Hoffnung und Hilfe für Kriegsopfer von Falludscha

Ein durch US-Bombardierungen zerstörtes Haus in Falludscha. Keystone

Die Schweiz will ein Rehabilitations-Zentrum für Kriegsopfer in Falludscha errichten – trotz der anhaltenden kriegerischen Auseinandersetzungen in der irakischen Stadt.

Dieser Inhalt wurde am 25. Oktober 2004 - 19:51 publiziert

Schätzungsweise 4000 Menschen in dieser Region sind kriegsversehrt.

Die meisten Hilfsprojekte seien wegen der fast täglichen Angriffe und Selbstmordanschläge in Falludscha sistiert worden, sagt Daniel Beyeler, Koordinator der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) in Irak.

Der früher in Bagdad stationierte Beyeler selber musste aus Sicherheitsgründen ins benachbarte Jordanien abziehen.

"Wir hatten unser Projekt schon lange in der Pipeline", sagt der DEZA-Koordinator gegenüber swissinfo. Hauptziel des Unterfangens sei es, die Kriegsopfer mit medizinischer Versorgung und Rehabilitations-Programmen zu unterstützen.

Landesweites Netzwerk

Das Zentrum wird Teil eines Netzwerks von Rehabilitations-Zentren sein, die der Behinderten-Verband, eine irakische Nichtregierungs-Organisation, in den kommenden Jahren im ganzen Land errichten will. Langfristiges Ziel sei die Errichtung eines Rehabilitations-Zentrums für Kriegsopfer in allen 18 irakischen Provinzen.

Laut Beyeler wird schon bald mit den Bauarbeiten begonnen, die an lokale Firmen vergeben wurden. "Das ist der kleinere Teil des Projektes, da das Gebäude bereits vorhanden ist."

Die grössten Herausforderung seien logistischer Natur, vor allem die Verteilung der Medikamente, weil diese an Ort nicht erhältlich seien und aus Jordanien eingeführt werden müssten.

Herausforderung

"Die grösste Herausforderung wird die Versorgung mit Medikamenten und der Bau einer kleinen Zahnklinik sein", so Beyeler weiter. Er hofft, dass das Zentrum in den nächsten Monaten eröffnet werden kann.

"Wir rechnen damit, dass pro Tag etwa 100 bis 120 der insgesamt 4000 Kriegsversehrten in der Region zur Behandlung ins Zentrum kommen werden."

Das westlich von Bagdad gelegene Falludscha, eine traditionelle Hochburg der sunnitischen Muslime, gilt als Aufstands- und Widerstandsnest. In den letzten Wochen wurde die Stadt mehrmals von der amerikanischen Luftwaffe bombardiert.

Die von den USA angeführten Koalitionstruppen in Irak behaupten, bewaffnete Anhänger des gebürtigen Jordaniers Abu Musab al-Zarkawi hätten sich in der Stadt verschanzt und würden diese als Stützpunkt für ihre Aktivitäten benutzen.

Laut Aussagen von irakischen Ärzten wurden in Fadschulla bei den US-Bombardierungen und den anhaltenden Kämpfen in den letzten Wochen Hunderte von Menschen getötet.

Warum gerade Falludscha?

"Die DEZA hat Falludscha als Ort des Rehabilitations-Zentrums gewählt, weil wir den Menschen in dieser Stadt ein bisschen Hoffnung geben wollen", sagt Beyeler. In der Hauptstadt Bagdad existiere bereits ein solches Zentrum.

"Wir entschieden uns für Falludscha, weil sonst niemand den Menschen dort hilft. Wir wollen den Kriegsopfern wieder zu einem normalen Leben verhelfen und sie wieder in die Gesellschaft integrieren."

Nach 13 Jahren Sanktionen und drei Kriegen versuchen die Hilfsorganisationen, das zerstörte Land wieder auf die Füsse zu bringen. Die immer schlechter werdende Sicherheitslage in Irak erschwert dies aber und hat viele Hilfswerke gezwungen, ihr internationales Personal abzuziehen.

Ein anderes von der DEZA finanziertes Projekt, die Wiedereröffnung zweier Schulen in Bagdad, sei eben gerade abgeschlossen worden, so Beyeler weiter. Die DEZA plane in naher Zukunft indessen keine Unterstützung weiterer Projekte in Irak.

swissinfo, Katalin Fekete
(Übertragung aus dem Englischen: Jean-Michel Berthoud)

Fakten

Januar 2004: Eröffnung des ersten Rehabilitations-Zentrums für Kriegsopfer in Bagdad

Im Zentrum von Falludscha sollen 5 Angestellte sowie ein freiwilliger Arzt arbeiten

Bau- und Planungskosten des Zentrums: Rund 125'000 Fr.

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In Kürze

Die irakische Bevölkerung erlitt in den letzten zwei Jahrzehnten drei Kriege und 13 Jahre Sanktionen.

Der Krieg zwischen Irak und Iran dauerte in den 80-er Jahren acht Jahre. Darauf folgte 1991 der Golf-Krieg und 2003 die von den USA angeführte Invasion.

Im letzten Jahr verdoppelte die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) ihr Engagement für Irak annährend und setzte 8,1 Mio. Franken ein. In diesem Jahr will die DEZA weitere 8,3 Mio. Franken für die Irak-Hilfe zur Verfügung stellen.

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