Navigation

Sprunglinks

Hauptfunktionen

Papst wie ein Popstar empfangen

Papst Johannes Paul II. wirkte nach seiner gut einstündigen Rede frischer als zu Beginn.

(Keystone)

Über 12'000 Jugendliche haben am Samstag in Bern dem 84-jährigen Papst Johannes Paul II. geradezu frenetisch zugejubelt.

Am Morgen wurde das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche von einer Bundesratsdelegation auf dem Militärflugplatz in Payerne empfangen.

"Ihr seid die gute Zukunft der Schweiz!", sagte der Papst vor über 12'000 Jugendlichen in der Berner Allmendhalle. Zuvor war er frenetisch empfangen worden.

In Anlehnung an das Motto des ersten Katholischen Jugendtreffens "Steh auf!" appellierte der Papst an die Jungen, aufzustehen und sich von den "Illusionen der Konsumgesellschaft" mit ihren "vergänglichen Vergnügungen" nicht blenden zu lassen.

"Das Christentum ist nicht einfach eine Kultur oder Ideologie (...) das Christentum ist eine Person,(...), Jesus Christus", sagte der Papst mit festerer Stimme als noch am Vortag beim Treffen mit US-Präsident George W. Bush weiter.

Johannes Paul II. hatte das Jugendtreffen wiederholt zum eigentlichen Ziel seiner Schweizer Reise erklärt. Er machte einen geschwächten Eindruck und konnte seine Rede nur mühsam vortragen. Die Sprech-Pausen wurden von den Jungen mit frenetischem Applaus überbrückt.

Auf Themen wie Empfängnisverhütung, Homosexualität oder Frauenweihe ging der
Papst nicht ein.

Zuvor hatte der Präsident der Schweizerischen Bischofskonferenz, Bischof Amédée Grab, dem Papst gedankt, dass er "trotz wachsender Schwierigkeiten" keine Mühe scheue, "überall in der Welt zum Glauben und zur Hoffnung zu ermutigen". Die Jugend kenne, bewundere und liebe ihn.

Sternmarsch

Zum Treffen im Allmendstadion bewegten sich die rund 12'000 Jugendlichen von vier Orten aus in einem Sternmarsch. Unter den Teilnehmenden befanden sich auch viele Ausländerinnen und Ausländer.

Bei zunehmend sonnigem Wetter besammelten sich die deutschsprachigen Jugendlichen auf der Grossen Schanze. Auf der Kleinen Schanze bereiteten sich die Italienisch sprechenden Jugendlichen auf den Sternmarsch vor, auf dem Helvetiaplatz die Französischsprachigen.

Herzlicher Empfang durch den Bundesrat

Nach der Landung des Papstes auf dem Militärflughafen Payerne hiess Bundesrat Joseph Deiss den Papst zu seinem ersten Besuch in der Schweiz seit 20 Jahren willkommen. Weiter waren auch Bundesrätin Micheline Calmy-Rey und Bundesrat Samuel Schmid anwesend.

Deiss unterstrich in seiner Ansprache, dass der Besuch des Papstes eine Ehre für die Schweiz sei. Insbesondere die Friedensförderung sei ein gemeinsames Anliegen der Aussenpolitik der Schweiz und des Vatikans.

Deiss gab auch offiziell bekannt, dass der Bundesrat den Besuch des Papstes zum Anlass genommen hatte, die diplomatischen Beziehungen mit dem Vatikan anzupassen und den heutigen Botschafter der Schweiz beim Vatikan, Hansrudolf Hoffmann, zum ausserordentlichen und bevollmächtigten Botschafter zu ernennen.

In einem Land der Demokratie und der kulturellen Vielfalt wie der Schweiz sei es natürlich, dass Lehrmeinungen und Gebote des Papstes intensive Diskussionen auslösten, sagte Deiss im Hinblick auf die aktuelle Debatte in der Schweiz weiter.

Päpstlicher Segen

Der Papst sagte in seiner Begrüssungsansprache, die Schweiz sei ein schönes Land, in dem sich verschiedene Sprachen und Kulturen begegnen. Er entbot allen den guten Wunsch des Friedens mit dem Satz: "Gott segne die Schweiz".

Missachtetes Demonstrationsverbot

Rund 70 Personen hatten sich am Nachmittag auf dem Berner Breitenrainplatz trotz eines Demonstrationsverbotes des Berner Gemeinderates zu einer Kundgebung gegen den Papstbesuch versammelt.

Die Kundgebung des "Antipäpstlichen Bündnisses" (ApB) verlief während der ersten halben Stunde friedlich. Einige der weitgehend jungen Teilnehmer verteilten Kondome an die Bevölkerung.

Die Polizei war präsent, hielt sich abgesehen von zahlreichen Personenkontrollen zurück. Dann versuchten jedoch einige der Demonstranten, sich in einen der vier Sternmärsche einzuschleusen. Dies führte zur Festnahme von mindestens zwei Personen.

Dem ApB gehört unter anderem die Antifa Bern an, die bereits mehrfach mit unbewilligten Demonstrationen in Erscheinung getreten ist. Das ApB wirft der katholischen Kirche eine lange Tradition der Unterdrückung Andersdenkender vor.

Neue Impulse für Katholiken

Agnell Rickenmann, Generalsekretär der Schweizer Bischofs-Konferenz (SBK) gibt zu, dass ihm die Organisation des Riesen-Anlasses Kopfschmerzen bereitet habe. Die Arbeit habe sich aber gelohnt. "Wir sind sehr froh, dass er kommt", sagt er gegenüber swissinfo. "Ich denke, es wird dem Katholizismus in der Schweiz neue Impulse verleihen."

Rickenmann betont aber, dass der Anlass zu aller erst ein Treffen junger Menschen sei, der erste solche Anlass mit nationalen Dimensionen überhaupt. "Weil die Schweiz vier Sprachen hat, ist das aufwändiger zu organisieren."

Positive Grundstimmung

Rickenmann von der SBK gestand ein, dass, während sich die Bischöfe und die jugendliche Katholiken auf den Besuch freuten, nicht jedermann "dieselbe Beziehung zum Heiligen Vater" hat.

"Offensichtlich gibt es bei uns auch Priester, die vielleicht etwas kritischer sind", sagte er. "Aber ich denke trotzdem, dass die grunsätzliche Stimmung eine sehr positive ist."

Zur Messe unter freiem Himmel am Sonntag werden dann bis zu 100'000 Menschen erwartet.

swissinfo und Agenturen

Fakten

Der Papst ist am ersten Juni-Wochenende zu Besuch in der Schweiz.

Es ist sein dritter offizieller Besuch in der Schweiz.

Am katholischen Jugendtreffen haben mehr als 12'000 Menschen teilgenommen.

Zur Messe am Sonntag werden 50'000 - 100'000 Personen erwartet.

Infobox Ende


Links

Neuer Inhalt

Horizontal Line


Wahlen Schweiz 2019

Vier Personen an einem Gerät auf dem Fitness-Parcours im Wald

Schweizer Parlamentswahlen 2019: Sorge ums Klima stösst Grüne in die Favoritenrolle.
> Mehr erfahren.

Wahlen Schweiz 2019

subscription form Deutsch

Aufruf, den Newsletter von swissinfo.ch zu abonnieren

Melden Sie sich für unseren Newsletter an und Sie erhalten die Top-Geschichten von swissinfo.ch direkt in Ihre Mailbox.