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«Wir sind hier nicht willkommen»

Menschenleere asiatische Stände an der Uhrenmesse in Zürich. Keystone

Die Delegation von Hongkong zieht sich von der Uhrenmesse zurück. Aus Angst vor SARS hatte der Bund ein Arbeitsverbot für asiatische Messeangestellte verfügt.

Auch in Hongkong lebende Schweizer fürchten sich vor SARS. Viele verliessen die Stadt.

Für einen Eklat und fieberhafte Diskussion vor und hinter den Kulissen sorgte am Mittwoch das Arbeitsverbot asiatischer Messeangestellter an der Basler Uhrenmesse «Baselworld». Davon betroffen sind über 3000 Messe-Teilnehmer aus China, Singapur, Vietnam und Hongkong.

Bundesamt für Gesundheit bleibt hart

Am Donnerstag verteidigte das Bundesamt für Gesundheit (BAG) seine Position. Solange die Messe-Veranstalterin keine alternativen Vorschläge habe, die eine gleichwertige Sicherheit biete, bleibe man bei der Entscheidung, so BAG-Direktor Thomas Zeltner.

Gefordert würden insbesondere ein täglicher Gesundheitscheck und das Tragen von Gesichtsmasken. Allerdings wurde am Donnerstag ebenfalls klar, dass bei einer Einigung die asiatischen Messe-Teilnehmer erst ab Sonntag ihre Stände betreuen dürften.

«Offensichtlich nicht willkommen»

In der Folge blieben vor allem in Zürich die asiatischen Stände geschlossen. Am Donnerstag gab die Hongkonger Delegation ihren definitiven Rückzug bekannt.

«Wir sind hier offensichtlich nicht willkommen», sagte Frederick Lam, stellvertretender Direktor der Hongkonger Handelskammer. Die Auflagen seien «völlig inakzeptabel». Lam kündigte weiter an, dass gegen die Behörden Schadenersatzklagen erwogen würden.

An der Messe wollten ursprünglich 331 Firmen aus Hongkong teilnehmen. Nun planen diese die Heimreise in den nächsten zwei Tagen.

Auslandschweizer kommen heim

Auch bei den in Hongkong ansässigen Schweizern geht die Angst vor SARS um. Zahlreiche Personen haben deshalb die Stadt verlassen. Das Konsulat traf zudem Massnahmen zum Schutz des Konsulatpersonals.

Rund 1200 Schweizer Staatsangehörige leben in Hongkong. Über die genaue Zahl der abgereisten Personen konnte Jean-Francois Lichtenstern, stellvertretender Generalkonsul, keine Auskunft geben.

Nach Angaben eines Sprechers der Schweizer Botschaft in Peking sind die Abreisen von Auslandschweizern weniger zahlreich als in Hongkong.

Volksgesundheit prioritär

Wirtschaftsminister Joseph Deiss verteidigte an der Eröffnung der «Baselworld» das für SARS-Risiko-Personen verhängte Arbeitsverbot. Der Entscheid sei der Landesregierung nicht leicht gefallen, aber die Volksgesundheit sei für den Bundesrat das oberste Gebot.

Laut Deiss zeigt die SARS-Problematik, wie abhängig die Schweizer Wirtschaft von weltweiten Ereignissen ist. Die Krankheit sei eine Folge von Globalisierung und Mobilität.

Das Verbot, Personen aus China, Hongkong, Vietnam und Singapur an Messeständen zu beschäftigen, sei eine «sinnvolle Massnahme im Interesse der Volksgesundheit.» Deiss bedaure Unannehmlichkeiten, die daraus entstehen.

Erreger noch nicht eindeutig identifiziert

Wissenschafter konnten den SARS-Erreger bisher nicht eindeutig identifizieren. Die meisten Anzeichen deuteten aber darauf hin, dass der Erreger zu den Coronaviren gehört.

Ausserdem scheint der Virus aufgrund der untersuchten Genstruktur den Ursprung im Tierreich zu haben. Der Virus ist bei verschiedenen Patienten unterschiedlich stark ansteckend. Neben der Tröpfcheninfektion werden weitere Verbreitungswege gesucht, nachdem in Hongkong ein ganzer Häuserblock verseucht worden war.

Keine Panik bei der UNO

Vom 17. März bis zum 25. April findet in Genf ein internationales Treffen der UNO-Menschenrechtskommission statt. Natürlich sind auch Personen aus SARS-Ländern dabei.

Laut Pressesprecherin Elena Ponomareva-Piquier herrscht in Genf keine Panik. Am Mittwoch habe sich der ärztliche Dienst der UNO mit einer Mitteilung an ihre Mitarbeiter gewandt. Diese sollten nur, wenn unbedingt nötig, in die betroffenen Regionen reisen.

Bereits am Mittwoch hatte die Weltgesundheitsorganisation Touristen von Reisen nach Hongkong und Guangdong abgeraten.

Informationsblätter am Weltpostkongress in Bern

Seit dem 31. März findet in Bern der Weltpostkongress statt. 65 Länder werden durch insgesamt 600 Delegierte vertreten. Laut Pressesprecherin Rheal LeBlanc hat die Delegation aus Singapur abgesagt, diejenige aus Hongkong jedoch zugesagt.

Es herrsche keine Unruhe. Allerdings habe man auf Ersuchen der Berner Behörden Informationsblätter zum Thema SARS an die Delegierten verteilt.

«Hannover Messe» : Kein Arbeitsverbot

Nächsten Montag beginnt die als Konjunkturbarometer der deutschen Industrie bezeichneten «Hannover Messe». Rund 3000 Aussteller werden ihre Waren präsentieren, davon fast 300 aus China.

Laut Messechef Klaus E. Goehrmann hat man jedoch kein Arbeitsverbot erlassen. «Wir stehen ganz am Ende einer überwachten Kette, die am Flughafen des Abflugortes beginnt und sich über die Flüge selber und den Ankunfts-Flughafen erstreckt», so Goehrmann.

Falls es zu Verdachtsfällen kommen sollte, gebe es eine mit speziell instruierten Ärzten besetzte Sanitätsstation.

swissinfo und Agenturen

Knapp 80 Menschen sind bisher weltweit in insgesamt 17 Ländern an der Lungenkrankheit SARS gestorben.
Mehr 2300 Personen sind infiziert.
In der Schweiz gibt zur Zeit drei SARS-Verdachtsfälle.

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