
Karadzic-Prozess in Den Haag ohne Angeklagten eröffnet und vertagt
(Keystone-SDA) Den Haag – Der Völkermord-Prozess gegen den ehemaligen Führer der bosnischen Serben, Radovan Karadzic, ist ohne den Angeklagten eröffnet worden. Wie zuvor angekündigt weigerte sich Karadzic, vor dem UNO-Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien in Den Haag zu erscheinen und blieb in seiner Zelle des Untersuchungsgefängnisses.
«Ich stelle fest, dass Herr Karadzic nicht anwesend ist», sagte der Vorsitzende Richter O-Gon Kwon. Der Angeklagte habe sich trotz einer dringenden Aufforderung des Gerichtshofes entschieden, nicht an der Eröffnungssitzung teilzunehmen. Die Verhandlungen sollen nun am Dienstag weitergehen.
Die deutsche Staatsanwältin Hildegard Uertz-Retzlaff beantragte im Namen der Anklage, dass Karadzic das Recht entzogen wird, sich selbst zu verteidigen. Das Gericht müsse stattdessen einen Pflichtverteidiger für ihn bestellen.
Karadzic versuche mit einer Blockadehaltung, den Prozess gegen ihn massiv zu behindern. Die dürfe nicht hingenommen werden.
Karadzic hatte in der vergangenen Woche erklärt, ihm sei nicht genügend Zeit zur Vorbereitung seiner Verteidigung eingeräumt worden. Richter O-Gon Kwon wies dies als unbegründet zurück.
Karadzic war im Juli 2008 nach fast 13-jähriger Flucht in Belgrad verhaftet und an den Gerichtshof in Den Haag ausgeliefert worden. Er hatte seitdem Zeit, sich auf den Prozess vorzubereiten.