Pflanzen haben laut einer neuen Berner Studie eine Back-up-Nase
Pflanzen haben eine zweite Nase: Forschende aus Bern zeigen, dass Pflanzen Duftstoffe nicht nur durch Poren, sondern auch direkt durch die Blattoberfläche aufnehmen.
(Keystone-SDA) Langfristig könnten die Erkenntnisse für die Landwirtschaft nützlich sein, wie die Universität Bern am Freitag mitteilte. Ein besseres Verständnis der Duftwahrnehmung könnte helfen, Kulturpflanzen umweltfreundlicher vor Schädlingen zu schützen.
Durch die «zweite Nase» können Pflanzen laut den Forschenden Warnsignale von befallenen Nachbarpflanzen auch dann wahrnehmen, wenn ihre Spaltöffnungen geschlossen sind, etwa nachts oder bei Trockenheit.
Selbst bei fast vollständig geschlossenen Spaltöffnungen nahm die untersuchte Pflanze rund 20 bis 30 Prozent der Duftstoffe auf. Bisher ging die Forschung davon aus, dass die Aufnahme fast ausschliesslich über die Spaltöffnungen geschieht.
Duft durch Wachsschicht aufgenommen
Für ihre Untersuchung nutzten die Forschenden die Sukkulente Kalanchoë laxiflora. Diese Pflanze öffnet die Spaltöffnungen an jungen Blättern tagsüber, an reiferen Blättern hingegen nachts. Diese Eigenschaft erlaubte es, die beiden Aufnahmewege gezielt zu untersuchen.
Die Studie zeigte, dass die zusätzliche Aufnahme über die Wachsschicht der Blattoberfläche, die sogenannte Cuticula, stattfindet. Wenn diese Schicht künstlich verdünnt wurde, nahm das Blatt deutlich mehr Duftstoffe auf.
Die Studie unter Berner Leitung wurde am Freitag im Fachmagazin «Current Biology» veröffentlicht.