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Kinder aus armen Familien in der Schweiz stark benachteiligt

Keystone-SDA

Jedes siebte Kind aus Haushalten mit tiefem Einkommen ist in wichtigen Lebensbereichen benachteiligt. Die betroffenen Kinder mussten etwa auf Ferien, eine Freizeitbeschäftigung oder ein Geburtstagsfest verzichten, wie eine aktuelle Erhebung des Bundes zeigt.

(Keystone-SDA) Fast fünf Prozent der Kinder unter 16 Jahren wurden 2024 in drei oder mehr wichtigen Lebensbereichen finanziell benachteiligt. Das zeigt die am Montag publizierte Erhebung über die Einkommen und Lebensbedingungen des Bundesamtes für Statistik (BFS).

Neben Ferien, Freizeitbeschäftigung oder Festen zum Geburts- oder Namenstag, gehören passende Kleider und Schuhe, der Besitz von altersgerechten Büchern und Schulsachen sowie die Möglichkeit, Freunde einladen zu können, ebenfalls zu den Bereichen, die für Kinder wichtig sind.

Besonders häufig waren Kinder aus einkommensschwachen Haushalten und Haushalten mit einem Elternteil von der finanziellen Benachteiligung betroffen. Zur Einordnung: In der Schweiz waren 2024 rund 743’000 Personen allen Alters von Armut betroffen.

Kein Geld für Geburtstag in der Haushaltskasse

Ein Fünftel dieser Kinder konnten nicht in die Ferien fahren – sechs bis acht Prozent mussten auf Feste und Freizeitbeschäftigungen verzichten. Zirka fünf Prozent der Kinder besassen nicht zwei Paar passende Schuhe in gutem Zustand, kein Velo, Trottinett oder andere Freizeitgeräte für draussen.

Im europäischen Vergleich lag die Quote der kinderspezifischen Benachteiligung 2024 in der Schweiz bei 4,9 Prozent. Damit waren Kinder in den Nachbarländern Österreich (9,0 Prozent), Deutschland (11,3 Prozent), Italien (11,7 Prozent) und Frankreich (13,5 Prozent) weit häufiger von Armut betroffen.

Verglichen mit der letzten Erhebung von 2021 hätten sich die Zahlen von 2024 nicht signifikant verändert, sagte eine BFS-Sprecherin am Montag auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Die nächsten Zahlen werden 2027 erhoben.

Für Aline Masé, politische Leiterin bei Caritas Schweiz, ist keine Trendwende in Sicht. «Die aktuellen Entwicklungen geben keine Hinweise darauf, dass sich die Lage für ärmere Haushalte entspannt. Im Gegenteil: Die steigenden Lebenshaltungskosten belasten ärmere Haushalte überproportional, weil diese praktisch ihr gesamtes Bruttoeinkommen für Fixkosten und Grundbedürfnisse ausgeben müssen.»

Höhere Krankenkassenprämien, sehr hohe Mieten, und die geplante Erhöhung der Mehrwertsteuern werden Haushalte mit tiefen Einkommen besonders zu spüren bekommen, ist Masé überzeugt. In einer Medienmitteilung vom Montag zeigte sich die Caritas besorgt über die neusten Armutszahlen des Bundes.

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