Kopf hoch in Gstaad!
Mindestens fünf Schweizer nehmen an Open Gstaad teil, darunter Roger Federer. Nach den Pleiten in Roland-Garros und Wimbledon steht er jedoch unter Druck.
Roger Federer führt als Weltnummer 9 das hoffnungsvolle Schweizer Davis-Cup-Team an. Michel Kratochvil (ATP 45) hat aus dem Vorjahr Punkte zu verteidigen (Viertelfinal) und hofft, den Schwung von Wimbledon ins Berner Oberland mitnehmen zu können.
Marc Rosset tritt möglicherweise zum letzten Mal in Gstaad an. Er profitiert ebenso wie George Bastl und Ivo Heuberger von einer Wildcard. Etliche weitere Schweizer bestreiten übers Wochenende die Qualifikation.
Neben Federer werden in Gstaad zwei weitere Top-Ten-Spieler teilnehmen: Albert Costa (ATP 7) gewann das Gstaader Turnier schon 1996 und 1999. Costas Landsmann Juan Carlos Ferrero (ATP 8) ist einer der wenigen Spanier in der Draw, die noch nicht in der Siegerliste des Turniers figurieren.
Federer: Selbstvertrauen zurückgewinnen
Vor zwei Monaten hing der Himmel für Roger Federer nach dem Masters-Series-Turniersieg im Hamburg voller Geigen. Nach den Neiderlagen in Roland-Garros und Wimbledon kam die Ernüchterung. Trotzdem: «Ich freue mich riesig auf das Turnier», sagt Federer.
Am Open Gstaad beginnt für den 21-jährigen Baselbieter die sportliche Vergangenheits-Bewältigung nach zwei der schlimmsten Niederlagen seiner noch jungen Karriere. Federer will sich rehabilitieren: «Ich muss unbedingt mein Selbstvertrauen zurückgewinnen.»
Gstaad kann dafür das richtige Turnier sein, obwohl Federer bislang im Berner Oberland in vier Anläufen noch kein Einzel gewonnen hat. Beim Debüt 1998 unterlag er als frischgebackener Wimbledon-Juniorensieger dem Lucky Loser und Weltranglisten-Nobody Lucas Arnold 4:6, 4:6; danach folgten Schlappen gegen Younes El Aynaoui (2:6, 3:6), Alex Corretja (4:6, 6:4, 4:6) und zuletzt eine brutale gegen Ivan Ljubicic (2:6, 1:6).
Umfeld neu organisieren
Der erste Heimauftritt der Saison wird für Federer zu einer stressigen Arbeitswoche. Im Sinn einer Davis-Cup-Vorbereitung bestreitet er in Gstaad mit Michel Kratochvil das Doppel. Und abseits der Courts soll die Analyse der Grand-Slam-Startniederlagen voran getrieben werden.
Federer will vor der Ende Juli beginnenden USA-Tour (Toronto, Cincinnati, Washington, US Open) sein Umfeld neu ordnen und organisieren, sucht aber noch nach einer Lösung: «Vielleicht ist alles so einfach und habe ich in Wimbledon nur einen schlechten Tag erwischt.»
Federers Ziel bis Ende Saison bleibt die Masters-Qualifikation: «Ich bleibe für Schanghai positiv eingestellt. Aber eines ist klar: Die nächsten Turniere sind sehr wichtig, und das US Open muss mir gelingen. Aber ich werde mich wieder vorkämpfen.»
swissinfo und Rolf Bichsel und Marco Mordasini (Si)
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