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Good bye Australia, hello Switzerland!

Überraschung am Flughafen in Zürich: "Willkommen Lisa".

(swissinfo.ch)

Die Schweizer Austauschschülerin Lisa Christen (18) ist wieder in der Schweiz. In einer 15-teiligen Serie berichtete die Nidwalderin während zehn Monaten über Freud und Leid in einem Austauschjahr.

So problematisch die Anfangszeit gewesen war, so schön endete Lisas Aufenthalt in Australien. (Teil 15)

Ich war so froh, dass "Muftiday" war und ich mich an meinem letzten Schultag nicht mehr in diese schreckliche Uniform stürzen musste. Während ich meinen letzten Schultag in normalen Klamotten genoss, standen meine Schulkollegen kurz vor den Halbjahres-Examen.

Komischerweise war ich zuerst gar nicht so nervös, obwohl ich vor 1200 Schülern eine Abschlussrede in Englisch halten musste. Dann aber stieg die Nervösität. Ich wurde aufgerufen, und meine Schulfreunde überreichten mir einen riesigen Blumenstrauss. Der "Principal" der Schule schenkte mir ein Buch über Sydney und ich begann mit meiner Rede.

Abschlussrede vor 1200 Schülern

Ich erzählte zuerst von meinen anfänglichen Schwierigkeiten "In the middle of nowhere" und schilderte dann, wie sich schliesslich alles zum Guten wendete. Ich beschrieb dieses Jahr als einen Traum, von dem ich wusste, dass ich schon bald in der Schweiz wieder aufwachen würde.

Als ich ein Gesicht mit Tränen in den Augen erblickte, musste auch ich weinen. Ich war nicht mehr fähig zu sprechen und bat eine Freundin, meine Dankesworte vorzulesen. Nach meiner Rede kamen alle meine Freunde zu mir und nahmen mich in die Arme. Es war ein schönes Gefühl, dass so viele mit mir mitfühlten.

Beim "Lunchbreak" wurden mir weitere Blumen überreicht und dann überraschten mich meine Freunde auch noch mit einem Kuchen, der die Aufschrift "Farewell Lisa we love you!" trug. Ich war an diesem Tag einerseits unendlich traurig, die Leute von der Schule verlassen zu müssen, anderseits war ich glücklich, dass ich so viele nette Menschen in Australien zu meinen Freunden zählen darf.

Ich hatte nun vier Wochen Ferien und buchte sogleich mit Marie, einer deutschen Austauschschülerin, einen Surfkurs am Bondi Beach. Das Surfen machte mich richtiggehend süchtig, so dass ich mich kurz darauf auch noch für ein Surfcamp am Seven Mile Beach anmeldete.

Volljährig durchs Nachtleben von Sydney

Der letzte Monat in Australien war der Beste. Ich verbrachte viel Zeit mit meiner Gastfamilie und mit meinen Freunden. Im April wurde ich zudem endlich volljährig. Es war ein heisser, wunderschöner Tag. Freunde aus meiner Schule luden mich an meinem Geburtstag zum Mittagessen ein, zwei andere Freunde zum Abendessen.

Am späteren Abend schlenderte ich mit meiner Freundin Julia durchs Nachtleben von Sydney. Vor einem Club schenkte uns ein Türsteher zwei Gratiseintritte und eine 100 Dollar VIP-Getränkekarte. Dies konnten wir natürlich nicht ausschlagen. Wir lösten unseren Gutschein ein und fuhren später mit dem Taxi zum Darling Harbour und betraten dort einen anderen Club.

Julia übernachtete bei meiner Gastfamilie. Nach zwei bis drei Stunden Schlaf wurden wir von meinen fünf kleinen Gastgeschwistern geweckt. Julia sagte mir, dass sie noch nie von solch einem Lärm geweckt worden sei. Ich allerdings hatte mich schon längst daran gewöhnt.

Abschied tut weh!

Das Datum der Rückreise rückte immer näher. Ich machte meine letzten Shoppingtouren und begann mich bei einigen Freunden zu verabschieden.

