Neue Verdächtigungen im "Fall Regli"

Der ehemalige Schweizer Geheimdienst-Chef Peter Regli kommt im vorzeitigen Ruhestand nicht zur Ruhe. Keystone

Der Druck auf Peter Regli wächst: Nach Recherchen von Schweizer Radio DRS sind während einer Gerichtsverhandlung in Südafrika Aussagen gemacht worden, die den ehemaligen Chef des Geheimdienstes schwer belasten.

Dieser Inhalt wurde am 22. August 2001 - 18:10 publiziert

Die Verdachtsmomente, die gegen den ehemaligen Schweizer Geheimdienst-Chef Peter Regli bestehen, wiegen schwer. Erstens soll Regli Akten zu den Südafrika-Kontakten des Schweizer Geheimdienstes vernichtet haben. Eine Delegation der Geschäfts-Prüfungskommission (GPK) hatte in ihrem Bericht festgehalten, dass Akten vernichtet worden seien. Regli gab dies zwar zu, betonte jedoch stets, dass keine Akten aus Südafrika betroffen seien

Zweitens erklärte Wouter Basson, der oberste Militärarzt aus Südafrikas Apartheid-Zeit, kürzlich vor einem Gericht in Pretoria, er habe 1992 mit Hilfe des früheren Schweizer Geheimdienst-Chefs Peter Regli in der ehemaligen Sowjetunion eine halbe Tonne der Droge Mandrax besorgt. Wouter Basson ist auch unter dem Namen "Doktor Tod" bekannt: Er verfolgte den teuflischen Plan, mittels chemischer Kampfstoffe, die ausschliesslich bei dunkelhäutigen Menschen tödlich wirken, die Schwarze Rasse auszurotten.

Regli dementiert

Peter Regli weist den Vorwurf zurück, je enge Kontakte mit Basson unterhalten zu haben. Lediglich ein Treffen Peter Reglis mit dem Südafrikaner - notabene in der Schweiz - ist publik geworden. Regli betonte stets, dass es sich dabei um ein reines "Höflichkeitstreffen" gehandelt habe.

Die Anschuldigungen gegen den ehemaligen Geheimdienst-Chef liessen das Eidgenössische Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) aufhorchen. Eine umgehende Untersuchung wurde versprochen. Am 17.08. orientierte VBS-Informationschef Oswald Sigg die Medien, VBS-Generalsekretär Juan Gut sei beauftragt worden, bis zum 31. Oktober einen detaillierten Bericht zu den Verdachts-Momenten zu verfassen. Bundesrat Samuel Schmid habe alle möglichen Mitwisser vom Amtsgeheimnis entbunden.

Das Treffen Regli-Knobel in Südafrika

Erst am Mittwoch (22.08.) wurde nach Recherchen von Schweizer Radio DRS publik, dass neben Wouter Basson auch dessen Vorgesetzter, General Niel Knobel, in einem Prozess im November 1999 Pikantes zum "Fall Regli" zu Protolkoll gab. Laut SR DRS berichtete Knobel über einen Besuch Reglis in Südafrika im Jahre 1994. Dabei sei es zwischen ihm und Regli zu einem Treffen gekommen, bei dem es um die Transaktion von Geldern gegangen sei, die in einem Zusammenhang mit dem Giftgas-Projekt gestanden hätten und auf einer Schweizer Bank blockiert worden seien.

Während die Existenz dieses Treffens Insidern bereits bekannt war, hatte niemand Kenntnis des Gesprächsinhalts. Diese fehlenden Details scheint Knobel vor Gericht geliefert zu haben. SR DRS stützt sich an dieser Stelle auf eine Meldung einer südafrikanischen Nachrichtenagentur vom 19.09.2000, die in der Schweiz bisher unbeachtet blieb und Knobels Aussage vor Gericht wörtlich zitiert: Demnach habe Regli während des Treffens die Transaktion der Gelder über die Schweiz bestätigt. Zudem habe Regli die Südafrikaner aufgefordert, wegen der Gelder in der Schweiz keinen Staub aufzuwirbeln. Es könnte für ihn sonst peinlich werden.

Fragen über Fragen

Entsprechen die Aussagen Knobels der Wahrheit, stellt sich die Frage, woher Regli von der Transaktion wusste. Und: Was genau hätte Regli in Verlegenheit bringen können? Peter Regli bestreitet, jemals von den grauenhaften Ausrottungs-Plänen in Südafrika Kenntnis gehabt zu haben.

Felix Münger

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Webseite importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@swissinfo.ch

Diesen Artikel teilen