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Eishockey in Ambri-Piotta Hoch oben im Tessin - weit unten in der Tabelle

Die Dörfer Ambrì und Piotta liegen am oberen Ende des Tessiner Leventina-Tals auf rund 1000 Metern Höhe. Hier schlägt das Eishockey-Herz der Schweiz. 

Wer von Norden kommend den Gotthardpass hinter sich lässt, erblickt die Dörfer auf der rechten, schattigen Talseite. Ein auffälliges Gebäude mit gewölbtem Dach überragt sämtliche Häuser von Ambrì: die "Pista la Valascia". Das Hockey-Stadion ist die Heimstätte des HC Ambrì-Piotta und bietet Platz für knapp 7000 Zuschauer. Das ist bedeutend mehr als die zwei Dörferexterner Link Einwohner haben und hat seinen Grund: Der HCAPexterner Link hat Anhänger in der ganzen Schweiz und sogar im nahen Ausland. 17 Fanclubs gibt es landesweit, drei weitere in Italien. Vor einem Spiel hört man rund um das Stadion neben Italienisch denn auch Französisch und diverse schweizerdeutsche Dialekte. 

Steht ein Derby gegen den Erzfeind Lugano an, stehen selbst die Tifosi aus dem fernen Schaffhausen nicht abseits. In einer Osteria unweit des Stadions bereiten sie sich mit Pizza, Bier und Wein auf den Match vor. Bruno, einer von ihnen, erzählt, dass er den Fanclub 1982 mitgegründet habe. Warum ausgerechnet Ambrì-Piotta? Darauf kann er natürlich keine schlüssige Antwort geben. Es muss wohl so etwas wie Liebe auf den ersten Blick gewesen sein. Und ein richtiger Fan ist eine überaus treue Natur. Mit seinem Club geht man durch dick und dünn.

Kultstatus: Underdog

Die landesweite Ausstrahlung des Provinzclubs aus dem Nordtessin hat mit seinem Image zu tun: Der HC Ambrì-Piotta ist der Underdog der Liga und geniesst als solcher Kultstatus. 1937 ins Leben gerufen, gewann der Club ausser einem Cupfinal in den frühen 1960er-Jahren noch nie etwas Zählbares. Allerdings behauptet er sich seit seinem Wiederaufstieg 1985 ununterbrochen in der obersten Hockey-Liga. Dies, obwohl der finanzielle Haussegen manchmal derart schief hängt, dass man sich nur noch mit Spendenaufrufen zu helfen weiss.

Für die obere Leventina ist der Club jedoch ein Wirtschaftsfaktor. Die wenigen Restaurants und Hotels, die ihre Pforten noch nicht geschlossen haben, sind auf die allwöchentlich wiederkehrenden Fans angewiesen. Nach der Eröffnung des Neat-Tunnels, der im Tal einige Besorgnis auslöste, würde die obere Leventina ohne den HCAP vergessen gehen. Das hat wohl auch der ägyptische Investor Samih Sawiris erkannt, er in der Nähe baut. Beim letzten Spendenaufruf hat er den Club mit einer Million Franken unterstützt.

Spiele gegen den Kantonsrivalen aus Lugano sind immer etwas Besonderes und bis auf den letzten Platz ausverkauft. Die Clubs könnten kaum gegensätzlicher sein. Die Rivalität zwischen dem urchigen Nordtessin und dem snobistischen Sottogeneri wird genüsslich gepflegt. Die einen haben das Geld und fahren Maserati, den anderen fliegen die Herzen zu. Mit jedem Goal, das Ambrì in der Partie kassiert, scheint die Unterstützung von den Zuschauerrängen nur noch grösser zu werden. Tapfer wehren sich die Spieler gegen das Unausweichliche. Schlussendlich kommt es auch diesmal, wie es wohl kommen muss: Ambrì-Piotta unterliegt mit 1 zu 4.

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