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Täterspuren in die Schweiz

Viele Schweizerinnen und Schweizer sind verunsichert: Sie haben noch immer keine Nachricht von ihren Angehörigen in den USA. Keystone

Das Schweizer Aussenministerium hat die Suche nach möglichen Schweizer Opfern verstärkt. Bei sechs Staatsangehörigen besteht begründeter Verdacht, dass sie getötet oder verletzt worden sind. Auf der Suche nach den Urhebern der Terroranschläge führen auch Spuren in die Schweiz.

Der von Verteidigungsminister Samuel Schmid präsidierte Sicherheitsausschuss der Regierung (mit Aussenminister Joseph Deiss und Justizministerin Ruth Metzler) liess sich von der Lenkungsgruppe Sicherheit über die neueste Lage informieren. «Nach wie vor ist die Schweiz nicht direkt bedroht», sagte Schmid anschliessend vor den Medien.

Die Schweizer Behörden hätten den amerkanischen ihre Unterstützung zugesichert, ergänzte Schmid.

Es gebe Hinweise darauf, dass möglicherweise in die Anschläge verwickelte Personen die Schweiz als «Durchgangsstation» benutzten. Ob sie zum Kreis der in den USA mit Namen bekannt gewordenen mutmasslichen Attentäter gehörten, wollte der Ko-Präsident der Lenkungsgruppe, Jean-Luc Vez, nicht sagen. Bis jetzt sei noch niemand verhaftet worden.

Ein Strafverfahren werde dann eröffnet, wenn strafbare Handlungen in der Schweiz begangen worden seien oder wenn ein Rechtshilfegesuch vorliege, sagten die Verantwortlichen. Letzteres war bis zum Freitagabend noch nicht der Fall.

Es sei ein Faktum, dass in den USA weitere Anschläge geplant worden seien und Spuren von Tätern oder von möglichen Tätern in verschiedene europäische Staaten führten, auch in die Schweiz, sagte Bundesrat Schmid.

In den 100 Stunden seit den schrecklichen Attentaten sei viel spekuliert worden. Der Bundesrat sei nach wie vor nicht bereit, auf Gerüchte einzugehen und Angst und Unsicherheit zu schüren.

Es sei logisch, dass die Schweizer Behörden eng mit den amerikanischen Ermittlern zusammenarbeiteten und ständig in Kontakt seien. Man gehe den Spuren auch in enger Kooperation mit England, Frankreich, Deutschland und weiteren Staaten nach.

Die Lage-Beurteilungen erhielten trotz guter Ermittlungs-Ergebnisse noch Lücken, und es lägen nur wenig wirklich gesicherte Informationen vor. Deshalb blieben die in der Schweiz getroffenen Sicherheitsvorkehrungen weiter in Kraft. Dies betreffe die Bewachung von Botschaften und anderer ausländischer Einrichtungen, die Massnahmen auf den Flughäfen und die üblichen polizeilichen Vorkehrungen.

Noch 280 Namen auf der Liste

Am Donnerstag hatte Botschafter Walter Turnherr, Chef des Auslandschweizer-Dienstes, den Tod zweier Landsleute bestätigen müssen, die sich in einem der gekidnappten Flugzeuge befunden hatten. Sechs weitere Personen mit Schweizer Pass wurden nun den amerikanischen Behörden offiziell als vermisst gemeldet. Vier befanden sich im World Trade Center, zwei vermutlich in der Nähe.

Glücklicherweise habe die Touristenplattform auf dem World Trade Center erst um 09.30 Uhr geöffnet, sagte Thurnherr. Es dürften sich als noch nicht sehr viele Touristen in der Gefahrenzone aufgehalten haben. Eine Person schweizerischer Nationalität habe das Spital verlassen können. In den Spitälern seien keine weiteren Landsleute gefunden worden.

Auf der Liste der Personen, von denen Angehörige und Bekannte ohne Nachricht sind, stehen laut Thurnherr noch 280 Namen. «Wir beginnen nun aktiv mit Rückfragen, ob wir Entwarnung geben können.» Konkret werde man versuchen, diese Personen aktiv anzurufen und auf diese Weise ihr Schicksal zu klären.

Psychologen zur Verstärkung

Sobald die Flüge nach den USA wieder offen seien, werde das Aussenministerium zwei Psychologen nach New York schicken, um das Konsulat bei der Betreuung der Leute zu unterstützen, sagte Thurnherr. Auch soll das Generalkonsulat in New York personell verstärkt werden. Der Krisenstab in der Berner Zentrale bleibe bestehen, die Hotline (031 / 322 27 62) sei weiterhin offen.

swissinfo und Agenturen

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