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Bundespräsidentin Doris Leuthard in Portugal "Ich hoffe, die Portugiesen bleiben in der Schweiz"

Doris Leuthard (links) und Portugals Präsident Marcelo Rebelo de Sousa

Bundespräsidentin Doris Leuthard und Portugals Präsident Marcelo Rebelo de Sousa während des offiziellen Besuchs in Portugal am 28. November 2017.

(Keystone)

Mit 270'000 Mitgliedern ist die portugiesische Gemeinschaft eine der grössten in der Schweiz. Bundespräsidentin Doris Leuthard hat Portugal bei ihrem Besuch in Lissabon versichert, dass diese Menschen in der Schweiz einen wichtigen Beitrag an die hiesige Wirtschaft leisteten und sie "weiterhin willkommen in unserem Land sind".

Leuthard machte diese Bemerkungen in einem Interview mit swissinfo.ch am Rande ihres Besuchs in Lissabon Anfang dieser Woche. Es war der erste offizielle Besuch eines Schweizer Bundespräsidenten in Portugal seit 2003.

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swissinfo.ch: Der portugiesische Staatspräsident hat letztes Jahr die Schweiz besucht, nun sind Sie in Portugal. Welche Eindrücke haben Sie gewonnen?

Doris Leuthard: Das Land galt lange Zeit als eines der Sorgenkinder der Europäischen Union, wegen seinem schwachen Wachstum, der hohen Arbeitslosigkeit und einer anhaltend hohen Verschuldung.

Während der letzten zwei Jahre aber hat sich der Wind gedreht. Das Wirtschaftswachstum ist ausserordentlich hoch, und das Land hat viele positive Dinge für seine Zukunft in die Hand genommen. Dies führte zu einer Reduktion der Arbeitslosigkeit, und sogar die Schuldensituation verbessert sich. Wir sind sehr beeindruckt.

swissinfo.ch: In Ihrer Ansprache in der Residenz des portugiesischen Präsidenten sprachen Sie über eine mögliche Zusammenarbeit zwischen der Schweiz und Portugal in den Bereichen erneuerbare Energien und Wissenschaft?

D.L.: Wir arbeiten bereits in verschiedenen Bereichen zusammen. In der Wissenschaft konzentriert sich die Zusammenarbeit auf die Krebsforschung. Deshalb prüfen wir eine Verstärkung dieser Kooperation, und möglicherweise organisieren wir sogar eine Konferenz für portugiesische und Schweizer Forschende.

Im Energie-Sektor wurde die Zusammenarbeit der beiden Länder bereits durch einen Austausch zwischen einigen Bundesbehörden etabliert. Wir wollen diese Beziehung aber ausbauen. Es gibt viele Schweizer Investitionen in Portugal.

swissinfo.ch: Derzeit leben 270'000 Portugiesinnen und Portugiesen in der Schweiz. Wie wird diese Gemeinschaft wahrgenommen, wie wichtig ist sie für die Schweizer Wirtschaft?

D.L.: Wir haben tatsächlich eine sehr grosse portugiesische Gemeinschaft in der Schweiz. Sie sind sehr gut integriert und fügen sich gut in die schweizerische Gesellschaft ein. Ein Grund dafür ist vielleicht, dass wir viele gemeinsame Werte pflegen.

Wir sind sehr erfreut über den Beitrag, den diese Menschen in vielen Bereichen unserer Wirtschaft leisten, während sie gleichzeitig Geld an ihre Familien in Portugal schicken und sogar Immobilien in der Schweiz kaufen können.

Es ist eine symbiotische und recht positive Beziehung für die beiden Länder. Deshalb hoffen wir, dass die portugiesische Gemeinschaft in der Schweiz bleiben wird, oder dass zumindest nicht alle in ihre Heimat zurückkehren wollen.

swissinfo.ch: Auch wenn gewisse Hürden im Zusammenhang mit dem Entscheid, wieder Quoten für ausländische Arbeitnehmende einzuführen, überwunden sind, machen sich EU-Bürgerinnen und Bürger, die in der Schweiz arbeiten, Sorgen. Wie erklären Sie Ihren portugiesischen Amtskollegen diese Sache?

D.L.: Beim Mittagessen mit Premierminister António Costa habe ich den Punkt betont, dass die Schweiz ein Land ist, in dem 25% der Einwohnerinnen und Einwohner einen ausländischen Pass haben. Das ist ein recht hoher Anteil. In Portugal sind es lediglich 10%.

Doch wir leben in Zeiten der wirtschaftlichen Abkühlung, und nicht alle Ausländer sind so gut integriert wie die Portugiesen. Das kann zu Spannungen führen. Ich denke aber, wir haben gute Lösungen gefunden. Unsere Wirtschaft braucht qualifizierte Arbeitskräfte. Wir müssen offen sein.

Der Bundesrat (Landesregierung) unterstützt diese Bemühungen, und ich glaube, das Parlament macht das durch die angenommenen Massnahmen auch. Portugiesinnen und Portugiesen sind in unserem Land weiterhin willkommen.


(Übertragung aus dem Englischen: Christian Raaflaub)

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