Sänger Baschi: «Es gibt Wichtigeres in meinem Leben als die Musik»
In wenigen Tagen erscheint Baschis zehntes Album "Bürgin". Fünf Fragen an den Mundartmusiker, der sich in einer Umbruchphase seines Lebens befindet.
(Keystone-SDA) Keystone-SDA: Baschi, auf Deinem kommenden Album geht es einerseits um die erste Liebe, andererseits um neues Glück im Leben. Es geht um Veränderungen. Welche beschäftigt Dich zurzeit?
Baschi: Der grösste Umbruch stellt die Geburt meines Sohnes Lennon dar. Das ist absolut lebensverändernd. In den letzten 20 Jahren, in denen ich Musik gemacht habe, befand ich mich schon auch ein bisschen im Rausch. Lennon hat mir einen schönen «Dämpfer» zum Durchschnaufen gegeben. Er hat meinen Fokus verändert. Halte ich mein neues Album in den Händen, dann ist das schön. Wenn ich aber mein Baby sehe, ist dieses Glück unbeschreiblich. Heute gibt es Wichtigeres in meinem Leben als die Musik.
Dass es in eine privatere Richtung geht, lässt auch der Albumtitel vermuten. Während Deine erste Platte aus dem Jahr 2004 «Baschi» hiess, trägt das neue Album Deinen bürgerlichen Nachnamen «Bürgin». Wenn Du die beiden vergleichst, was ist heute sonst noch anders als damals?
Es war eine ganz andere Erfahrung, das erste Album zu machen. Ich hatte bis anhin nie eigene Musik geschrieben. Mein damaliger Produzent Roman Camenzind und ich wussten, dass das Label auf ein Album wartete und wir liefern mussten. Wir standen beide unter Stress. Heute ist viel weniger Druck da.
Du hast auch bei der Musikvermarktung einen Umbruch miterlebt, jenen vom Fernsehen zu den sozialen Medien. Wo fühlst Du Dich wohler?
Vorweg muss ich sagen: Am wohlsten fühle ich mich auf der Bühne – auch wenn ich nach wie vor jedes Mal Angst habe vor dem Auftritt. Diese Emotionen findet man nirgendwo sonst. Meine Laufbahn habe ich aber im Fernsehen gestartet, und da bin ich noch mehr der Typ für, als für Social Media. Denn ich habe es nicht im Griff, meine Leute auf Instagram mit der nötigen Regelmässigkeit mitzunehmen. Aber der Musikmarkt geht ja noch weiter, mittlerweile schleicht sich KI-Generiertes ins Radio. Innert Sekunden kann KI einen Song auf Mundart erstellen. Ich hoffe, dass diese Entwicklung mal ins Stocken gerät. Oder dass das Publikum davon absieht und Alben kauft, Konzerte besucht, und somit Schweizer Musikschaffende unterstützt. Ich habe ja selber auch keinen CD-Player mehr, aber das Album macht sich auch auf dem Kamin gut!
Mit dem Song «Polo» würdigst du auf dem neuen Album bisherige Wegbereiter der Schweizer Musik. Schlägt dein Herz auch abseits der Bühne und des Studios für die Mundart?
Privat höre ich eigentlich querbeet Musik. Aber es ist schon so, dass ich mich freue, wenn neue Mundartmusik, etwa von Patent Ochsner oder Stephan Eicher, erscheint. Es interessiert mich, was andere mit der Sprache machen. Ausserdem ist mein Englisch noch dasselbe wie in der sechsten Klasse. Dass ich da in der Schule nicht begriffen habe, wie wichtig das einmal sein wird, nervt mich schon ein bisschen. Weil ich die Mundart verstehe, höre ich sie wohl auch gern.
Auf der Platte «Bürgin» befinden sich zwei Features: die Ballade «Bi dir» mit Stefanie Heinzmann und der Sommersong «Vino Rosso» mit Valentino Vivace, der bereits als Singleauskopplung erschienen ist. Wolltest du immer schon mit ihnen arbeiten?
Das hat sich organisch so ergeben. Ich bin ja nicht unbedingt bekannt für Features, die Ballade «Bi dir» stand aber im Raum und ich mochte die Idee, diese mit einer Frau zu singen. Und Stefanie Heinzmann und ich kennen uns schon lange. Ich bin gespannt, wie der Song vom Publikum aufgenommen wird. Er mag für den einen oder anderen etwas kitschig sein, Stefanie und ich mögen ihn aber sehr! Bei Valentino Vivace wusste ich, dass er sich eher als Indie-Musiker versteht und alternativer ist als ich. Die Abmachung war deshalb, dass er auch viel mitgestalten und, wenn nötig, wieder aussteigen kann, sollte es für ihn nicht passen. Ich bin ja unkompliziert und entspannt, und wusste deshalb, auch Valentino würde das im Studio schnell merken. Genau so ist es dann auch gekommen.