Salome schockiert Zürich – beinahe
In Zürich ist am Freitag (20.10.) erstmals die Oper "Salome" aufgeführt worden. Das Zürcher Opernhaus dürfte damit einen Saisonhit mitinszeniert haben. Die bedrückende Szenerie vermochte allerdings nicht das ganze Publikum zu begeistern.
Die Inszenierung der Strauss’schen Oper ist eine Koproduktion des Opernhauses in Zürich und der Vereinigten Bühnen Graz. Shooting-Star Martin Kušej zeigte die Oper dort bereits im Mai 1999. Zusammen mit dem Direktor des Mariinski-Theaters in Sankt Petersburg, Valery Gergiev, hat er eine Show geliefert, die die Vorlage kompromisslos beleuchtet.
Salome wird als exzessiv gestörte Frau dargestellt. So fordert sie nicht nur den Kopf des Propheten Jochanaan, sondern ist auch fähig, Säuglinge zu misshandeln. Wer ein abgeschlagenes Haupt lustvoll an seinen Busen drückt und dessen Mund küsst, ist zutiefst abnormal, sagt Kusej, der Erfolg der Oper habe dies leider vergessen gemacht.
Der Rest von Salomes Welt ist ebenso dekadent, verfallen und dem Untergang geweiht, wie sie selber. Die Bühne soll eine Luftblase suggerieren, in der alle Hoffnung auf Rettung aufgegeben wurde. Entsprechend bewegen sich die Menschen auf notdürftigen Bretterstegen und die Toten werden achtlos in zahlreiche Löcher gekippt.
Diese Sicht begeisterte nicht alle Besucherinnen und Besucher der ersten Vorstellung in Zürich. Doch zu einem Skandal, wie bei der Uraufführung in Dresden 1905, reichte es nicht.
swissinfo und Agenturen
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