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Prämienerhöhung moderater ausgefallen

Krankenkassen-Prämien für 2005 steigen um moderate 3,7%.

(Keystone Archive)

Die Prämien für die Kranken-Versicherung steigen für das Jahr 2005 durchschnittlich um 3,7%. Dies ist im Vergleich zu den vorangegangenen Jahren moderater.

Laut dem Bundesamt für Gesundheit ist dies unter anderem auf eine bessere finanzielle Situation der Krankenkassen zurückzuführen.

Die Krankenkassenprämien der obligatorischen Grundversicherung schlagen nächstes Jahr für Erwachsene ab 26 Jahren im Durchschnitt um 3,7% auf. Für Junge von 19 bis 25 Jahren beträgt der Neuanstieg 5,5%.

Zu diesem moderaten Anstieg beigetragen hätten die bessere finanzielle Situation der Krankenversicherer sowie vom Bundesrat getroffene Massnahmen bei den Franchisen und dem Selbstbehalt, gab das Bundesamt für Gesundheit (BAG) am Dienstag in Bern bekannt.

So war 2004 die ordentliche Franchise von 230 auf 300 erhöht worden. Und die Rabatte für die wählbaren Franchisen wurden gesenkt. Ausserdem wurde die Höchstgrenze des Selbstbehalts von 600 auf 700 Franken gesetzt.

In Prozenten bleibt der Selbstbehalt (der selbst bezahlte Anteil an den Krankheitskosten, der die Franchise übersteigt) vorläufig bei 10%. Eine Erhöhung auf 20% wird jedoch gegenwärtig im Parlament diskutiert.

Grosse Unterschiede zwischen den Kantonen

Kantonal werden die durchschnittlichen Erwachsenenprämien zwischen 2,3% im Kanton Zürich und 5,3% im Kanton St. Gallen erhöht. Innerhalb jeden Kantons und jeder Prämienregion könne es jedoch grosse Unterschiede zwischen der tiefsten und der höchsten Prämie geben.

Die Erhöhung im Kanton Zürich fällt mit 2,3% am tiefsten aus. In absoluten Zahlen entspricht dies neu einer monatlichen Prämienbelastung im Kanton Zürich für Erwachsene ab 26 Jahren von 292,57 Franken.

Genf liegt mit durchschnittlich 410,85 Franken am höchsten, Appenzell Innerrhoden mit 193,26 am tiefsten. Der Schweizer Durchschnitt beträgt neu 290,22 Franken.

Für das Jahr 2004 waren die Krankenkassenprämien durchschnittlich um 4,3% teurer geworden.

Junge Erwachsene zwischen 19 und 25 Jahren mit einer Grundfranchise von 300 Franken haben mit der stärksten Prämienerhöhung zu leben, nämlich mit 5,5%. Auch hier sind die kantonalen Unterschiede gross (+7,8% in Genf, +3,8% Zürich).

"Der Prämienzuwachs fiel jetzt moderater aus, weil der Anstieg 2003 und 2004 happig ausgefallen war", sagt Peter Marbert von Santésuisse gegenüber swissinfo. Ein weiterer Grund bestehe darin, dass die höheren Franchisen dazu führen, dass die Leute mehr zahlen, wenn sie krank sind, aber weniger für die Versicherung ausgeben.

Auch Gesundheitsminister Pascal Couchepin ist ähnlicher Meinung. In einem Interview mit "Dem Bund" meint er: "Wahrscheinlich hat die Erhöhung der Minimalfranchise (bezogen aufs Jahr 2004) auch einen gewissen Bremseffekt auf den Konsum."

Neues System mit Wahlfranchisen

Mit einem neuen System der wählbaren Franchise können die Versicherten ihre Prämien senken – und auch ihre gesamten Gesundheitskosten, falls sie möglichst nicht zum Arzt gehen. Weiss ein Versicherter, dass er viel zum Arzt gehen muss, macht eine hohe Franchise für ihn wenig Sinn.

Die Mindestfranchise beträgt 2005 wie bisher 300 Franken. Das ist der Betrag, den jeder Erwachsene jährlich von seinen Krankenkosten vorweg übernehmen muss.

Neu hat der Bundesrat für 2005 die Franchise wählbar auf 500, 1000, 1500 und 2500 Franken festgelegt. Bei Kindern liegen die Wahlfranchisen niedriger.

Info-Pflicht der Kassen bis Ende Oktober

Bis Ende Oktober müssen die Krankenkassen ihre Grundversicherten individuell über die ab 2005 für sie geltenden Prämien, die angebotenen Franchisen und die dabei gewährten Rabatte informieren.

Wer dann nichts unternimmt, erhält automatisch ab 2005 jene Wahlfranchise, die seiner bisherigen am nächsten liegt. Wer seine Wahlfranchise wechseln oder aufgeben möchte, muss dies bis Ende November seiner Kasse mitteilen.

