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Volcker-Komitee veröffentlicht Schlussbericht am 6. Dezember

Nach mehrfacher Verzögerung wird der Schlussbericht des Volcker-Komitees (Bild: Paul Volcker) über den Umgang der Schweizer Banken mit Vermögenswerten aus der Nazizeit am nächsten Montag (06.12.) in Zürich veröffentlicht.

Nach mehrfacher Verzögerung wird der Schlussbericht des Volcker-Komitees (Bild: Paul Volcker) über den Umgang der Schweizer Banken mit Vermögenswerten aus der Nazizeit am nächsten Montag (06.12.) in Zürich veröffentlicht. An der Pressekonferenz wird voraussichtlich auch der Präsident der Eidgenössischen Bankenkommission (EBK), Kurt Hauri, teilnehmen.

Hatte es vor Wochenfrist noch geheissen, der schweizerisch-jüdische Ausschuss unter dem Vorsitz des früheren US-Notenbankpräsidenten Paul Volcker werde eine weitere Sitzung zur Bereinigung des Schlussberichts benötigen, so teilte der Stabschef des Komitees, Michael Bradfield, nun am Sonntagabend (28.11.) in Washington mit, Paul Volcker werde den Bericht am 6. Dezember an einer Pressekonferenz in Zürich präsentieren.

Dem Vernehmen nach wollen die zehn Mitglieder des paritätisch zusammengesetzten Gremiums diese Woche die definitive Fassung des Berichts absegnen. Bradfield erinnerte noch einmal an die Mahnung Volckers vom vergangenen September, unvollständige und sich konkurrenzierende Auszüge aus dem Bericht, die aus dem Zusammenhang gerissen seien, zu vermeiden.

In den vergangenen Wochen war es zu verschiedenen Indiskretionen über den Inhalt des Berichts gekommen. Zudem wurde bekannt, dass die Empfehlungen des Ausschusses über die Veröffentlichung einer weiteren Namensliste von Kontoinhabern bis zuletzt umstritten war. Wie der Direktor des EBK-Sekretariats, Daniel Zuberbühler, am Montag (29.11.) auf Anfrage sagte, wird die Bankenaufsichtsbehörde erst nach der Veröffentlichung des Berichts über die Empfehlungen entscheiden. Dies könne durchaus noch einige Zeit dauern. EBK-Präsident Hauri werde wahrscheinlich aber an der Präsentation vom kommenden Montag teilnehmen.

Die Schweizerische Bankiervereinigung und die jüdischen Organisationen hatten sich im Mai 1996 auf die Untersuchung geeinigt, um die Kontroverse über die Höhe der nachrichtenlosen Vermögen aus der Nazizeit und über das Verhalten der Schweizer Banken zu beenden. Mehr als 420 Revisoren haben seither 63 Banken durchleuchtet. Die von ihnen lokalisierten Kundenbeziehungen aus der Nazizeit wurden mit digitalisierten Listen von Holocaust-Opfern abgeglichen. Zudem wurden der Umgang der Banken mit den fraglichen Vermögenswerten auf bewusstes oder fahrlässiges Fehlverhalten untersucht und die eigene Suche der Banken nach Geldern von Holocaust-Opfern überprüft.

Das Resultat der Volcker-Untersuchung hat auch einen Einfluss auf den zwischen den Schweizer Grossbanken und den jüdischen Klägern in den USA abgeschlossenen Vergleich. Denn jene Vermögenswerte, die aufgrund der Untersuchung an Holocaust-Opfer ausbezahlt werden, werden von der pauschalen Vergleichssumme von 1,25 Milliarden Dollar abgezogen. Unbestätigte Berichte, wonach die verbleibende Summe sehr gering sein könnte und wonach einzelne Banken oder der Bankendachverband die Suche nach nachrichtenlosen Vermögen bewusst irregeführt hätten, lösten Spekulationen aus, dass der im Sommer 1998 abgeschlossene Grossbankenvergleich in Frage gestellt werden könnte. Sowohl bei den jüdischen Organisationen in den USA wie auch bei den Grossbanken werden solche Befürchtungen aber nicht geteilt.

SRI und Agenturen

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