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Konkurrenz zwischen Brig und Visp

Visp - mit direkter Verbindung in Matter- und Saastal - wird aufgewertet. www.visp.ch

Mit dem NEAT-Lötschberg-Tunnel rückt das Oberwallis näher an die "Üsserschwiz". Statt Brig wird Visp zum Knotenpunkt. Neue Nahrung für den alten Grabenkrieg.

Rolf Escher macht sich «grösste Sorgen, dass wir uns in bekannter Oberwalliser Manier ein weiteres Mal selbst zerfleischen». Der Ständerat hat deshalb in der Zeitung «Walliser Bote» dazu aufgerufen, «in der Bahnhoffrage Brig/Visp die Einheit zu finden und zu bewahren.»

Die Neue Eisenbahn-Alpentransversale NEAT, die bei Raron das Rhonetal erreichen wird, steht zwar erst im Jahre 2007 bereit. Um den Ausbau zu bewältigen, muss der Bahnhof in Visp massiv ausgebaut werden. Bis Ende Jahr soll die Planung vorangetrieben und die Finanzierung gesichert werden, sagt Visps Stadtpräsident René Imoberdorf.

2x Halten auf 12 Kilometer

Die geplante Aufwertung von Visp hatte in Brig für Unruhe gesorgt. «Man musste befürchten, dass die Züge nicht mehr in Brig halten», erklärt Viola Amherd, Stadtpräsidentin von Brig. Die Ängste Brigs, zum Provinzbahnhof degradiert zu werden, sind jedoch inzwischen vom Tisch.

Das SBB-Fernverkehrskonzept sieht auch nach dem NEAT-Ausbau IC- und EC-Halte in beiden, nur 12 Kilometer auseinander liegenden Bahnhöfen vor, wie SBB-Sprecher Reto Kormann bestätigt. Bei der Planung der Anschlüsse im Oberwallis gehe man aber klar davon aus, dass Visp zum Anschlussknoten für den Fernverkehr werde.

«Berliner Mauer»

Mit der Zusicherung, dass Brig im internationalen Zugsverkehr gegenüber Visp nicht ins Hintertreffen geraten soll, ist der Bahnhofsstreit vorerst gebannt. Die beiden Städte haben sich sogar zu einer gemeinsamen Behörden-Delegation zusammen geschlossen, um ihre Anliegen gegenüber Bern und Sitten durchzusetzen.

Die Konkurrenz zwischen dem «gelben» (christlichsozial-regierten) Visp und dem «schwarzen» (christlichdemokratisch-regierten) Brig hat jedoch schon für manchen Grabenkrieg gesorgt. «Die Berliner Mauer ist zwar in Berlin gefallen, wurde aber zwischen Brig und Visp wieder aufgebaut», scherzt der Visper SP-Staatsrat Thomas Burgener.

Als Gesundheitsdirektor weiss er, wovon er spricht. Weil weder Visp noch Brig auf Prestige-Disziplinen verzichten wollten, scheiterte eine Zusammenarbeit beider Spitäler. Spitalkriege sind jedoch kein Oberwalliser Phänomen, fügt er der Gerechtigkeit halber hinzu.

Alte Kampfeslust

Trotzdem: «Wir sind Weltmeister im Streiten», seufzt der Briger CVP-Ständerat Rolf Escher. Die Konkurrenz zwischen den Regionen Brig und Visp reiche weit in die Geschichte zurück. Zwar bildet Brig-Glis nach dem Kantonshauptort Sitten die zweitgrösste Agglomeration im Wallis.

Das nur halb so grosse Visp beherbergt jedoch mit den Lonza-Werken den grössten Arbeitgeber im Oberwallis und ist das Eingangstor zu den potenten Tourismus-Stationen Zermatt und Saas Fee. Auch diese sind dank der NEAT künftig schneller zu erreichen, wenn der «Umweg» über Brig entfällt.

swissinfo und Theodora Peter (sda)

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