 Beschäftigte nicht eben zu den streikfreudigsten gehört. (Zum Vergleich: Japan 2,0; Österreich 3,0; Kanada 217.)

Die Schweizer Sozialpartnerschaft sei trotz Irritationen und Betriebsstörungen nach wie vor stabil, betont Armingeon. "Für Gewerkschaften ist die Zeit jetzt günstig. Denn die Wirtschafts-Aussichten sind gut, und die Arbeitgeber entsprechend verhandlungsbereit."

swissinfo


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