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In Genf entstehen Wählerlisten für Irak

Iraker befestigen Wahlplakate an einer Mauer in Bagdad. Keystone

In Genf arbeiten über tausend Menschen pausenlos daran, um die Durchführung der im Irak geplanten Wahlen vom 30. Januar zu ermöglichen.

Dieser Inhalt wurde am 26. November 2004 - 11:12 publiziert

Sie wurden von der Personalfirma Manpower angestellt, um Millionen von Daten aus den irakischen Wählerlisten in eine elektronische Datenbank zu übertragen.

Wer in Irak lebt und am 1. Januar über 18 Jahre alt ist, darf an der Abstimmung vom 30. Januar teilnehmen. An diesem Tag sollen die 275 Mitglieder der neuen Nationalversammlung bestimmt werden, deren Hauptaufgabe die Schaffung und Verabschiedung einer neuen Verfassung für das Land sein wird.

Doch bevor die Wahlen stattfinden können, müssen die Behörden die existierenden Wähler-Register durchforsten, um einen möglichst freien und fairen Wahlgang zu ermöglichen.

Die Personalvermittlungs-Firma Manpower hat bis Ende letzter Woche in Genf über 1100 der benötigten 1400 temporären Arbeitskräfte angestellt, um die Namen und Adressen aus den Wählerlisten in eine elektronische Datenbank zu übertragen. Dies im Auftrag der vom UNO-Sicherheitsrat unterstützten unabhängigen irakischen Wahlkommission.

Diese Register auf Papier enthalten die Namen aller Irakerinnen und Iraker, die im Besitz von Rationierungskarten des UNO-Programms "Öl für Lebensmittel" waren.

Herausfordernde Suche

Laut dem Genfer Regionaldirektor von Manpower, Charles Parisod, verlangte die unabhängige Wahlkommission Arabisch oder Kurdisch sprechende Personen mit PC-Kenntnissen auf arabischen Tastaturen.

"Eine schwierige Aufgabe", sagt er gegenüber swissinfo. "Innert kürzester Zeit mussten wir eine grosse Anzahl Leute rekrutieren und trainieren."

Manpower hat aus diesem Grund die Schweizer Behörden um Hilfe gebeten, um die nötigen Arbeitsbewilligungen für die selektionierten Arbeitskräfte etwas schneller besorgen zu können.

"Die Grösse des Projekts hat sie zu Beginn etwas erstaunt. Deshalb war es eine ziemliche Herausforderung, die Abläufe in Bern etwas anzuschieben", betont Parisod.

Es bleibe immer noch "ein Berg von Arbeit zu erledigen", und einige Arbeitsbewilligungen seien immer noch hängig. Doch Manpower ist zuversichtlich, die nötigen 1400 Personen "innert Tagen" an der Arbeit zu haben.

Asylbeweber interessiert

Eine Schwierigkeit bei der Besorgung der Arbeitsbewilligungen ist die Tatsache, dass sich auch Hunderte Asylsuchende um eine Stelle beworben haben. Viele von ihnen bringen die erforderten Kenntnisse mit.

Nachdem das Genfer Justiz- und Polizeidepartement im Zusammenhang mit Arbeitsbewilligungen für Asylsuchende "aussenpolitische Implikationen" geltend gemacht hatte, war die Angelegenheit in die Kompetenz des Bundes gefallen.

Dieser hat nun grösstenteils grünes Licht gegeben. "Am 19. November hat das Aussenministerium dem Kanton Genf im Namen der Bundesbehörden geantwortet", sagt EDA-Sprecher Alessandro Delprete gegenüber swissinfo.

"Im Antwortschreiben stand, dass die Schweiz den Kanton Genf unterstützen werde, besonders in den Bereichen Risikoeinbeurteilung, Sicherheit und Lieferung von Arbeitsbewilligungen (für dieses Projekt)."

Wieviele Bewilligungen allerdings noch hängig sind, wollte Delprete "nicht kommentieren".

Umfassende Fehlersuche

Der Grossteil der bereits Angestellten beschäftigt sich mit der Dateneingabe und einer umfassenden Fehlersuche in den Namen und Adressen der Personen auf den Wählerlisten.

"Jeder Eintrag wird zweimal geprüft, von zwei verschiedenen Personen", so Parisod. Die Angestellten verdienen zwischen 20 und 27 Franken pro Stunde und arbeiten bis Ende Dezember.

Das Genfer Projekt ist übrigens nicht die einzige Schweizer Verbindung mit den irakischen Wahlen vom Januar: Auch die Stimmzettel stammen aus der Schweiz. Diese werden vor den Wahlen von einer Firma zu den 9000 Abstimmungslokalen gebracht, die mit über 40'000 Urnen bestückt sein werden.

swissinfo, Ramsey Zarifeh
(Übertragung aus dem Englischen: Christian Raaflaub)

Fakten

Manpower ist der weltweit zweitgrösste Personalvermittler, hinter der schweizerischen Adecco.
Bis Ende November hatte die Firma 1100 von 1400 Stellen besetzt, die sie benötigt, um eine Datenbank der Wählerlisten zu erstellen.
Die Arbeit soll Ende Dezember abgeschlossen werden, einen Monat vor den Wahlen.

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