Nationalbank- Präsident Hans Meyer tritt vorzeitig zurück

SNB-Präsident Hans Meyer tritt früher zurück als erwartet. Keystone

Hans Meyer, Präsident der Schweizerischen Nationalbank (SNB), tritt auf Ende Jahr zurück. Der 64-Jährige gibt das Präsidial-Amt damit vier Monate früher ab als erwartet und beschleunigt die Nachfolge- Diskussion im dreiköpfigen Direktorium der Notenbank.

Dieser Inhalt wurde am 30. Juni 2000 - 16:52 publiziert

In einer kurzen Mitteilung der Schweizerischen Nationalbank (SNB) vom Freitag (30.06.) heisst es, Meyer begründe seinen Rücktritt auf Ende Jahr mit seiner Überzeugung, dass es im Interesse der Sache liege, wenn seine Nachfolger ihre Arbeit bereits zu Beginn des kommenden Jahres aufnehmen könnten.

Allgemein war damit gerechnet worden, dass Meyer erst auf die kommende Generalversammlung von Ende April 2001 zurücktreten werde. Meyer wird am 20. April nächsten Jahres 65-jährig und erreicht damit das Pensionsalter.

Über 30 Jahre in den Diensten der SNB

Meyer hat mehr als die Hälfte seines Lebens bei der Nationalbank gearbeitet. Seiner Wahl ins dreiköpfige Direktorium im Jahre 1984 war ein heftiges parteipolitisches Gerangel voraus gegangen.

SP-Finanzminister Otto Stich versuchte den damaligen Chefökonomen und heutigen BZ-Bankier Kurt Schiltknecht als erstes SP-Mitglied in die Notenbankspitze zu hieven.

Die Landesregierung gab aber Meyer den Vorzug, der der Freisinnig Demokratischen Partei (FDP) nahe steht.Im Mai 1996 rückte der gebürtige Aargauer als Nachfolger von Markus Lusser ganz an die Spitze der SNB.

Meyer: Ideenlieferant für die Solidaritätsstiftung

Meyer profilierte sich als Mann des Ausgleichs und der Kontinuität. Unter seiner Präsidialzeit fand die Schweizer Wirtschaft aus der längsten Stagnation seit dem Zweiten Weltkrieg hinaus.

Völlig überraschend lancierte Meyer Anfang 1997 auf dem Höhepunkt der Kontroverse über die nachrichtenlosen Vermögen aus der Nazizeit die Idee, einen Teil der überschüssigen Goldreserven zur Finanzierung einer Solidaritätsstiftung zu verwenden.

Spannende Ausgangslage für die Nachfolgeregelung

Die vom Bundesrat zu regelnde Nachfolge ist doppelt spannend, weil einerseits sowohl Vizepräsident Jean-Pierre Roth wie auch dem dritten Mitglied des Direktoriums, Generaldirektor Bruno Gehrig, Ambitionen für das Präsidium nachgesagt werden.

Anderseits wird erwartet, dass die wählerstärksten Parteien, die Schweizerische Volkspartei (SVP) und Sozialdemokratische Partei (SP) Kandidaten für den neu zu besetzenden dritten Posten in der Notenbankleitung portieren werden. Bisher war das Direktorium der Nationalbank eine reine Domäne von FDP und Christlichdemokratischer Volkspartei (CVP) gewesen.

Als mögliche SP-Kandidaten gelten SNB-Direktor Erich Spörndli und Gewerkschaftsökonom Serge Gaillard. Die SVP könnte ihren neuen Zürcher Nationalrat und langjährigen Bankökonomen Hans Kaufmann lancieren.

Die Nachfolgeregelung beginnt laut Nationalbank-Sprecher Werner Abegg am kommenden 15. September. Dann werde der Bankrat Vorschläge für den neuen Präsidenten und ein neues Mitglied des Direktoriums diskutieren. Danach würden die Vorschläge über das Eidgenössische Finanzdepartement der Landesregierung unterbreitet.

swissinfo und Agenturen

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