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Kantone tun sich schwer mit dem digitalen Amt

Eines der wenigen bürgernahen E-Ämter.

(swissinfo.ch)

Die Kantone stecken jährlich insgesamt rund 30 Mio. Franken in ihre Web-Auftritte. Nur wenige bieten aber Informationen, die erwünscht und gesucht sind.

Eine Vergleichsstudie zeigt, dass der Kanton St. Gallen die Bedürfnisse seiner Bürgerinnen und Bürger am besten trifft.

"Die Kantone sollten sich bei ihren Internetauftritten mehr auf die Nachfrage konzentrieren und schauen, was die Leute wirklich suchen", resümiert Politologe Christoph Glauser gegenüber swissinfo das Ergebnis der Studie ArgYou.

Unter Glausers Leitung hat das Berner Institut für angewandte Argumentenforschung (IFAA) im Auftrag der Kantone bereits zum fünften Mal die Inhalte der 26 kantonalen Web-Auftritte analysiert.

"Insgesamt haben wir rund 189 Mio. verschiedene Themen-Dienstleistungen gemessen und sie mit den Daten von Internet-Suchmaschinen verglichen", erklärt Glauser. Um an diese Daten zu kommen, hätten sie mit den grössten globalen und nationalen Suchdiensten entsprechende Abkommen vereinbart.

Neuer Aufbruch

Im Vergleich zur ArgYou-Studie vom Mai haben die Kantone ihr E-Government-Angebot nach einer Stagnation im zweiten Halbjahr 2005 insgesamt eher wieder ausgebaut.

"Es bewegt sich zur Zeit recht viel. Mindestens die Hälfte alle Kantone führte im letzten halben Jahr grössere Überarbeitungen ihrer Seiten durch", sagt Glauser weiter.

Laut der aktuellen Studie stellen die Kantone auf ihren Seiten heute wesentlich mehr PDF-Dokumente zum Herunterladen zur Verfügung als im vergangenen Mai. Seither sind auch über 2000 neue digitale Formulare und einige Hundert e-Mail-Adressen hinzugekommen.

An den Bedürfnissen vorbei

Obwohl die 26 Portale eine Fülle von Dienstleistungen anbieten und auch die Themenvielfalt gross ist, decken sich die Angebote nicht immer mit der Nachfrage.

"Es fehlt oft an der Koordination zwischen den einzelnen Ämtern", stellt Glauser fest. Bei Hochbauämtern sei beispielsweise mehr Geld vorhanden als in anderen Ämtern, und es werde entsprechend mehr ins Internet investiert. Tatsache sei jedoch, dass "praktisch niemand nach einem Hochbauamt im Internet sucht", stellt Glauser fest.

Dagegen seien Informationen von Arbeitsämtern, Polizeistellen oder Steuerverwaltungen sehr gesucht. Nur bieten diese laut Glauser zum Teil recht wenig Informationen an.

Nur langsam setze sich bei den Kantonen zudem die Erkenntnis durch, dass vor allem die Inhalte auf den Portalen wichtig sind und weniger die grafische Aufmachung der Seiten.

Nutzerinnen und Nutzer möchten vor allem finden was sie suchen, ohne sich vorher durch digitale Bilderwüsten kämpfen zu müssen.

Digitale Unterschrift verschlafen

Unter anderem hänge das auch damit zusammen, dass die digitale Unterschrift noch nicht eingeführt sei. "Sobald Sie eine Dienstleistung von der Polizei in Anspruch nehmen wollen, müsste diese natürlich wissen, wer am anderen Ende des Kabels sitzt", sagt Glauser.

Es bräuchte seiner Ansicht nach eine Art digitales Grundbuchamt. "Der Bundesrat (Landesregierung) hat es aber total verschlafen, dafür eine gesamt-schweizerische Lösung einzuführen", betont Glauser. So lange eine solche fehle, blieben die Kantons-Auftritte vor allem Informationsportale.

Mehr investieren ins Personal

Ein weiteres Problem sieht Glauser in der Überforderung der Behörden mit "digitalen Wildwuchs".

Es gebe sehr viele private Anbieter, die öffentlichen Körperschaften überinstrumentierte Lösungen verkauften, wie etwa viel zu grosse Datenbanken oder riesige Leitungen. "Jede Web-Factory verspricht den Kantonen oder Gemeinden, dass sie ihnen die allerbeste Seite der Welt baue."

Weil es bei den öffentlichen Verwaltungen aber immer noch zu wenig Experten gibt, die abschätzen können, ob die Lösungen auch halten, was sie versprechen, wird viel Steuergeld verschleudert, wie Glauser sagt.

Ernüchterung bei Behörden

Allgemein stellt die Studie bei den Betreibern von E-Government-Seiten eine grosse Ernüchterung fest. Man habe schmerzlich erfahren müssen, dass die Hundemarke immer noch persönlich abgeholt werde und dass der Kontakt mit der Gemeindekasse praktisch nie digital erfolge.

Der Kontakt mit dem Staat könne also nicht, wie sich dies ursprünglich viele Verwaltungen erhofft hätten, einfach auf eine Webseite übertragen und automatisieren lassen.

Aus dieser Erkenntnis heraus hätten einige Kantone gelernt und böten neuerdings wieder Kontaktmöglichkeiten an, natürlich Formulare, einen Auskunftsdienst und Beratung.

swissinfo, Nicole Aeby

Fakten

Vergleichsstudie über die Internet-Seiten der Kantone:
Grösste Übereinstimmung von Angebot und Nachfrage: SG, BL, ZH, BE, SO.
Kleinste Übereinstimmung von Angebot und Nachfrage: TG, AR, NE, JU, SH, ZG.
Grösste Themenvielfalt: ZH, SG, BL, BE, TI.
Die meisten Dienstleistungen: ZH, BE, BL, SG.
Am besten zu finden: BL, BE, ZH, BS, AI.
Am schwierigsten zu finden: TG, FR, NE, ZG, JU.

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