Dienstag
Liebe Schweizerinnen und Schweizer im Ausland
Geld regiert die Welt. Seien es Steuergelder, Pensionskassengelder, Investitionsgelder im Ausland oder mutmassliche Schmiergelder. Um diese vier Geld-Aspekte dreht sich unser heutiges Briefing.
Ich wünsche Ihnen eine gute Lektüre und grüsse Sie herzlich aus Zürich.
Verschwendet der Bund Steuergelder? Die oberen Einkommen in der Bundesverwaltung hätten sich von den mittleren Löhnen entfernt, sagt der Kassenwart des Bundes. «Eine Fehlentwicklung», wie er in einem Interview der Tamedia-Gruppe zitiert wird.
Wer hat, dem wird gegeben. Kaderlöhne in der Verwaltung sollten laut Serge Gaillard, Direktor der Eidgenössischen Finanzverwaltung, künftig nicht stärker steigen als durchschnittliche Löhne. Diese Entwicklung habe «dazu geführt, dass Eliten und Kader von der Bevölkerung weniger akzeptiert werden». Deshalb begrüsst er Bestrebungen der Landesregierung, die Löhne bei Staatsbetrieben auf unter eine Million Franken pro Jahr zu bringen.
Grosse Sparpakete verpufften. Gaillard weist im Interview zudem darauf hin, dass der Bund trotz milliardenschweren Sparpaketen in den letzten drei Jahren nicht wirklich gespart hat. Trotzdem seien diese Pakete nötig gewesen, weil die Ausgaben sonst noch stärker gewachsen wären.
- Das ganze Interview mit Serge Gaillard heute in Tages-AnzeigerExterner Link und Basler ZeitungExterner Link (Paywalls)
- Wie viel die Chefs von Bundesbetrieben verdienen, zeigte kürzlich die HandelszeitungExterner Link anschaulich in einer Grafik
Mehr
Wir bleiben gleich noch beim Geld. Weil Schweizer Pensionskassen in teure Immobilien investieren, verunmöglichen sie vielen jungen Menschen, sich eine eigene Wohnung leisten zu können.
Altersrenten machen Wohnraum unerschwinglich. Pensionskassen müssen ihr Geld sicher anlegen. Dafür investieren sie mit Vorliebe in den Immobilienmarkt. Besonders in unruhigen Zeiten gelten Immobilien und Immobilien-Wertpapiere als sichere und lukrative Anlage. Damit Immobilien rentieren, wird teuer gebaut. Bestehende Immobilien werden luxussaniert – so können höhere Renditen erzielt werden.
Verkürzt lässt sich sagen: Mit dem Geld für die Altersrenten wird der Wohnraum für die Jungen verteuert. Umgekehrt lässt sich sagen: Wenn Pensionskassen in überteuerte Immobilien investieren, die sich junge Mieterinnen und Mieter gar nicht leisten können, setzen sie die Renten für die (zukünftigen) Alten aufs Spiel.
Eine Initiative will diese Entwicklung nun bremsen. Das Phänomen scheint nicht nur in der Schweizer Bevölkerung für Bauchschmerzen zu sorgen. Auch in unseren Nachbarländern Deutschland und Österreich wurden zum Thema Volksbegehren lanciert oder sind in Planung.
- War das jetzt etwas zu stark verkürzt? Lesen Sie den umfassenden Artikel meiner Kollegin Sibilla Bondolfi
- Diesen Sommer haben wir übrigens den Schweizerinnen und Schweizern in ihre Wohnungen und Häuser schauen dürfen. Mehr dazu in unserer Serie «Wohnen in der Schweiz»
Und Geld zum Dritten: Wussten Sie das? Die Schweiz ist führende Investorin in Thüringen! Der Wirtschaftsstandort scheint es Schweizer Unternehmen angetan zu haben. Sie führen dort die Liste ausländischer Unternehmen an.
Gute Lage: Laut einem Sprecher der Thüringer Wirtschaftsförderung schätzen die Schweizer Unternehmen die zentrale Lage in Deutschland und die gute Forschungs- und Verkehrsinfrastruktur des deutschen Bundeslands. Strassen, Bahnverbindungen und Flughäfen in Thüringen wurden nach der Wende auf den modernsten Stand gebracht.
