Karadzic: «Schuld am Bosnienkrieg waren die Muslime»
(Keystone-SDA) Den Haag – Vor dem UNO-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag ist der Prozess gegen den früheren bosnischen Serbenführer Radovan Karadzic wieder aufgenommen worden. Karadzic begann nach mehrmonatiger Verzögerung mit der Darlegung seiner Verteidigungsstrategie.
Der frühere Präsident der bosnischen Serbenrepublik ist wegen Völkermordes, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit in elf Fällen angeklagt. Zu Beginn seiner Ausführungen sagte der 64-Jährige, die Sache der Serben sei «gerecht und heilig». Sie hätten «500 Jahre gelitten».
Karadzic soll einer der Hauptverantwortlichen für den gewaltsamen Tod Zehntausender und für die Vertreibung von etwa zwei Millionen Menschen während des Bosnienkrieges von 1992 bis 1995 sein. Vor allem wird ihm das Massaker an etwa 8000 Muslimen in der UNO-Schutzzone Srebrenica 1995 zur Last gelegt.
Karadzic war im Juli 2008 nach einem 13 Jahre währenden Versteckspiel in Belgrad gefasst worden. Er muss mit einer Verurteilung zu lebenslanger Haft rechnen. Bislang hatte Karadzic es stets verweigert, sich zu den Vorwürfen zu äussern und stattdessen die Zuständigkeit des Tribunals bestritten. Das Gericht registrierte dies formell als Plädoyer auf «unschuldig».
Der studierte Psychiater will sich selbst verteidigen. Da er den Prozess seit dem Beginn im Oktober boykottierte, entschied das Tribunal, den Briten Richard Harvey zum Pflichtverteidiger zu berufen. Dagegen legte Karadzic vergeblich Widerspruch ein.