Laut BAG haben zurzeit 47,9% der Erwachsenen eine höhere als die Grundfranchise. 16,3% haben eine solche von 1500 Franken.

Wechselt ein Versicherter nun von einer 400er auf eine 500er Franchise, spart er zwar bei der Prämie 80 Franken ein. Gleichzeitig wächst aber auch das Risiko, im Fall einer Krankheit bis zu 100 Franken zusätzlich selber bezahlen zu müssen.

Ohne Begeisterung hat die Schweizerische Patientenorganisation SPO den moderaten Prämienanstieg zur Kenntnis genommen. Die Verschiebung der Lasten von der Prämie auf einen höheren Selbstbehalt, wie vom Parlament vorgeschlagen, löse keine Probleme. Dies gelte insbesondere für Familien.

Prämienrabatte kontra Solidarität

Der schweizerische Krankenversicherungs-System lebt davon, dass junge und gesunde Versicherte mit geringem Krankheitsrisiko sich mit ihren Prämien solidarisch an den Kosten der älteren und kranken Versicherten beteiligen.

Damit diese Solidarität weiterhin zur Geltung kommt, hat der Bundesrat bei den Prämienrabatten, die die Kassen geben, ein Maximum festgelegt. Bisher wurde dieser Rabatt prozentual ausgerechnet. Künftig wird statt des Maximalrabatts eine Mindestprämie fixiert, die nicht unterschritten werden darf.

Versicherte können die Kasse wechseln

Die Versicherten können ihre Krankenkassen-Kosten senken, indem sie Franchise- und Prämienhöhe sowie Modell (Hausarztmodell, HMO) mit ihrem voraussehbaren Krankheitsverhalten optimieren. Doch: Je höher die Franchise, desto höher auch das Risiko, im Krankheitsfall viel mehr selber bezahlen zu müssen.

Passt den Versicherten das Angebot der eigenen Kasse nicht mehr, können sie ab 31. Oktober bis Ende November auf den 1. Januar ihren Vertrag bei einer anderen Kasse abschliessen.

Die Leistungen der obligatorischen Grundversicherung bleibt dabei bei allen Krankenkassen dieselben. Die Krankenkassen ihrerseits sind verpflichtet, jede Person - unabhängig von deren Gesundheitszustand - in die Grundversicherung aufnehmen.

Reaktionen der Parteien

"Für mehr als die Hälfte der Bevölkerung ist das Bezahlen der Krankenkassen-Prämien ein ernsthaftes Problem. Dieses erfordert jetzt endlich eine Lösung", verlangt Hans-Jürg Fehr, Präsident der Sozialdemokratischen Partei(SP).

Um die Familien wirksamer zu entlasten, fordert die SP ein mit der CVP gemeinsam ausgearbeitetes Modell, bei dem Kinder und Jugendliche bis zu einem gewissen Haushalteinkommen von den Prämien befreit werden.

Mittelfristig sei aber für die Grundversicherung eine Einheitskasse nötig, ähnlich wie bei der AHV, wobei die Finanzierung sozialer gestaltet werden soll.

Die Freisinnig-Demokratische Partei (FDP) führt die moderate Prämiensteigerung für 2005 auf erste Erfolge bei den Reformen im Gesundheitswesen zurück. "Echte Reformen" im Krankenversicherungs-Bereich müssten nun bei allen Beteiligten Anreize für ein kostenbewusstes Verhalten schaffen.

Dazu zählt die FDP unter anderem den Wegfall des Vertragszwangs zwischen Ärzten und Kassen und den Übergang zur monistischen Spitalfinanzierung.

Die Christlich-demokratische Volkspartei (CVP) beurteilt den Prämienanstieg weiterhin als zu hoch, auch im Vergleich zur Teuerung. Eine Kostendämpfung sei nicht festzustellen, sagte Parteisprecherin Beatrice Wertli.

Nötig seien nun Massnahmen gegen die Mengenausweitung und zwar über die Einführung der monistischen Spitalfinanzierung. Ebenso Anreize für ein kostenbewusstes Verhalten der Patientenschaft und Massnahmen im Medikamentenbereich.

swissinfo und Agenturen

In Kürze

Die Krankenkassen müssen ihre Versicherten bis Ende Oktober über die neuen Konditionen informieren.

Wollen die Versicherten daraufhin die Kasse wechseln, müssen sie dies bis Ende November tun.

Will man Prämiengeld sparen, kann man das nach Angaben des BAG mit einem Krankenkassen-Wechsel, mit einer höheren Franchise oder mit einem alternativen Kassen-Modell (Hausarzt, HMO) tun.

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Fakten

Durchschnittliche Erhöhung der Prämien:
2005: 3,7%
2004: 4,3%
2003: 9,6%

52% der Schweizer bekunden laut dem Gesundheitsmonitor "Interpharma" Mühe, ihre Prämienrechnungen zu bezahlen.

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