Am Abend bevor ich abflog, lud mich meine Familie zum Essen ein. Ich realisierte nicht richtig, dass es mein letzter Abend in Australien war. Wir gingen in ein italienisches Restaurant essen – wie hätte es auch anders sein können, und zu Hause gab‚s Tee und Kuchen, den ich für meine Gastfamilie hatte backen lassen. Die letzte Nacht bei den Macri’s schlief ich erstaunlich gut. Ich hatte die ganze Woche zuvor fast nichts geschlafen.

Meine Gasteltern Rob und Kylie fuhren mich zum Flughafen. Es fiel mir sehr schwer, mich bereits zu Hause von meinen Gastbrüdern zu verabschieden.

Nur Tahlia und Corey durften mitgehen. Die kleine Tahlia besucht die Vorschule und Corey jammerte, er habe Bauchschmerzen. Die anderen drei Kinder hingegen mussten widerwillig den Weg zur Schule antreten. Nonna, die Mutter von Rob, weinte, umarmte mich und drückte mir eine italienische Spezialität in die Hand mit den mir bekannten Worten "Mangia, mangia Lis".

Am Flughafen traf ich die anderen Schweizer, welche mit mir zurück flogen. Ich verbrachte die letzte Stunde auf australischem Boden mit meiner Gastfamilie und den Austauschschülern der Turramurra High School, die sich extra für mich frei genommen hatten.

Zehn Minuten bevor ich durch das Gate gehen musste, wollte Kylie aufbrechen. Sie könne nicht zusehen, wie ich diese endgültige Stelle passieren würde, meinte sie. Kylie und ich weinten und wollten uns nicht mehr loslassen.

Die dreijährige Tahlia sah uns mit grossen Augen an. Sie konnte gar nicht begreifen, was los war und fragte ihre Mutter: "Mum, are you okay? Would you like a tissue?" Dieser Abschied war für mich sehr hart, da ich nicht wusste, wann ich diese meine "Aussie Family", die mir so ans Herz gewachsen war, wieder sehen würde.

Weinen und Lachen zugleich

Ich verabschiedete mich auch von meiner zweiten Gastfamilie, den Messinas, von den Austauschschülern und von meiner deutschen Freundin Marie, die mir in diesem Jahr so vertraut geworden ist.

Im Flugzeug konnte ich meine Gefühle nicht einordnen und öffnete die vielen Briefe und Geschenke, die ich erhalten hatte. Mir liefen die Tränen über die Wangen, und zwischendurch brachten mich die Briefe wieder zum Lachen.

Die Zeit im Flugzeug verging wie im Fluge. Wir Austauschschüler hatten uns alle so viel zu erzählen. Nach einem 30-stündigen Flug landeten wir am Samstag, 1.Mai, um 12:30 Uhr in Zürich Kloten.

Zurück in der Heimat

Wenn ich an die Ankunft denke, läuft alles wie ein Film ab. Alle sind sehr aufgeregt. Durch die Scheibe erblicke ich all die wartenden Menschen. Ich kann aber keine mir bekannten Gesichter erkennen und werde nervös. Meine Augen suchen wie wild umher.

Endlich! Ich erblicke das Gesicht von Clivia, meiner Freundin aus Hergiswil. Jetzt nur noch durch den Zoll und hinein ins Getümmel. Ich suche meine Mutter, sehe bekannte Gesichter aus Nidwalden und ein grosses Transparent "Willkommen". Ich suche weiter und da steht sie. Ich weine, diesmal vor Freude. Wir umarmen uns. Dann fallen mir Clivia und Aida, meine Schulfreundin aus dem Gymnasium in Stans, um den Hals.

Ich erhalte Blumen um Blumen und begrüsse all meine Freunde, die extra an den Flughafen gekommen sind. Dann geht's nach Hause in die Innerschweiz. Zehn Monate nach meinem Abflug nach Australien bin ich wieder in Hergiswil und betrete unser Haus. Alles ist so weiss und hell und klar.

Freunde aus Hergiswil und Umgebung fallen nach und nach ins Haus. Erst jetzt realisiere ich, dass meine Familie das Willkommen in Zürich und einen Tag der offenen Tür organisiert hat.

