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Schweizer Jugend will den «Sonderfall Schweiz» erhalten

Street Parade 2000 in Zürich: Kulturell ist die Schweizer Jugend internationaler Trendsetter, politisch ist sie vorsichtiger und setzt auf das Althergebrachte. Keystone

Eine Mehrheit der 20-Jährigen zieht den "Sonderfall Schweiz" einer offenen Schweiz vor. Zudem erwarten die Jungen eine zunehmende "Überfremdung". Dies zeigen erste Ergebnisse der Eidgenössischen Jugend- und Rekrutenbefragung "ch-x".

Die im «Tages-Anzeiger» am Samstag (30.12.) publizierten Ergebnisse zeigen, dass die heute 20-Jährigen in Fragen wie UNO- und EU-Beitritt skeptischer sind als ihre Eltern und Grosseltern. Die Jungen stehen auch den Fremden in der Schweiz kritisch gegenüber.

Attraktiver Sonderfall

Eines der auffallendsten Ergebnisse der Befragung: Der Sonderfall Schweiz scheint für Junge an Attraktivität gewonnen zu haben: Über die Hälfte (54 Prozent) der befragten 20-Jährigen zieht den Sonderfall Schweiz einer offenen Schweiz vor. Noch vor zehn Jahren setzten 74 Prozent der Bevölkerung auf eine offene Schweiz, halten die Autoren fest.

Auch die Eltern der Jungen betonen den Wert «Sonderfall» wieder stärker. Doch ihr Anteil ist im Vergleich zu den 20-Jährigen mit 41 Prozent deutlich kleiner. Bei den Grosseltern sind es gar nur 32 Prozent.

Einen UNO-Beitritt befürworten zwar 41 Prozent der 20-Jährigen, doch ist der Anteil der Befürworter unter den Eltern mit 47 Prozent klar höher. «Voll und ganz» einverstanden mit dem Volks-Nein zum UNO-Beitritt von 1986 sind 23 Prozent der Eltern, bei den 20-Jährigen sind es 26 Prozent, bei den Grosseltern 31 Prozent.

Introvertierte Haltung

Ein ähnliches Bild bei der Frage des EWR-Beitritts: 29 Prozent der 20-Jährigen sind mit den Nein von 1992 einverstanden, 42 Prozent hätten anders entschieden. Bei ihren Eltern sind nur 20 Prozent einverstanden, 56 hätten anders entschieden. Bei den Grosseltern würden immer noch 50 Prozent anders stimmen.

Auch bei den Motiven der Haltung gegenüber Europa herrscht bei den 20-Jährigen eine introvertierte Haltung vor. 24 Prozent lehnen einen EU-Beitritt ab, weil «die Stärke der Schweiz überzeugt». Weitere 21 Prozent begründen ihr Nein mit der Unabhängigkeit, die wichtig sei.

Im Lager der EU-Befürworter sind die Jungen mit 55 Prozent die kleinste Gruppe, bei den Eltern sind 66 Prozent, bei den Grosseltern 62 Prozent für einen Beitritt. Das überwiegende Motiv in allen drei Gruppen ist hier wenig idealistisch: Die Schweiz wäre ohne Beitritt isoliert.

Angst vor Überfremdung

Die Jungen stehen auch den Fremden in der Schweiz kritisch gegenüber. So macht sich eine Mehrheit der befragten 20-Jährigen die grössten Sorgen um Spannungen zwischen Einheimischen und Ausländern am eigenen Wohnort. Eine deutliche Mehrheit von 64 Prozent findet denn auch, Ausländer sollten sich «möglichst rasch anpassen».

45 Prozent der 20-Jährigen erwarten, dass die Überfremdung in Zukunft zunehmen wird, gegenüber 28 und 31 Prozent bei Eltern und Grosseltern. Daraus erklären sich die Autoren der Studie auch den Wunsch nach einer Rückkehr zum Sonderfall.

Wenn es um die Sozialwerke geht, folgt die Jugend dem Trend zur Deregulierung nicht. Mehrheiten über 70 Prozent sprechen sich dafür aus, dass der Staat die Altervorsorge, die Familienunterstützung und die Gesamtarbeitsverträge in der Hand behält.

Die Befragung umfasst über 20’000 Rekruten sowie über 1’000 gleichaltrige Frauen und nicht dienstpflichtige Männer sowie rund 660 Eltern und Grosseltern der dienstpflichtigen Männer.

swissinfo und Agenturen


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