Crossover-Thesen zum Umgang mit Raum
Wechselspiel zwischen Kunst und Architektur: Diesem Thema ist die Ausstellung "ArchiSkulptur" im Beyeler-Museum in Riehen BS gewidmet.
180 Objekte aus zwei Jahrhunderten – teils eigens für die Schau kreiert – zeigen, dass Impulse in beide Richtungen flossen.
Die moderne Plastik bezog seit den Anfängen im 19. Jahrhundert wesentliche Impulse aus der Architektur-Geschichte. Installationen der 70er-Jahre machten Kunst gar begehbar.
Umgekehrt begannen in den 20er-Jahren Architekten Bauten zu modellieren. Inzwischen haben Gebäude etwa von Frank O. Gehry die Genre-Grenzen weiter verwischt.
Zehn thematische Kapitel
Die Austellung in Riehen verfolgt die Interaktionen in zehn thematischen Kapiteln mit «spielerischen Gegenüberstellungen» von Skulpturen und Projektmodellen, wie Kurator Markus Brüderlin vor den Medien ausführte.
60 Künstler und 50 Architekten von Eiffel über Picasso und Lloyd Wright bis Wall sind an der «ArchiSkulptur» vertreten.
Hochkarätige Unikate
Extra für Riehen schufen Gerhard Merz einen Lichtraum, Jean Nouvel eine modellhafte Neuinterpretation des Expo-«Monolithen» sowie Herzog und de Meuron eine neun Meter hohe besteigbare Holz-Skulptur.
Ferner steuert «Blob»-Architekt Greg Lynn eine speziell kreierte computeranimierte Raum-Installation bei.
Neue Blickwinkel erschliessen
Ziel ist nicht ein breiter zeitgenössischer Überblick, sondern mehr eine «historische Tiefenbohrung» – wobei ab und zu abstrakte Zusammenhänge auch mit Humor präsentiert werden. So steht Fosters «Swiss Re Tower» im Modell neben Brancusis Marmorfigur «L’Oiseau» oder eine Moore-Plastik neben einem Corbusier-Kirchen-Holzmodell.
Die Betrachtung von Werken aus verschiedenen Gattungen und Epochen nebeneinander soll neue Blickwinkel erschliessen. Dazu trägt nicht zuletzt die Massstab-Frage bei: Architektur ist nicht im Original präsent, sondern verkleinert. Und im Computerzeitalter heute bekommt das Spiel mit Raum schier grenzenlosen Spielraum.
Raumgreifend
Die Ausstellung «ArchiSkulptur» soll laut Brüderlin auch zeigen, dass die Fondation Beyeler «mehr ist als ein Haus für die klassische Moderne». Sie beschränkt sich auch nicht aufs Museum: Angesagt sind begleitende Architektur-Begehungen in der weiteren Umgebung von Basel als der «Architektur-Hauptstadt der Schweiz».
Im Übrigen sei der Katalog zur Schau die erste kunsthistorische Publikation, die Architektur und Skulptur in einem ausführlichen Bildteil einander gegenüberstellt, so der Kurator.
Zahlreiche Leihgaben gehen anschliessend wieder in alle Welt zurück zu ihren Eigentümern, etwa Malewitsch-Originale nach St. Petersburg.
swissinfo und Agenturen
«ArchiSkulptur – Dialoge zwischen Architektur und Plastik vom 18. Jahrhundert bis heute»
Fondation Beyeler in Riehen BS
Vom 3.10.2004 bis 30.01.2005.
Der Dialog zwischen Skulptur und Architektur gehört zu den spannendsten Phänomenen der Kunstgeschichte der Moderne.
Seit ihrer Geburt im 19. Jahrhundert bezog die moderne Plastik wesentliche Impulse aus der Architekturgeschichte. Umgekehrt begannen in den 20er-Jahren Architekten Bauten zu modellieren.
Die Ausstellung «ArchiSkulptur» in der Fondation Beyeler veranschaulicht den formalen und geschichtlichen Zusammenhang durch prägnante Rauminszenierungen.
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