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Mehrheit will keine Armeewaffen zu Hause

Das Sturmgewehr zu Hause wird zunehmend als Risiko gesehen.

(Keystone)

Armeewaffen sollen nicht mehr zu Hause aufbewahrt werden dürfen. Eine Mehrheit der Schweizerinnen und Schweizer hat sich in einer Umfrage des SonntagsBlicks dagegen ausgesprochen.

Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey vertritt in einem Interview in der SonntagsZeitung die gleiche Haltung. Eine Volksabstimmung ist in Vorbereitung.

Die Bluttat mit einer Armeewaffe in einem Hotel in Baden Mitte April hat der Debatte um die Aufbewahrung von Dienstwaffen und Munition zu Hause neuen Auftrieb gegeben.

Zwei Drittel der Schweizerinnen und Schweizer wollen keine Armeewaffen mehr in ihren Schränken. Die Waffen gehören ins Zeughaus, meinen die Befragten gemäss einer repräsentativen Umfrage im Auftrag der Zeitung SonntagsBlick.

Am 25. Mai entscheiden mehrere Organisationen und Parteien, ob sie die "Volksinitiative zum Schutz vor Waffengewalt" gegen Armeewaffen zu Hause lancieren werden.

Drei Viertel der Frauen gegen Waffen zu Hause

Gemäss der Umfrage hätte eine solche Initiative gute Chancen: 65,6% der Stimmberechtigten würden sie annehmen, könnten sie am nächsten Wochenende darüber abstimmen. Bei den Frauen wären es sogar 75,5%.

Käme eine andere Variante zur Abstimmung, wonach die Waffe zu Hause bleiben kann, die Munition aber ins Zeughaus muss, würden diese 41,8% der Stimmberechtigten befürworten.

Für diese Lösung hat sich auch die Sicherheitspolitische Kommission (SIK) des Ständerats am letzten Montag ausgesprochen.

Demnach soll die Taschenmunition nur noch jenen 2000 Wehrmännern heimgegeben werden, die für Ersteinsätze vorgesehen sind.

Dieser Vorschlag wurde in der welschen Sonntagspresse von mehreren Vertretern aus Politik, Militär und Schiesswesen kritisiert. Er bringe nichts, weil sich Munition leicht auf den Schiessständen beschaffen liesse, monierten sie.

Armee trotzdem einsatzbereit

Drei von vier Schweizerinnen und Schweizer finden zudem, dass die Armee ihren Auftrag auch erfüllen kann, wenn Sturmgewehr und Munition nicht mehr zu Hause aufbewahrt werden.

Vielmehr könnten Familiendramen verhindert werden, wären die Waffen weggesperrt: Diese Ansicht teilen 37,1%, in der Westschweiz sogar fast die Hälfte aller Stimmberechtigten (47,5%). Grosse Unterstützung fände ein nationales Waffenregister: 68,8% finden, dass die heutige Gesetzgebung nicht reicht.

Calmy-Rey: "Sicherheitsrisiko"

Für Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey wäre es ein erster Schritt, wenn die Armee keine Munition mehr mit nach Hause geben würde. Es sei nicht richtig, dass die Armeewaffen zu Hause aufbewahrt würden, sagte sie in einem Interview der "SonntagsZeitung".

Alle Studien zeigten klar: Wenn man einfachen Zugriff auf Waffen habe, drohe die Gefahr, dass diese auch eingesetzt würden. "Was früher als Sicherheitsmassnahme gedacht war, ist heute ein Sicherheitsrisiko", sagte die Aussenministerin.

Die Umfrage wurde vom Institut Isopublic durchgeführt.
Befragt wurden vom 19. bis 21. April 1203 Personen in der ganzen Schweiz.

swissinfo und Agenturen

ARMEEWAFFE ZU HAUSE

Die Angehörigen der Schweizer Armee bewahren ihre Waffen während ihrer Dienstzeit zuhause auf.

Ihnen wird auch Taschenmunition mit nach Hause gegeben. Diese umfasst 50 Patronen und befindet sich in einer plombierten Verpackung.

Im Falle einer Mobilisierung dürfen die Soldaten die Packung öffnen, um sich mit der geladenen Waffe zum Mobilmachungsort zu begeben.

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WIEDERKEHRENDE DRAMEN

Die Aufbewahrung von persönlichen Armeewaffen zuhause stösst auf immer stärkere Kritik, weil diese immer wieder für Selbstmorde oder bei Familiendramen verwendet werden.

Im letzten Jahr erregte vor allem ein Fall grosses Aufsehen: Die Ex-Skirennfahrerin Corinne Rey-Bellet wurde im Wallis von ihrem Ehemann erschossen, ebenfalls ihr Bruder. Der Täter richtete danach sich selbst. Er hatte seine Dienstpistole verwendet.

Vergangene Woche tötete ein Amokschütze in einem Hotel in Baden einen Mann und verletzte vier weitere Personen zum Teil schwer. Die Tat wurde mit einem Sturmgewehr der Armee begangen.

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