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Montreux: Brasilianische Party und Eicher mit Streichern

Stephan Eicher - in Montreux am besten ohne Begleitung. Keystone

Das Jazz Festival Montreux ist keine Openair-Veranstaltung: Das Publikum konnte am Wochenende bei Sturm und Regen ungestört tropische Nächte feiern. Neben brasilianischen Rhythmen und Jazz war Stephan Eicher angesagt.

Im Vordergrund des zweiten Wochenendes stand die Party. Während am Freitag (13.07.) mit Milton Nascimento und Gilberto Gil Klassiker der Brazil-Szene auf der Bühne standen, war der Samstag für die aktuellen Topstars reserviert.

Zur farbigen Perkussionsshow von Carlinhos Brown und dem Brazilrock von Skank tanzte und klatschte das Publikum, als gäbe es einen Preis für gute Stimmung zu gewinnen. Die Stravinsky Hall kochte.

Standards bei Kerzenschein

Im Casino herrschte derweil Jazzclub-Atmosphäre. Mit dem Bassisten Ray Brown und den Pianisten Jimmy Scott und Randy Weston traten drei über 70-jährige Jazzveteranen auf, die sich mittlerweilen eher im Mainstream bewegen. Sie gaben mehrheitlich Standards zum Besten.

Als Vertreter der jüngeren Generation, die aus dem Fundus der alten Meister schöpft, stand Joshua Redman auf der Bühne. Der Saxophonist, der mit seinen romantischen Balladen auf «Wish» und «Moodwing» Bekanntheit erlangte, spielte in Montreux vornehmlich komplexere Kompositionen seiner beiden letzten Alben.

Komplexität sei bei ihm niemals Selbstzweck, sagte er jüngst in einem Interview. Sie entstehe beim Komponieren und habe ihre Wurzeln in der Suche, die dem Jazz stets zu Grunde liege.

Von der Suche nach neuen Wegen war im Spiel des Redman-Quartetts wenig zu erkennen. Deutlich wurde hingegen, dass Joshua Redman sein Instrument beherrscht. Er entlockte ihm vielleicht nicht – wie andere Saxophonisten – einen unverkennbar eigenen Ton, doch zeigte er insbesondere bei den Improvisationen ein breites Spektrum.

Eicher: Chansons mit Gipsy-Touch

Am Sonntag gehörte die Jazzbühne im Casino Stephan Eicher. Der Berner Chansonnier trat mit Teilen des Lost and Found Orchestras auf, das er jüngst für das Konzert zu Ehren von UNO-Generalsektretär Kofi Annan in Biel zusammengestellt hatte.

Rumänische Violonisten, Cellisten und Perkussionisten sowie der französische Gitarrist Paul Personne und der Liedermacher Tinu Heiniger mussten sich den knappen Platz teilen. Der akustische Eindruck unterschied sich nicht vom optischen: Es waren zu viele.

Zwar spielten die Instrumentalisten ausgezeichnet, und die Arrangements von Stephan Eicher waren tadellos. Doch bereits das erste Lied «Combien de temps» wirkte überladen. Zu Mani Matters «Dene wo’s guet geit» wollte die effektvolle Streicherbegleitung noch weniger passen.

Ambivalenter Gesang

Dazu kam, dass die rumänische Sängerin Irina Ungureanu zu Beginn im Duett mit Eicher Mühe mit der Intonation bekundete. Als sie dann «Make You Feel My Love» von Bob Dylan anstimmte, der genau eine Woche zuvor in Montreux ein wunderbares und auf das Wesentliche reduziertes Konzert geboten hatte, war man ihr nicht eben wohl gesonnen.

Später versöhnten einen rumänische Lieder. Ohne Eicher war Ungureanu am besten – und Eicher war ohne Orchester am besten. Obwohl ihm das Zusammenspiel mit der Truppe sichtlich Freude bereitete, kamen seine von Kultautor Philippe Djian getexteten Lieder in der schlichten Form mehr zur Geltung.

Nostalgische Momente

Das Publikum genoss sie in allen Versionen: Von «Venez danser» über «Les filles du Limmat Quai» bis «Déjeuner en paix» und «Hemmige». Vor der letzten Zugabe rockte Eicher zudem «Smoke on the Water». Der Casino-Brand, der Deep Purple einst zum Song inspirierte, wurde mit der Rauchmaschine angedeutet.

swissinfo und Charlotte Walser (sda)

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