Eine Hürde bleibt die Bürokratie. Schweizer Unternehmer zeigen sich zwar glücklich über die Standortwahl. Allerdings scheint ihnen der deutsche Amtsschimmel manchmal nur im Schritttempo zu laufen, wie ein Beispiel in unserem Artikel dazu zeigt.
- Die Freuden und Leiden von Schweizer Investoren in Ostdeutschland im Artikel unserer Berlin-Korrespondentin Petra Krimphove auf SWI swissinfo.ch
- Deutschland ist natürlich nicht das einzige Land, in dem Schweizer Firmen gross investieren. Unter anderen ist China bei Investoren sehr beliebt, wie der Artikel meines Kollegen Patrick Böhler zeigt
Nun noch zum Thema Sport, obwohl es eigentlich auch hier um Geld geht – sogar um viel Geld… Nun kommt der Ball doch noch ins Rollen. Die Bundesanwaltschaft erhebt Anklage gegen drei Deutsche und einen Schweizer, im Zusammenhang mit der Fussball-WM 2006 in Deutschland.
Das getrübte Sommermärchen. «Die Welt zu Gast bei Freunden», das war das Motto der WM 2006 in unserem Nachbarland. Die Stimmung in den Stadien und Public-Viewing-Zonen hätte nicht besser und friedlicher sein können. Doch neben dem Platz wurde anscheinend arg gemauschelt.
Es geht um 10 Millionen Franken. Die ehemaligen Fussball-Funktionäre werden beschuldigt, ein Aufsichtsorgan des Organisationskomitees für die Fussball-WM 2006 arglistig über den eigentlichen Zweck dieser Zahlungen getäuscht zu haben.
Kaiser Franz in Zentrum. Der damalige Cheforganisator Franz Beckenbauer hatte ein Darlehen in dieser Höhe aufgenommen und damit verschiedene Zahlungen an ein Unternehmen in Katar finanziert. Der Besitzer der Firma war damals ein hochrangiges Mitglied des Weltfussball-Verbands Fifa. Der Zweck dieser Zahlungen konnte laut Bundesanwaltschaft «nicht abschliessend geklärt werden». Bleiben Sie am Ball…
- Die Mitteilung der Schweizer BundesanwaltschaftExterner Link
- Mehr dazu im Artikel auf Watson.chExterner Link
- Zur Rolle von Franz Beckenbauer und der Bundesanwaltschaft in dieser Affäre publizierte die Süddeutsche Zeitung kürzlich einen KommentarExterner Link
Sind Sie ausgewandert, um sich für eine soziale Sache zu engagieren? Einige Schweizerinnen und Schweizer haben ihr Herkunftsland wegen der Arbeit verlassen, andere wollen ein soziales Projekt entwickeln.
«Alles war traurig.» Diesen Eindruck hatte Franziska Simo-Gilgen, als sie zum ersten Mal das Waisenhaus in der rumänischen Stadt Miercurea Ciuc besuchte. Vor mehr als zwanzig Jahren kam die Bernerin hierher, um als Freiwillige zu arbeiten.
Sie kümmert sich um HIV-positive Kinder. Simo-Gilgen hat Bulgarien nie wieder verlassen. Mit ihrem Mann Jozsef gründete sie dort eine Familie (siehe Bild). Zusätzlich zu ihren drei Kindern nimmt sie weiterhin HIV-positive Kinder auf.
Dass sie an einer Art Helfersyndrom leidet, bestreitet Simo-Gilgen. «Ich opfere mich nicht auf und ich fühle keinen inneren Zwang, diese Arbeit zu verrichten», sagt die 47-jährige Schweizerin. In der Schweiz – so sagt sie – wäre ihr der Alltag zu langweilig.
- Unser Artikel über Franziska Simo-Gilgen
- Sind Sie ausgewandert, um sich sozial zu engagieren? Diskutieren Sie mit!
Mehr
In Übereinstimmung mit den JTI-Standards