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Der Unspunnen-Stein – ein grosses Bonbon

Grosse Überraschung für Shawne Fielding (hier mit dem jurassischen Minister Jean-François Roth). Keystone

Der vor 17 Jahren geraubte Unspunnenstein ist am Samstagabend am Rande des Marché-Concours in Saignelégier JU zurückgegeben worden. Unbekannte überreichten den Brocken der neuen Botschafterin der Expo-02, Shawne Fielding, "als Geschenk".

Fielding zeigte sich überrascht und gerührt von der Geste. Sie werde den Unspunnenstein dem Besitzer, dem Turnverein Interlaken, zurückgeben, erklärte sie am Sonntag (12.08.) an einer Medienkonferenz im Rahmen des Marché-Concours.

Gleichzeitig rief die Gattin des Schweizer Botschafters in Berlin die Besitzer dazu auf, den Stein der Expo.02 zu leihen. So könne er dem grossen Publikum gezeigt werden.

Was für ein Geschenk

Nach Schluss der Zeremonie zur Ernennung der Expo-Botschafter am Samstagabend am Rande des Marché-Concours, gegen 21.30 Uhr, hatte sich ein Mädchen an die neue Expo-Botschafterin Fielding gewandt und ihr Blumen und ein «grosses Bonbon aus den Schweizer Alpen» überreicht.

Als das Geschenk ausgepackt war, kam der Unspunnenstein zum Vorschein. «Wir dachten zuerst an einen Scherz», sagte Nelly Wenger, Expo-Generaldirekorin, am Sonntag vor den Medien. «Und plötzlich ereignete sich etwas im Saale, es gab einen Moment der Emotion, historisch.»

Der Stein wurde am Sonntagmorgen den Medien vorgeführt, nachdem er über Nacht in der Obhut der jurassischen Polizei gewesen war. Die Polizei und Vertreter des Turnvereins Interlaken konnten ihn am Sonntag als den Original-Unspunnenstein identifizieren.

In den 17 Jahren, seit die «Béliers» den Stein entführten, haben sich Aussehen und Gewicht verändert: Es wurden ihm die 12 Europasterne, der Namenszug «Groupe Bélier» und das Datum der Europa-Abstimmung vom 6. Dezember 1992 eingraviert.

Beste Werbung für Expo

Die Expo.02, Ehrengast am diesjährigen Marché-Concours, hätte keine bessere Werbung für ihren ersten öffentlichen Auftritt haben können, sagte Wenger. Die Expo ziele ja darauf ab, Brücken zu bauen zwischen Leuten, die nicht miteinander sprächen.

Dass der Unspunnenstein in diesem Rahmen auftauche, verstehe sie als ein Symbol für gutes Gelingen im nächsten Jahr. Und dass die jungen Jurassier besucht würden von Shawne Fielding, einer Amerikanerin in Deutschland, zeige im Übrigen, dass es auch einen gewissen Abstand brauche, damit man miteinander sprechen könne.

Der Unspunnenstein – Symbol für echt schweizerisches Brauchtum und für wiedergefundenen Zusammenhalt innerhalb des Bundes nach dem Untergang der alten Eidgenossenschaft – war 1984 von den jurassischen Jungseperatisten «Béliers» in Interlaken BE aus dem Touristikmuseum der Jungfrauregion in Interlaken gestohlen worden.

17 Jahre verschwunden

1993 erhielten mehrere Schweizer Medien von Unbekannt ein Foto des Steins, das diesen mit seinem «Sternendekor» zeigte. 1999 hatte der Berner Fotograf Michael von Graffenried den Stein in der Nähe von Brüssel gesichtet. Für das Unspunnen-Steinstossen kommt seit 1985 ein Ersatzstein zum Einsatz, der mit dem Original in Form und Gewicht praktisch identisch ist.

Der 83,5 Kilo schwere Brocken nimmt im Brauchtum der Schwinger, Jodler, und Trachtenleute eine besondere Stellung ein. Schon 1805, beim ersten Trachten- und Alphirtenfest auf der Unspunnenwiese bei Interlaken, wurde der Unspunenstein vor einem internationalen Publikum gestossen.

Der Stein soll nun so bald als möglich wieder den rechtmässigen Besitzern übergeben werden. Möglicherweise könne dies bereits am Eidg. Schwingerfest in Nyon VD geschehen, das in zehn Tagen stattfindet, sagte Expo-Sprecher Laurent Paoliello.

swissinfo und Agenturen

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