Rascher Krieg?
Der von den USA angeführte Angriff auf Irak könnte, laut dem Schweizer Militärstrategen Albert Stahel, in zwei Wochen vorbei sein.
Doch glaubt Stahel, dass Opfer unter der Zivilbevölkerung eine unausweichliche Folge sind, wenn die amerikanischen Truppen auf der Suche nach Saddam Hussein auf Bagdad vorrücken.
In einem Interview mit swissinfo vor dem Ausbruch des Kriegs erklärte Stahel, die Invasion werde vermutlich in Form einer grossen Bodeninitiative stattfinden, aber erst, wenn die US-Armee die strategische und gezielte Bombardierung wichtiger irakischer Einrichtungen beendet habe.
«Gezieltes Bombardement aus der Luft ist ein Schlag gegen strategisch wichtige Infrastrukturen», führt Stahel aus.
Der Professor an der schweizerischen Militärakademie in Zürich glaubt, dass Washington in den ersten Stunden und Tagen seiner Offensive auf die Zerstörung von Saddams Palästen aus ist.
«Die Bombardierung der Präsidentenpaläste ist sicher kein Problem, denn die USA wissen genau, wo diese sind. Das Problem liegt darin, dass sich Saddam sicher nicht in einem Palast aufhält.»
«Das Dilemma für die Briten und Amerikaner ist also, den Bunker zu finden und zu zerstören, in dem sich Saddam verteckt.»
Auf dem Boden
Militärexperten gehen davon aus, dass die USA der Bombenkampagne eine Serie von Angriffen auf spezifische Konzentrationen irakischer Truppen folgen lassen.
«Es wird Angriffe auf die Elitedivision der Republikanischen Garden geben, dazu von Süden her Angriffe der US-Marines und der kuwaitischen Armee sowie von Norden her solche aus der Türkei», erklärte Stahel.
Stahel schätzt, dass rund 200’000 amerikanische und britische Soldaten vom Norden und von Kuwait aus eingesetzt werden, um Bagdad zu erreichen und einzunehmen.
Die Bodenoffensive dürfte nur einen oder zwei Tage auf die Bombardierung der strategisch wichtigen Ziele folgen, so Stahel weiter.
Gezielte Angriffe auf Infrastrukturen
Einer der obersten Prioritäten Washingtons in der ersten Phase ist laut Stahel, die Infrastrukturen des Landes anzugreifen und lahm zu legen, um danach die Kontrolle über Bagdad zu erlangen.
«Zuerst muss die Energieversorgung für die irakische Armee und für das ganze Land unterbrochen werden. Damit wird auch die Wasserversorgung von Saddams Truppen und der gesamten Bevölkerung zerstört, worauf viele Menschen aus Bagdad fliehen werden. Das wird zu einem Chaos führen.»
Nach Stahels Ansicht ist der Verlust von Menschenleben unausweichlich, sobald die Bevölkerung aus den irakischen Städten flieht.
«Wegen des Zusammenbruchs von Strom und Wasser sowie der Strassenkämpfe wird es Opfer geben. Je nachdem, wie lange der Krieg dauert, könnten es 2’000, 4’000 oder auch mehr sein.»
Anders als bei der Operation Wüstensturm
Präsident Buschs Ziele beim Angriff auf Irak sind laut Stahel ganz anders als jene seines Vaters, der vor über einem Jahrzehnt, 1991, mit der Operation «Desert Storm» auf die irakische Invasion in Kuwait reagierte.
«Heute sind die Prioritäten anders als im letzten Golfkrieg. Beim «Wüstensturm» wurden insbesondere die irakischen Truppen in Kuwait unter schweren Beschuss genommen», erklärte er gegenüber swissinfo.
«Diesmal jedoch wird es mehr strategische Bombardierungen geben, gefolgt von einem Vormarsch der Bodentruppen Richtung Bagdad.Und diesmal ist die Operation nicht auf Kuwait beschränkt. Sie hat ein grösseres Ausmass und ihr Ziel ist es, das gesamte Land unter Kontrolle zu bringen», fügte Stahel an.
Militärstrategen glauben ausserdem, dass die irakischen Truppen geschwächt sind und vermutlich weniger effizient zurückschlagen können als vor zehn Jahren.
«Die irakische Armee ist nicht mehr so stark, sie ist schlecht ausgerüstet, und die Moral ist schlecht», so Stahel.
Der Zeitplan für den Krieg
Nur wenige Experten wollen mit einiger Sicherheit voraussagen, wie lange der Krieg dauern wird. Doch laut Stahel wäre es optimistisch zu glauben, dass die Offensive kürzer als zwei Wochen dauern werde.
«Wenn andere Faktoren dazu kommen, wie zum Beispiel die Lokalisierung Saddams, die Sprengung von Ölfeldern oder der Einsatz chemischer Waffen, könnte es vier bis sechs Wochen dauern. Aber wohl kaum länger als zwei oder drei Monate.»
Stahel räumt ein, dass wegen der Art des Krieges und der Verwirrung, die unausweichlich auf die Kriegserklärung folgen wird, nicht genau vorausgesagt werden kann, in welche Richtung die Offensive geht.
Aber er glaubt, dass die USA in den Kämpfen auch eigene Soldaten verlieren werden.
«Wenn keine chemischen Waffen eingesetzt werden, dürfte es wohl 300 oder 400 (amerikanische und britische) Opfer geben. Beim Einsatz von Chemiewaffen dagegen könnten es viel mehr sein.»
swissinfo, Ramsey Zarifeh
Der Schweizer Militärstratege Albert Stahel glaubt, dass ein US-Angriff auf Irak in zwei Wochen vorüber sein könnte.
Laut Stahel kommt es zuerst zu einer Bombenkampagne auf strategisch wichtige Ziele, gefolgt von einer grossen Bodenoffensive, bei der die US-Truppen auf Bagdad vorrücken.
Experten gehen davon aus, dass Opfer unter der Zivilbevölkerung unausweichlich sind, wenn die US-Truppen die Strom- und Wasserversorgung Iraks angreifen.
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