Gletscher schmelzen stärker als erwartet

Eisschmelze beim Rhonegletscher: Ende August unter der Sommersonne Keystone

Die Alpengletscher haben sich zwischen 1985 und 2000 um rund 20% zurückgebildet. Bisher waren Forscher von einem Rückgang um 30% bis 2025 ausgegangen.

Dieser Inhalt wurde am 15. November 2004 - 14:01 publiziert

Die Uni Zürich wertete neue Satellitendaten aus, die eine starke Zunahme des Schmelzprozesses aufzeigen.

Die Schweizer Gletscher schmelzen stärker als erwartet: Die Fläche hat laut einem neuen Inventar der Universität Zürich in 15 Jahren um rund einen Fünftel abgenommen.

Zwischen 1985 und 2000 verloren die Schweizer Gletscher 18% der Fläche, alpenweit mit 22% sogar noch etwas mehr. Von 1973 bis 1985 hatte der Verlust lediglich ein Prozent betragen.

Schwund viel schneller als angenommen

Damit erreicht der Schwund bereits heute eine Grössenordnung, die erst für in 20 Jahren erwartet wurde, wie die Universität Zürich am Montag mitteilte. Laut einer früheren Studie waren Wissenschafter für das Jahr 2025 von einer Abnahme um 30% ausgegangen.

Verglichen mit dem Zeitraum 1850 bis 1973 hat sich der durchschnittliche Gletscherschwund zudem beschleunigt: Von 1973 bis 2000 verdreifachte sich die Abnahme, von 1985 bis 2000 versiebenfachte sie sich jedoch.

Die Abnahme sei "ziemlich heftig", sagt Frank Paul vom Geographischen Institut der Universität Zürich am Montag. Paul hat im Rahmen seiner Dissertation das Gletscherinventar für die Schweiz erstellt.

Reaktion auf heisse 90er Jahre

Der Schwund sei unter anderem eine Reaktion auf die heissen 90er Jahre des letzten Jahrhunderts und die erhöhten Temperaturen, sagt Paul weiter. In den Alpen habe die Temperatur zudem stärker zugenommen als in der restlichen Schweiz: In den letzten 150 Jahren wurde eine Zunahme um 0,6 Grad verzeichnet, in den Bergen waren es zwischen 1 und 1,5 Grad.

Vor allem kleine Gletscher betroffen

Vor allem die kleinen Gletscher leiden unter den höheren Temperaturen in den Alpen: Zwar entfallen nur 18% der Fläche auf kleine Gletscher, beim gesamten Gletscherschwund machen sie aber 44% aus.

Wie sich der Hitzesommer 2003 auf die Fläche der Gletscher ausgewirkt hat, ist noch nicht ausgewertet. Laut Paul war er aber für viele kleine Gletscher "der Todesstoss". Im Durchschnitt hat die Eisdicke in diesem einzigen Sommer um drei Meter abgenommen.

Während der zehn letzten Jahren waren es rund 60 Zentimeter, während den fünfzig Jahren zuvor 30 Zentimeter. Prognosen wollte Paul keine geben: Dies sei sehr schwierig, man begebe sich mit Prognosen auf Glatteis. Die Universität Zürich rechnet aber damit, dass sich der Eiszerfall fortsetzt.

Weltweites Inventar dank Satellit

Beim neuen Gletscherinventar wurden erstmals Daten des Satelliten Landsat mit modernen Methoden automatisiert ausgewertet. Landsat überfliegt seit 20 Jahren alle 16 Tage die gleiche Region und zeichnet dabei einen Streifen von 185 Kilometer Breite mit 30 Meter Bodenauflösung auf.

Bisher mussten für die Erstellung der meisten Gletscherinventare Luftbilder verwendet und von Hand ausgewertet werden. Dies dauerte mehrere Jahre. Mit den neuen Methoden erfolgt die Auswertung in wenigen Monaten.

Die Arbeit im Rahmen einer Studie des Schweizerischen Nationalfonds ist zudem auch eine Pilotstudie für ein internationales Projekt, weltweit ein Gletscherinventar mit Hilfe von Satellitendaten zu erstellen.

swissinfo und Agenturen

In Kürze

Vom Eis-Schwund sind vor allem kleine Gletscher betroffen.

Nur 18% der gesamten Gletscherfläche entfallen auf kleine Gletscher.

Doch beim gesamten Gletscherschwund machen sie 44% aus.

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Fakten

Die Schweizer Gletscher verloren zwischen 1985 und 2000 insgesamt 18% ihrer Fläche.
Im gesamten alpinen Raum verloren sie 22% ihrer Fläche.
Der Verlust in der Schweiz ist geringer, weil die Schweizer Gletscher höher liegen.
Von 1973 bis 1985 hatten sie nur ein Prozent verloren.
Von 1973 bis 2000 verdreifachte sich die Abnahme.
Von 1985 bis 2000 versiebenfachte sich die Abnahme.

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