Genf als Trumpf
Liebe Leserin, lieber Leser
Trilaterale Gespräche zwischen der Ukraine, Russland und den USA, Atomverhandlungen zwischen den USA und Iran: Diese Woche ist viel los in Genf. Das freut auch viele in Bundesbern – denn zuletzt kam das Internationale Genf als Standort unter Druck.
Genf ging schon immer mit den Zeiten: Die frühe Hinwendung zum Protestantismus (1536) brachte der Stadt nicht nur den Beinamen «protestantisches Rom» ein, sondern legte auch einen Grundstein für ihren Wohlstand – durch den Zufluss fleissiger Emigrantinnen und Emigranten. Die Gründung des Roten Kreuzes (1863) katapultierte sie auf das internationale Parkett, die Etablierung des Völkerbundes (1920) und der UNO (1946) haben sie endgültig zum Internationalen Genf gemacht. (Auch die USA spielten eine Rolle dabei.)
Während im UNO-Hauptsitz in New York die hohe Politik gemacht wird, ist Genf der multilaterale Maschinenraum, der permanent läuft. Für die Schweiz ist das Internationale Genf ein wesentliches Element für die Diplomatie des Landes: Dadurch baut man wertvolle Kontakte auf, im günstigen Fall schafft man auch Goodwill.
Zurzeit sind die Zeiten aber schwer für Genf. Das multilaterale System erodiert, und das kriegt auch Genf zu spüren. Stadt, Kanton und Bund versuchen die finanziellen Löcher zu stopfen.
Dazu kommt, dass andere die Gelegenheit beim Schopf packen: UNO-Agenturen, internationale Organisationen und NGOs werden von anderen Städten und Staaten umworben. In Zeiten sinkender Budgets kann ein Umzug verlockend sein, zumal Genf eine teure Stadt in einem teuren Land ist.
Swissinfo unterhält ein eigenes Büro im Palais des Nations, meine Kolleginnen und Kollegen berichten direkt aus dem UNO-Universum. Leider tun das in Zeiten knapper werdenden Budgets immer weniger Medien. Auch ein Zeichen für die abnehmende Bedeutung des Multilateralismus.
Gibt es etwas, dass Sie speziell interessiert am Internationalen Genf? Haben Sie eine Geschichte oder Idee für eine Berichterstattung, die Sie mit uns teilen möchten? Oder sind Sie sogar von den Änderungen in Genf selbst betroffen? Schreiben Sie mir auf giannis.mavris@swissinfo.ch
Mit freundlichen Grüssen,
Giannis Mavris
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