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Medien schenken der Schweizer Aussenpolitik keine grosse Aufmerksamkeit

Die Schweizer Medien behandeln die Schweizer Aussenpolitik in ihrer Berichterstattung oft als Stiefkind. Zudem weist auch die Medienarbeit der Behörden Defizite auf. Dies ist der Befund einer Studie der Universitäten Bern und Zürich.

Dieser Inhalt wurde am 03. März 2000 - 10:34 publiziert

Die Schweizer Medien behandeln die Schweizer Aussenpolitik in ihrer Berichterstattung oft als Stiefkind. Zudem weist auch die Medienarbeit der Behörden Defizite auf. Dies ist der Befund einer Studie der Universitäten Bern und Zürich.

Untersucht wurde von den medienwissenschaftlichen Instituten der beiden Hochschulen zwei Themenbereiche: Die Medien-Inhalte zum Thema "Aussenpolitik" und die Rolle der Medienschaffenden. Die Studie wurde im Rahmen eines Nationalfonds-Projekts erarbeitet und am Freitag (03.03.) den Medien vorgestellt.

In der Schweizer Presse kommt der Aussenpolitik ein marginaler Stellenwert zu, lautet einer der Hauptbefunde. Im Schnitt wurde im Beobachtungszeitraum 1997 pro Zeitungsausgabe ein Artikel zum Thema Aussenpolitik veröffentlicht. Untersucht wurden 22 grosse und kleine Tageszeitungen in allen Sprachregionen.

Der Stellenwert der Aussenpolitik variiert jedoch nach Sprachregion und Zeitungstyp: Deutschschweizer Blätter berichten mehr als Zeitungen im Tessin und der Romandie, Forums- und Elitezeitungen mehr als Boulevard- oder Regionalblätter.

Besonders breit berichteten die Zeitungen thematisch über die Integrationsproblematik und über die Rolle der Schweiz im Zweiten Weltkrieg. In 70 Prozent aller Artikel ist von einem der beiden Themen die Rede. Thematische Defizite werden dagegen etwa bei der Entwicklungs-, Umwelt- und Flüchtlingspolitik festgestellt. Noch geringer als in den Tageszeitungen ist der Stellenwert der Aussenpolitik gemäss Studie im Fernsehen.

Die Studie macht sowohl die Medien als auch die politischen Entscheidungsträger für die untergeordnete Rolle der Aussenpolitik in den Medien verantwortlich.

Die Medien würden die Aussenpolitik zu ausschliesslich als Europapolitik wahrnehmen, andere wichtige Themen würden dabei oft verdrängt, betont die Studie. Bei kleinen Zeitungen bestehe zudem ein Ressourcenproblem, das mit vermehrter Zusammenarbeit zu lösen wäre.
Auf Seiten der Politik kritisiert die Studie unter anderem einen Mangel an mediengerechter Dramaturgie und einen Kontaktdefizit zwischen politisch Verantwortlichen und Journalisten.

Die Schweizerische Aussenpolitik spiele in den Medien "die Rolle eines Stiefkinds", bilanzierte der Berner Medienwissenschafter Roger Blum bei der Präsentation der Studie. Die Aussenpolitik habe seit 1945 mit dem Zusammenwachsen der Völkergemeinschaft und der Notwendigkeit internationaler Lösungsansätze an Bedeutung gewonnen. Die Informationsleistung der politischen Behörden und die Vermittlung durch die Medien hielten mit dieser Entwicklung aber noch nicht durchgehend Schritt.

SRI und Agenturen

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