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Hochwasser statt Frühling in der Schweiz

Land unter Wasser: Anbaugebiet bei Corcelles-pres-Payerne im Kanton Waadt.

(Keystone)

Die ungewöhnlich starken Schnee- und Regenfälle der letzten zweieinhalb Tage haben in vielen Teilen der Schweiz grosse Schäden verursacht.

An den Seen begann sich die Lage am Dienstag zu entspannen.

Das Wetter macht in der Schweiz dem Frühling gegenwärtig keine Ehre: In den letzten zweieinhalb Tagen sind vielerorts mehr Regen und Schnee gefallen als sonst im ganzen April zusammen.

In den Voralpen fielen gebietsweise über einen halben Meter Neuschnee. So lagen auf dem Jaunpass im Berner Simmental am Dienstagmorgen 56 Zentimeter Neuschnee.

Die Dauerniederschläge zeigten teils schlimme Folgen: Am Montag ertrank in Hallau im Kanton Schaffhausen ein dreijähriges Mädchen, das in die Fluten eines Hochwasser führenden Baches gestürzt war. Hochwasser überschwemmten Wohnquartiere und Strassen, die Ernte der Bauern fiel teilweise den Fluten zum Opfer, namentlich im Seeland.

Teilweise Entspannung

Am Dienstag begann sich die Situation allmählich wieder zu entspannen. Feuerwehr und Polizei standen an zahlreichen Orten aber immer noch im Dauereinsatz.

Die grössten Schäden verzeichnete in einer ersten Bilanz die Nordwestschweiz: In den Regionen Bern, Emmental, Seeland und im Oberaargau gingen bei den Behörden über 400 Meldungen über Wassereinbrüche, Erdrutsche, überflutete Strassen, umgestürzte Bäume und Verkehrsunfälle ein.

Auch der Kanton Baselland registrierte seit Montagabend über 100 Notrufe. Es habe unzählige neue Wasserschäden gegeben, so die Polizei. Die Hochwassersituation bleibe dort angespannt.

Gemüsekulturen zerstört

Grossen Schaden richtete das Hochwasser im bernisch-freiburgischen Seeland an. Ein grosser Teil der Kulturen gehe kaputt, sagte Jakob Wettstein, Präsident der Seeländer Gemüsebauern. Sobald die Gemüse und Salate länger als 24 Stunden unter Wasser stünden, würden sie ersticken.

Im Durchschnitt rechnet Wettstein für das Seeland mit Ernteausfällen von 20 bis 50%. Der Regen komme umso ungelegener, als die Gemüsebauern schon mit dem Säen der Pflanzen länger hätten warten müssen als üblich.

Seepegel weiter hoch

Kritisch blieb die Situation am Bieler-, Murten- und Neuenburgersee. Der Pegel des Neuenburgersees stieg in der Nacht weiter an und erreichte am Dienstag die Rekordmarke von 1987.

Auch der Pegel des Murtensees stieg seit Montagabend um sechs Zentimeter. Der Camping-Platz bei Pra-Novy musste geschlossen werden. Etwas gesunken ist hingegen der Wasserstand im Bielersee. Die Behörden warnen, dass die Pegel der drei Seen ansteigen könnten, falls in den Alpen die Schneeschmelze einsetzt.

Rheinschifffahrt wieder aufgenommen

Normalisiert hat sich hingegen die Lage auf dem Rhein bei Basel. Die Pegel sanken bereits in der Nacht auf Dienstag unter die Sperrmarken, die Schifffahrt konnte wieder aufgenommen werden. Insgesamt waren zeitweise 29 Schiffe in und um Basel blockiert gewesen.

Auch im Kanton Aargau entspannte sich die Situation. Der Wasserstand in Flüssen und Bächen, insbesondere in der Aare, blieb zwar hoch, wie die Aargauer Kantonspolizei mitteilte. Doch zu weiteren Überschwemmungen kam es nicht. Wegen des aufgeweichten Bodens stürzten an verschiedenen Orten Bäume um.

Im Kanton Zürich lagen die Pegel der Gewässer unter den Alarmwerten und waren stabil oder gar sinkend. In vielen Kantonen blieben aber einzelne Strassen gesperrt.

Dutzende Unfälle in Ostschweiz

Im Verlauf des Montagabends war der Regen in Teilen der Schweiz in Schnee übergegangen. In der Ostschweiz fielen bis 30 Zentimeter Schnee. Allein im Kanton St. Gallen kam es deshalb zu rund zwei Dutzend Verkehrsunfällen. Im Kanton Zug verlor eine Autofahrerin auf der schneebedeckten Strasse die Kontrolle über ihr Fahrzeug und prallte in ein entgegenkommendes Auto. Sie wurde schwer verletzt.

Nach einer kalten Nacht mit mässigem bis starkem Frost erwarteten die Meteorologen am Mittwoch und am Donnerstag den Durchzug von zwei neuen Störungen. Die Niederschlagsmengen dürften aber deutlich geringer sein als in den vergangenen drei Tagen.

swissinfo und Agenturen

In Kürze

Laut MeteoSuisse fielen in den letzten zweieinhalb Tagen in der Schweiz bis zu 70 Liter Niederschläge pro Quadratmeter.

In den Voralpen fiel teilweise mehr als ein halber Meter Neuschnee.

Bern, Basel, Waadt und Freiburg gehören zu den Kantonen, die am stärksten von den Unwettern betroffen wurden.

MeteoSuisse rechnet für Mittwoch und Donnerstag mit weiteren, jedoch nicht mehr so starken Niederschlägen.

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