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noch viel platz in der golfregion

Ölindustrie als "Klumpenrisiko" der Versicherungs-Branche im Golf. Bild: Jebel Ali Raffinerie, 40 km von Dubai.

(Keystone)

Die boomende Wirtschaft der Vereinigten Arabischen Emirate zieht globale Versicherer in die Golfregion, auch aus der Schweiz.

Doch sind gerade im Versicherungs-Bereich kulturelle Hürden zu überwinden. Und Präsenzen sowie Umsätze sind schwer zu eruieren.

In der reichen Golfregion mit ihren hohen Wachstums-Raten hinkt eine Branche etwas hinten nach: Die Versicherungen. Der Markt für Versicherungen befindet sich im Golf – im Vergleich zu anderen Wachstums-Regionen der Welt – in einem noch recht elementaren Zustand.

Das Potenzial wird demnach als hoch eingestuft. Die Umsätze sind aber bisher niedrig:

Laut dem Dubai International Financial Centre (DIFC), gesetzgebende Behörde und Marktplatz zugleich, zeigen Statistiken, dass die Einnahmen aus dem Versicherungs-Prämiengeschäft im Nahen Osten unter dem Durchschnitt anderer Wachstums-Regionen liegen.

Diese vergleichsweise tiefe Durchdringung des Markts erstaunt angesichts der sonstigen Dynamik in der Golfregion. Denn die Erfahrungen aus anderen Weltgegenden zeigen gemäss DIFC, dass das Wirtschafts-Wachstum eine Zunahme der Ansprüche im Bereich des Risiko-Managements und der Versicherungs-Leistungen zur Folge hat.

Weltweit gesättigte Märkte

Doch da die Versicherungs- und Rückversicherungs-Märkte in weiten Teilen der Welt gesättigt sind oder stagnieren, wenden sich die globalen Versicherer zwangsläufig vermehrt dem Nahen Osten und der Golfregion zu. Auch die Schweiz, Heimat und Sitz global agierender Grossversicherer,

gilt als gesättigt, wenn nicht gar überversichert. Der Anteil der Wertschöpfung der Versicherung am Bruttoinland-Produkt (BIP) liegt laut dem Schweizerischen Versicherungs-Verband bei rund 5%. In den Ländern am arabisch-persischen Golf hingegen trägt die Versicherungs-Branche insgesamt nur 1,5% zum BIP bei.

Für international tätige Versicherer und Rückversicherer galten die Golfstaaten traditionell als so genanntes Klumpenrisiko im Bereich Erdöl (hohes Risiko von Förderungs-, Transport- und Umwelt-Katastrophen).

Diese klassischen Bereiche der Versicherung beim Erdöl sind aber branchenbezogen und deshalb weltweit ähnlich strukturiert.

Sie haben nur wenig mit der lokalen Wirtschaft am Golf und deren spezifischen Bedürfnissen zu tun.

Das DIFC verweist beim Potenzial der Region auf eine Studie der Swiss Re: Am Golf weise zum Beispiel der Bereich des Lebensversicherungs-Sektors ein jährliches Wachstum von rund 17% aus. Der weltweite Durchschnitt betrage hingegen nur 11%.

Scharia verbietet zwar

Andererseits bremsten laut DIFC-Sprechern soziale und religiöse Einschränkungen im Golf lange Zeit das Wachstum im Versicherungsbereich. Wenn es der Wille Gottes sei, dass das Leben eines Gläubigen früh ende, habe er sich nicht gegen Todesfall

zu versichern. "Üblicherweise sind Versicherungen unter Scharia-Recht nicht erlaubt", schreibt der Islamic Banking Hub, Bahrain. "Ausser es handelt sich um Versicherungs-Angebote, die auf Gegenseitigkeit basieren oder in Form von Kooperativen aufgebaut sind."

"Takaful" heisst das arabische Zauberwort und kommt in der Bedeutung der helvetischen "Mutualité" (Gegenseitigkeit) nahe. Das Konzept ist eine der Grundstützen zum Beispiel der Krankenkassen-Versicherung in der Schweiz.

Dennoch Scharia-konform

Am ersten Versicherungs-Forum im Nahen Osten (Middle East Insurance

and Reinsurance Forum) Ende 2005 in Dubai wurden die globalen Versicherer, die in der Golfregion aktiv sind, aufgerufen, mehr in Ausbildung und Training zu investieren.

Vertreter der golfregionalen Versicherungs-Branche (aus Oman, VAE, Saudi-Arabien etc.) beklagen das Fehlen gut ausgebildeter Versicherungs-Fachleute.

Aus anderen islamischen Ländern werden bereits hohe Wachstums-Raten auch für mit der Scharia konforme Versicherungs-Produkte gemeldet. In Malaysia liege der Scharia-konforme Marktanteil schon bei 20%, sagt Jens Reisch von der Asuransi Allianz Life - Versicherungs-Produkte, die laut

Reisch nota bene zur Hälfte von Frauen gemanagt werden.

ZFS: Virtuelle Präsenz?

In der Golfregion hingegen scheint die physische Präsenz ausländischer Versicherer immer noch ihre Tücken zu haben.

Global tätige Unternehmen wie Hotelketten neigen zu internationalen Pool-Lösungen, die keine Rücksicht auf kulturelle Bezüge der Region nehmen: Die Kette Rezidor SAS zum Beispiel hat alle ihre Hotels bei Zurich Financial Services (ZFS) versichert, egal wo auf der Welt sie stehen.

So kommt es, dass ZFS laut Aussage ihres Sprechers Daniel Hofmann zwar alle Aktivitäten in Dubai

verkauft habe. Andererseits würden dennoch Objekte in Dubai von Rezidor mittels Pool-Lösungen versichert. Präsenzen vor Ort sind also schwer zu eruieren.

swissinfo, Alexander Künzle, Dubai

Fakten

Die Golfregion weist traditionell gewisse Grossrisiken im Versicherungs-Bereich auf.
Stichworte: Öltransport, Ölförderung, Chemie und Waren-Transporte.
Allgemein befinden sich die Lebens- und Schadens-Versicherungsmärkte noch in einem elementaren Stadium.
In den Vereinigten Arabischen Emiraten werden jährlich rund 1,23 Mrd. Franken an Versicherungsprämien eingenommen.

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In Kürze

Die Schweiz gilt als überversichert. In den Industrieländern stagnieren die Versicherungs- und Rückversicherungs-Märkte.

Die Golfregion hingegen gilt im Versicherungs-Bereich als ausbaufähig. Lebens- und Schadenversicherungen sind noch nicht so verbreitet.

Das zieht die globalen Versicherungs-Unternehmen an, zu denen auch die Schweizer zählen.

Dubai möchte dieses Potenzial ausnützen, indem es einen stabilen regulatorischen Rahmen im Versicherungsbereich erstellt.

Das Emirat soll im Einklang zur Politik des Finanz-Zentrums auch zu einem Versicherungs-Drehkreuz für die gesamte Golfregion werden.

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