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Kampf gegen Pädophile

Ein 11-jähriges Mädchen wird aus einem Bordell in Kambodscha gerettet. Keystone Archive

Nach Ruth Metzlers Südostasien-Reise wird es für Schweizer Pädophile dort ungemütlicher: ein Rechtshilfevertrag mit den Philippinen sowie Polizeibeamte in Bangkok sorgen dafür.

«Diese Zusammenarbeit zwischen der Schweiz und den Philippinen ist ein Meilenstein im Kampf gegen die Pädophilie», erklärte Mario Affentranger, stellvertretender Direktor der Abteilung Internationale Rechtshilfe beim Bundesamt für Justiz. Der Vertrag, welchen Justizministerin Ruth Metzler letzte Woche unterzeichnet hat, tritt allerdings frühestens im kommenden Jahr in Kraft.

Einvernahme per Video

Als nützliches Instrument dürfte sich etwa die neue Möglichkeit der Einvernahme per Videokonferenz erweisen, heisst es im Justizdepartement. So kann ein philippinisches Opfer künftig per Video eine Aussage machen – unter Wahrung der Anonymität des Opfers.

«Die juristische Zusammenarbeit beschränkt sich aber nicht allein auf die eigentliche Prozessführung, sondern wird sich auch bei der Untersuchung als äusserst nützlich erweisen. Spezialisten beider Länder, die sich mit der Zeit persönlich kennen, werden während der Verfahren in ständigem Kontakt sein», sagte Affentranger.

Gemäss dem ausgehandelten Text sollen alle in der Schweiz lebenden Verdächtigen verfolgt werden können und nicht bloss schweizerische Staatsangehörige – auch das ist ein Fortschritt. Schuldigen droht eine Haftstrafe von bis zu fünf Jahren in der Schweiz.

Kampf geht weiter

Das Internationale Komitee für die Würde des Kindes (CIDE) begrüsst den Rechtsvertrag. «Auf eine solche Übereinkunft haben wir lange gewartet», sagte Präsident Georges Glatz. Die Botschaft der Schweizer Behörden sei klar; er hoffe, der Vertrag habe auch eine abschreckende Wirkung.

Zu früh freuen dürfe man sich allerdings nicht, sagte Glatz weiter. Erst in der Praxis werde sich weisen, was das Papier wert sei. Womöglich würden sich die Pädophilen einfach in andere Länder verziehen.

Im Kampf gegen Kinderschänder fehle es noch immer an Mitteln, kritisierte Glatz weiter. Ein weltweites Engagement sei gefragt, und der Kampf müsse unter dem Patronat einer mächtigen Organisation wie der UNO geführt werden.

Problem Internet

Hinzu kommt der Kampf gegen Kinderpornographie im Internet. Die Problematik wurde vor einem Monat an einer internationalen Tagung in Balsthal diskutiert. Heute seien Täter, Produzenten wie auch Konsumenten weltweit vernetzt, sagte Andreas Brunner, Präsident der Arbeitsgemeinschaft gegen die kommerzielle Ausbeutung von Kindern (ECPAT). «Das ist eine völlig neue Dimension, die nach koordinierten, internationalen Massnahmen verlangt.»

Zusammenarbeit der Polizei mit Thailand

Bundesrätin Ruth Metzler hat nach den Philippinen auch Thailand besucht. Wie sie mit der thailändischen Regierung vereinbarte, werden die zwei Länder im Bereich der Polizei verstärkt zusammenarbeiten. Die gegenseitigen Kontakte sollen intensiviert werden.

Zu diesem Zweck soll die Möglichkeit geschaffen werden, dass Polizeibeamte kurzfristig ausgetauscht werden können. Zudem soll nächstes Jahr ein Polizei-Verbindungsbeamter in Bangkok stationiert werden. Im Zentrum der gemeinsamen Anstrengungen steht der Kampf gegen Pädophilie, gegen Drogen sowie Frauen- und allgemein Menschenhandel.

Trügerische Zahlen

Die Philippinen, Thailand, Indien, Kambodscha und neuerdings auch Vietnam gehören zu den bevorzugten Destinationen von Kinderschändern mit Wohnsitz in der Schweiz. In Mittel- und Südamerika gehören Brasilien und Costa Rica zu beliebten Reisezielen.

In der Schweiz selbst gibt es immer mehr Verurteilungen wegen sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen. Zwischen 1993 und 1997 stieg die Zahl von 218 auf 319. Bei den Anzeigen wurde zwischen 1997 und 2000 sogar eine Zunahme von 1143 auf 1308 registriert.

Doch die Zahlen sind trügerisch. Laut Bundesamt für Polizei dürfte die Dunkelziffer weit höher liegen. Nur wenige Vergehen würden den kantonalen Polizeien gemeldet, heisst es. Die publizierten Zahlen entsprächen demnach nur der Spitze des Eisbergs.

swissinfo und Agenturen

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