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Jean-Luc Godard 70 – und noch immer am Filmen

Der westschweizer Filmemacher Jean-Luc Goddard ist 70 geworden. Keystone

Er ist nicht nur der innovativste Schweizer Filmer, sondern auch der fleissigste. Gegenwärtig stellt er einen Film fertig und dreht bald schon den nächsten. Jean-Luc Godard wird heute Sonntag 70 Jahre alt.

Geburtstagsfeier ist keine vorgesehen, auch keine öffentliche Ehrung. Mit der Presse mag er nicht sprechen, sein Geburtstag sei kein Thema, sagt er. Er lebt und arbeitet in seinem Haus in Rolle am Genfersee, wo er zur Zeit «Eloge de l’amour» montiert.

«A bout de souffle»

Godard wurde am 3. Dezember 1930 in Paris geboren. Sein Schweizer Vater war Arzt in Nyon, seine französische Mutter stammte aus einer vermögenden Bankiersfamilie. Godard wuchs gut behütet und streng protestantisch erzogen in einer Villa am Genfersee auf.

Nach seiner Schulzeit begann er 1951 ein Ethnologie-Studium an der Sorbonne. Er war aber mehr von den Pariser Filmclubs angezogen, wo er Leute wie François Truffaut, Jacques Rivette und Eric Rohmer kennen lernte, die bald den Kern der «Nouvelle vague» bildeten.

1959 drehte Godard seinen ersten Spielfilm «A bout de souffle», der über Nacht zum Grosserfolg wurde. Der Film, mit Jean-Paul Belmondo und Jean Seberg in den Hauptrollen, schockierte mit seinem radikalen Erzählstil und seiner neuartigen Bildsprache.

Nach seinem erfolgreichen Erstlingsfilm, der ihm auch den Silbernen Bären der Filmfestspiele Berlin einbrachte, begann ein fruchtbares Jahrzehnt für Godard: Bis 1968 drehte er nicht weniger als 17 Kinofilme.

Wichtige Arbeiten sind etwa «Une femme est une femme», «Vivre sa vie» oder «Pierrot le fou», alle mit der Dänin Anna Karina in der Hauptrolle, die Godard 1961 geheiratet hatte.

Neue Filmsemantik

Als sein letzter Film aus der Periode, in der er permanent auf der Suche nach einer neuen Filmsemantik war, gilt «Week End» (1967): Die zehnminütige Kamerafahrt entlang einer endlosen Reihe von Autounfällen gehört heute zum Inventar der Filmgeschichte.

Nach dem Mai 1968 brach Godard mit den herkömmlichen Produktions-Formen: Er wollte nicht mehr nur politische Filme machen, sondern auf politische Art Filme machen. Aber die meisten dieser «unsichtbaren Filme» gelangen nicht mehr ins reguläre Kino.

1973 zog sich Godard an den Genfersee zurück, wo er sich intensiv mit dem Medium Video zu beschäftigen begann und mit neuen Filmtechniken experimentiert. Sein Film «Numéro deux» war der erste Videofilm, der auf Filmmaterial umkopiert in die Kinos kam.

Es entstanden, zum Teil zusammen mit seiner neuen Lebensgefährtin Anne-Marie Miéville, aber auch weitere Kinofilme, von denen etwa seine Carmen-Version «Prénom Carmen» oder die theologische Studie «Je vous salue, Marie» wieder erfolgreich im Kino liefen.

swissinfo und Agenturen

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