Gegen Verda wird in Italien nicht ermittelt
Der im Tessin in Untersuchungshaft sitzende Strafgerichtspräsident Franco Verda gehört nicht zum Kreis der 87 Beschuldigten der Antimafiapolizei in Bari (I). Dies erklärte Staatsanwalt Giuseppe Scelsi an einer Medienkonferenz vom Mittwoch (09.08.).
Scelsi ist federführend bei den umfangreichen Ermittlungen zum internationalen Zigarettenschmuggel, der über Montenegro und Apulien abgewickelt wird und in dem die Schweiz für den Fluss der Gelder eine zentrale Rolle spielt.
Scelsi ermittelt unter anderem gegen den mutmasslichen Boss der Zigarettenmafia, Gerardo Cuomo, der am 10. Mai in Zürich verhaftet wurde
und inzwischen ins Tessin verlegt worden ist. Italien stellte bereits einen Auslieferungsantrag für Cuomo.
Die freundschaftlichen Verbindungen von Verda zu Cuomo führten zum Arrest des Strafrichters, dem neben wiederholter Amtsgeheimnisverletzung auch passive Bestechung und Begünstigung vorgeworfen werden.
Ermittlungen gegen sechs Schweizer
Scelsi präzisierte, dass die Ermittlungen in Bari neben Cuomo weitere 88 Personen betreffen (bisher wurde die Zahl auf insgesamt 87 beziffert), darunter mindestens sechs Schweizer, die im Tessin Wohnsitz haben. Sie sollen Finanztransaktionen und Geldwäsche im Rahmen des internationalen Zigarettenschmuggels ausgeübt haben.
Gegen einen dieser Schweizer, den 65- jährigen Inhaber einer Geldwechselfirma in Lugano, hat die Staatsanwaltschaft von Genua am Mittwoch nach Angaben der Nachrichtenagentur ansa Anklage wegen Zigarettenschmuggels erhoben. Er soll für Protagonisten des illegalen Schmuggelgeschäfts die Konten geführt haben.
Unter den anderen Schweizern, die auf der Ermittlungsliste in Bari stehen, befindet sich ein 42-jähriger Banker aus Lugano. Gemäss italienischen Ermittlern soll er bei der Filiale der Banque National de Paris in Lugano hohe Summen aus dem Zigarettenschmuggelgeschäft Cuomos untergebracht haben.
Scelsi rechnet nicht mit Auslieferung
Bei vier der im Tessin wohnhaften Personen lautet der Vorwurf auf Mitgliedschaft in einer mafiösen Vereinigung, die internationalen Zigarettenschmuggel betrieb.
Mit einer Auslieferung dieser Personen rechnet Scelsi nach einer anfälligen Zustellung der Anklage allerdings nicht. Eine Auslieferung von Schweizer Staatsbürgern nach Italien sei nur möglich, wenn diese ihre Zustimmung geben würden, was unwahrscheinlich sei.
Spekulationen zu Ducry zurückgewiesen
Spekulationen, wonach neben Verda ein zweiter hoher Tessiner Magistrat – genannt wurde Staatsanwalt Jacques Ducry – in der Affäre eine Rolle spiele, wurden zurückgewiesen. «Das habe ich nur in der Zeitung gelesen», sagte Scelsi.
Unter den Personen, gegen die in Bari ermittelt werde, befinde sich kein Magistrat, weder aus der Schweiz noch aus Italien. Dies unterstrich Scelsi nochmals separat in einer schriftlichen Mitteilung an die Nachrichtenagentur sda.
Lob für Zusammenarbeit mit der Schweiz
Im Gegensatz zu den jüngsten Äusserungen des italienischen Finanzministers Ottaviano Del Turco lobten die Ermittler in Bari die Zusammenarbeit mit den Schweizer Behörden. Der stellvertretende Staatsanwalt von Bari, Giovanni Colangelo, bedankte sich explizit für die geleistete Hilfe.
Um das gravierende Problem des Zigarettenschmuggels zu bekämpfen, ist laut Colangelo eine enge internationale Zusammenarbeit nötig. In Folge einiger EU-Initiativen habe sich die Lage schon wesentlich gebessert.
swissinfo und Agenturen
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