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Schöne Schweiz – aber wie stehts mit der Biodiversität?

Immer mehr Menschen vs. die Natur: Dieser Clash ist in den Schweizer Alpen besonders augenfällig. Sie sind zwar schön, aber als Lebensraum sehr verletzlich. Die Kollision der Interessen bestimmt zunehmend die politische Agenda.

Dieser Inhalt wurde am 21. Januar 2022 - 09:00 publiziert
Luigi Olivadoti (Illustration)

In der Schweiz gibt es 230 verschiedene Arten von Lebensräumen. Dazu zählen etwa Moore, Ackerland und Süsswasser-Ökosysteme. Fast die Hälfte der Habitat-Typen ist bedroht.

Die Landschaft der Schweiz ist zwar weltbekannt, doch ihre Biodiversität ist zunehmend unter Druck. Genauer: Ein Drittel aller 45'000 Tier- und Pflanzenarten, die in der Schweiz vorkommen, könnten verschwinden.

Was weiter ins Gewicht fällt, ist der Verlust der genetischen Vielfalt. Pflanzen und Tiere brauchen diese Diversität, um Krankheiten widerstehen und sich an den Klimawandel anpassen zu können.

Die Schweiz und ihre Alpen werden immer wärmer. In den Höhenlagen stört der Temperaturanstieg das Gleichgewicht von Flora und Fauna.

Pflanzen, die früher in bestimmten Höhenlagen nicht überleben konnten, dringen in höhere Lagen vor und konkurrieren mit der Alpenflora um Platz und Nährstoffe. Dies wirkt sich wiederum auf die Arten aus, die auf diese Pflanzen als Nahrung und Schutz angewiesen sind.

Die Biodiversität sei unerlässlich, erklärt das Bundesamt für Umwelt in einer StudieExterner Link. Dies, weil sie "Nahrung produziert, das Klima reguliert, die Qualität von Luft und Wasser bewahrt, an der Bodenbildung beteiligt ist und dem Menschen einen Ort der Erholung und eine Quelle der Inspiration bietet." Biodiversität ist also die Grundlage des Lebens.

Ironischerweise kann der agrotechnische Fortschritt zur Ernährung der Menschen Teil des Problems sein, denn Monokulturen, Herbizide und Pestizide gehen zu Lasten des Artenreichtums. Zur Einordnung: Die 50'000 meist kleineren Bauernbetriebe in der Schweiz decken etwas mehr als die Hälfte des nationalen Bedarfs an Nahrungsmitteln, wenn man importierte Futtermittel berücksichtigt.

Gleichzeitig wollen viele Bergbauern, die Schafe halten, Raubtiere wie den Wolf und Luchs aus ihrer Region weghaben. Die zwei Arten waren bereits im 19. und frühen 20. Jahrhundert in der Schweiz ausgerottet.

Die Bemühungen der Regierung und von Natur- und Umweltorganisationen, den Luchs wieder anzusiedeln, waren erfolgreich. Heute leben hierzulande wieder geschätzte 250 Exemplare der grössten Raubkatze Europas.

Der Wolf, aktuell dürfte es in der Schweiz rund 150 Tiere geben, ist aus umliegenden Ländern wieder eingewandert.

Die Menschen in der Schweiz setzen sich regelmässig für den Schutz der Biodiversität ein. Zuletzt erzwangen Umweltgruppen eine Volksabstimmung gegen ein neues Jagdgesetz. Das Volk sagte Nein zum erleichterten Abschuss von Wölfen und anderen geschützte Arten.

In der Pipeline der Volksabstimmungen stehen mehrere Initiativen zum Thema bereit. Neu in die Verfassung kommen sollen einerseits der Schutz der Biodiversität, andererseits der Stopp der weiteren Ausbreitung von Siedlungsgebieten.

"Vielfältige Landschaften, lebendige Bäche, fruchtbare Böden und eine reiche Architektur: Vieles von dem, wofür die Schweiz steht, ist massiv unter Druck geraten. Politiker und Behörden machen aber sehr wenig, um diesen Reichtum und unsere Lebensgrundlage für die Zukunft zu sichern." Das sagten Aktivistinnen und Aktivisten der Organisationen Pro Natura, BirdLife Schweiz und der Stiftung für Landschaftsschutz, als sie im September 2020 bei der Bundeskanzlei in Bern die Unterschriften für die Biodiversitäts-Initiative einreichten.

Aber die Gleichung "je mehr, desto besser" ist in Bezug auf die Biodiversität falsch. Invasive Arten – also Tiere und Pflanzen, die nicht in der Region heimisch sind – stellen eine Bedrohung für die lokale Flora und Fauna dar, nehmen sie diesen doch Lebensraum und Nahrung weg.

In Übereinstimmung mit den JTI-Standards

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