Ende auch für Rosset
Wie jedes Jahr seit 1995 steht am Suisse Open in Gstaad kein Schweizer in den Halbfinals. Marc Rosset unterlag Gaston Gaudio 3:6, 6:7 (3:7).
Für Marc Rosset gab es gegen den bestklassierten im Turnier verbliebenen Spieler, den Argentinier Gaston Gaudio, kein weiteres Happy-End.
Trotzdem konnte der 31-jährige Genfer die starke Leistung vom Vortag gegen Andrei Pavel bestätigen. Rosset war gegen Gaston Gaudio mit Ausnahme der Anfangsphase absolut kompetitiv und hätte den zweiten Satz durchaus gewinnen können.
Rosset: «Ich bin enttäuscht, dass ich verloren habe. Andererseits kann ich Gstaad mit einer sehr positiven Bilanz verlassen. Dass ich Gaston Gaudio bedrängen konnte, obwohl ich nicht mein bestes Tennis spielte und am Donnerstag samt dem Doppel vier Stunden lang auf dem Platz stand, stimmt mich für die nächsten Wochen zuversichtlich.»
Diese Worte Rossets waren keine Beschönigung einer Niederlage. Tatsächlich verdient seine Leistung vor erneut nahezu 6000 Fans Respekt. Gaudio, der von Martin Jaite trainiert wird (Gstaad-Champion 1990) war für Rosset ein sehr undankbarer Gegner, gegen den er schon in den vorausgegangenen zwei Einzeln kein Rezept gefunden hatte.
Der Argentinier legte zudem einen Blitzstart hin (4:1 nach 16 Minuten). Trotzdem kämpfte sich Rosset in die Partie und zu Chancen. Im ersten Satz besass er nach Abwehr von vier Satzbällen die Chance zum Gegenbreak; im zweiten Satz boten sich Rosset zwei Breakchancen zum 4:2 und 5:3.
Gaudios starkes Tiebreak
Dass Rosset am Freitagnachmittag seine diversen Chancen nicht mehr packen konnte, lag zum einen an fehlender Frische nach dem intensiven Donnerstag, aber auch am Gegner, der in heiklen Momenten mutig spielte. Mit einem perfekten Tiebreak hatte Rosset am Donnerstag Andrei Pavel besiegt; diesmal gelang das imposante Tiebreak dem Gegner.
Gaudio, der heuer schon an den Turnieren von Barcelona und Mallorca triumphiert und auf Sand gegen Lleyton Hewitt und Gustavo Kuerten gewonnen hat, punktete im Tiebreak mit Lobs, Passierbällen, Grundlinienwinnern und zum Abschluss mit einem Aufschlagpunkt. Rosset, der vor dem Tiebreak acht Aufschlagspiele hintereinander meist problemlos durchgebracht hat, gewann bei eigenem Aufschlag bloss einen von fünf Punkten.
Rücktritt kein Thema
Die interessanteste Frage zu Rosset nach Gstaad ist: Kann der Genfer in den nächsten Wochen die gleichen Leistungen auch im Ausland erbringen? Rossets Turnierplan ist noch nicht fix.
Nächste Woche erwägt er in Anbetracht der guten Form einen Start in Amsterdam, dann folgen Sopot (Pol) und die Turniere in den USA, an denen er auch wieder mit Marat Safin zusammen trainieren wird. Rosset: «An den nächsten Turnieren wird es wieder schwieriger. In Gstaad kam ich dank der dünnen Höhenluft mit dem Aufschlag zu vielen schnellen Punkten. Trotzdem hoffe ich, auch bei den nächsten Events an die Gstaader Leistungen anknüpfen zu können.»
Kein Thema ist momentan der Rücktritt. Rossets winkender Abschied vom Center-Court-Publikum lässt zwar für Spekulationen Spielraum, trotzdem erscheint es durchaus möglich, dass Rosset auch 2003 nochmals im Saanenland antreten wird. Im optimalen Fall benötigt er dann nicht einmal mehr eine Wildcard.
Wer mit 31 dazu bereit ist, in einem halben Jahr acht Challenger-Turniere zu spielen, der tritt sicher nicht zurück, wenn er sich die Tür zu den Grand-Prix-Anlässen wieder etwas weiter aufgestossen hat.
Casanova in Brüssel im Halbfinal
Myriam Casanova hat sich in Brüssel für die Halbfinals des mit 140’000 Dollar dotierten WTA-Turniers qualifiziert. Die 17-jährige Ostschweizerin (WTA 119) besiegte in der belgischen Kapitale die Deutsche Martina Müller (WTA 58) 6:4 und 7:5.
Als Myriam Casanova im April in Budapest ihr erstes Finalspiel auf der WTA-Tour bestritt, war sie Martina Müller noch unterlegen. In Brüssel konnte die Schweizer Nummer 5 nun Revanche nehmen.
Im Halbfinal trifft Myriam Casanova auf Virgina Ruano Pascual. Die Spanierin belegt im aktuellen Ranking den 85. Rang.
«Es war ein guter Match», meinte Vater und Trainer Leo Casanova zum Auftritt seiner Tochter gegen Martina Müller. Dank drei Breaks konnte sie den ersten Satz 6:4 gewinnen, obwohl sie 0:2 im Hintertreffen gelegen hatte.
Der Start in den zweiten Durchgang gelang Casanova wesentlich besser. Doch nach einer 3:0-Führung musste sie Müller herankommen lassen. Beim Stande von 6:5 schliesslich verwertete Casanova ihren dritten Matchball.
swissinfo und Rolf Bichsel, Gstaad (si)
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