Gegen Abend wird es immer ruhiger im Haus. Ich hingegen bin überhaupt nicht müde und gehe mit meiner Mutter ins neue Glasipub in Hergiswil. In Stans soll eine Party abgehen. Da kann mich nichts mehr halten, denn ich weiss, dass ich dort viele alte Freunde treffen werde. Die Nacht wird lang. Um vier Uhr früh komme ich nach Hause und falle todmüde ins Bett.

Nach nur fünf Stunden Schlaf schrecke ich plötzlich hoch und bin hellwach. Ich habe vergessen, Kylie und Rob in Australien anzurufen. Ich greife zum Hörer. Kylie nimmt ab. Es ist ein schönes Gespräch, auch wenn Kylie traurig ist und die kleine Tahlia noch nicht begriffen hat, dass ich mit dem "grossen Flugzeug" für lange Zeit weggeflogen bin.

E-mails aus aller Welt

Ich kann nicht mehr weiter schlafen. Viele Dinge gehen mir durch den Kopf; die schwierigen ersten Monate mit der damaligen Gastfamilie in Portland und der Austauschorganisation. Ich habe gelernt, mich zu wehren und für mein Recht zu kämpfen.

Ich bin mir sicher, dass ich auch dank der 15-teiligen Internet-Serie auf swissinfo.ch in Australien bleiben konnte, weil die Organisation weitere Schlagzeilen befürchtete. Die vielen E-mails, die ich aufgrund meiner Serie aus aller Welt erhielt, haben mich sehr gefreut.

Es ist Mittag. Meine Mutter und ich fahren nach Luzern und brunchen ausgiebig. Ich geniesse es, durch diese schöne kleine Stadt zu fahren, umgeben von Bergen und See. Schnee liegt noch in Hülle und Fülle. Vielleicht kann ich in den nächsten Tagen statt im Meer zu surfen im Schnee auf dem Snowboard meine Kurven ziehen.

swissinfo, Lisa Christen
(bearbeitet von Thomas Vaszary)

Fakten

Lisa-Deborah Christen (17) lebt zusammen mit ihrer Mutter Elsbeth (53) und den Brüdern Albrecht (23) und Basil (20) in Hergiswil im Kanton Nidwalden. Vater Hans starb im Jahr 2000.
Lisa geht am Kollegium St. Fidelis in Stans NW zur Schule.
August '03 beginnt Lisa ihr Austauschjahr bei der Familie Coleman in Portland, Australien.
Unerwartet kommt es nach wenigen Wochen zum Eklat: Lisa verlässt die Familie Coleman und zieht nach Perth zu einer Auslandschweizerin, die sie über swissinfo kennen gelernt hat.
Während mehreren Wochen lebt Lisa bei der 5-köpfigen Familie Messina in Mount Kuring Gai. Zusammen mit ihrer Gastschwester Mary besucht Lisa die Turramurra High School.
Dann folgt ein erneuter Umzug: Lisa ist nun bei Kylie (31) und Rob (34) und ihren fünf Kindern Tahlia (3), Ryan (4), Dylan (7), Luke (9) und Corey (11). Sie besucht weiterhin die gleiche Schule.

Infobox Ende

In Kürze

Die 17-jährige Lisa Christen aus Hergiswil NW war für ein Jahr lang als Austausch-Schülerin in Australien.

Zuerst lebte sie inn Portland, New South Wales, 250 Kilometer von Sidney entfernt. Sie verliess jedoch mit dem Einverständnis ihrer Mutter die Gastfamilie.

Nach einem "Erholungs-Urlaub" lebte sie in der Nähe von Sydney, bei der Familie Messina in Mount Kuring Gai. Später zügelte Lisa dann erneut und verbrachte ihre letzten Monate bei der 7-köpfigen Familie Macri.

In ihrem Online-Tagebuch auf swissinfo.ch erzählte Lisa von ihren Erwartungen, Erfahrungen und Begegnungen mit den Menschen im Land ihrer Träume.

Wer mit Lisa Kontakt aufnehmen möchte, erreicht sie unter lisachristen86@gmx.ch.

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