Freitag
Liebe Schweizerinnen und Schweizer im Ausland
Heute Freitag beginnt der 97. Auslandschweizer-Kongress in Montreux! Wir sind natürlich mit dabei und berichten Ihnen, was abgeht. Darüber hinaus erzähle ich Ihnen, warum in der Schweiz eine Fünfjährige wegen Schwarzfahrens gebüsst wurde und weshalb das Ja des obersten Schweizer Protestanten zur Ehe auch für gleichgeschlechtliche Paare so bedeutungsvoll ist.
Liebe Grüsse aus Bern
Die protestantische Kirche ist sich intern uneins über die Frage der Ehe auch für gleichgeschlechtliche Paare. In einem Interview mit dem Tages-Anzeiger sagt der oberste Protestant, Gottfried Locher (links im Bild), jetzt dezidiert Ja.
Die Kommission für Rechtsfragen des Nationalrats hat im März einen Vorentwurf zur Ehe für alle in die Vernehmlassung geschickt. Der Schweizerische Evangelische Kirchenbund und seine 26 Mitgliedkirchen sind allerdings derart uneins über die Frage, dass er eine Fristverlängerung für die Vernehmlassungsantwort beantragen musste.
Gottfried Locher, Präsident des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbunds, hat in einem Interview seine persönliche Meinung dargelegt. Laut Locher entspricht auch Homosexualität Gottes Schöpfungswillen. Wenn der Staat sich zur gleichgeschlechtlichen Ehe hin öffne, sehe er keinen Grund, warum die protestantische Kirche ihm nicht folgen sollte. Locher will mit dieser persönlichen Meinung aber nicht dem Entscheid des Kirchenbundes vorgreifen.
Viele Schweizer Zeitungen und Medien nahmen die Aussage von Locher auf. Dass ein Kirchenvertreter derart klar Position für die Ehe für alle bezieht, ist auch in der Schweiz noch bemerkenswert. Homophobie ist in der Schweiz vor allem in konservativen ländlichen Gegenden, der Westschweiz und in religiösen, freikirchlichen oder rechtskonservativen Kreisen noch immer verbreitet.
- HierExterner Link finden Sie das ganze Interview (Tages-Anzeiger/Paywall).
- Hier der Beitrag von SRFExterner Link mit einem Video darüber, wie die «Ehe für alle» die reformierte Kirche spaltet.
- Der katholische Ethik-Professor Alberto Bondolfi – übrigens mein Vater – erläuterte kürzlich die Position der katholischen KircheExterner Link zur Frage der Ehe für alle (Tages-Anzeiger/Paywall).
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Kinder im Alter bis sechs Jahre fahren in der Schweiz eigentlich gratis Bus, Tram und Zug. Trotzdem wurde in Schaffhausen eine Fünfjährige wegen Schwarzfahrens gebüsst. Kein Einzelfall.
100 Franken Busse wurden den Eltern eines Mädchens aufgebrummt, das ohne Billett Bus fuhr. Die Eltern dachten, unter sechs Jahren seien öffentliche Verkehrsmittel gratis. Was stimmt. Aber nur, wenn die Kinder in Begleitung einer erwachsenen Person reisen.
In diesem Fall war das Mädchen mit der zehnjährigen Schwester unterwegs. Deshalb verhängten die Kontrolleure eine Busse. Und forderten das Mädchen gar auf, den Beleg zu unterschreiben. Die Fünfjährige kritzelte ihren Namen auf das Papier.
In der Schweiz ist das kein Einzelfall. Die Tariforganisation CH-Direct legt fest, dass Geschwister erst ab 12 Jahren als Begleitperson gelten. Verboten ist es zwar nicht, ohne erwachsene Begleitung Bus oder Tram zu fahren, aber dann brauchen Kinder auch unter sechs Jahren ein Ticket. Die Überlegung laut CH-Direct: Mit dem Kauf des Billetts gäben Eltern ihr Einverständnis, dass das Kind unterwegs sein dürfe.
- Hier Externer Linkfinden Sie den Beitrag von SRF, der den Vorfall publik machte.
- Dass bereits dreijährige «Schwarzfahrer» in einer Datenbank registriert werden, erfahren Sie hierExterner Link (Tages-Anzeiger/Paywall).
Mehr als 400 Mitglieder der «Fünften Schweiz» treffen sich jedes Jahr während drei Tagen in der Schweiz am Auslandschweizer-Kongress. Dieses Jahr findet das Treffen in Montreux statt. Besonders besorgt sind die Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer über die Beziehungen der Schweiz zur EU.
Die Delegierten des Auslandschweizerrats, des «Parlaments der 5. Schweiz», haben fast einstimmig einen Beschluss verabschiedet, in dem sie den Bundesrat auffordern, sie bei den laufenden Diskussionen zwischen Bern und Brüssel über das institutionelle Rahmenabkommen nicht zu vergessen.
Die Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer verlangen vom Parlament, diese Vereinbarung so schnell wie möglich der Landesregierung (Bundesrat) vorzulegen, um den bilateralen Weg zu erhalten. Dieser habe sich schliesslich bewährt.
Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer wollen sich in Europa weiterhin frei niederlassen und arbeiten können. Die ASO hat sich deshalb stets nachdrücklich für die PersonenfreizügigkeitExterner Link eingesetzt. Von den über 760’000 Schweizerinnen und Schweizern, die Ende 2018 ihren Wohnsitz im Ausland hatten, lebten mehr als 60% (458’000) in einem europäischen Land.
- Den kompletten Bericht finden Sie hier.
- Lesen Sie hier, welche Parlamentarier und Parlamentarierinnen sich hinter die Interessen der ASO stellen und welche nicht.
- SVP-Nationalrat Claudio Zanetti, der im ASO-Rat sitzt, sagt im Interview, der ASO-Präsident verfolge eine «sozialistische Agenda».
- Hier finden Sie ein Interview mit ASO-Präsident Remo Gysin über E-Voting.
«Ich bin hier kein Wessi, sondern Ausländer.» Das sagt der Schweizer Intendant der Dresdner Semperoper, Peter Theiler, und betrachtet es als Vorteil. Wie fühlen Sie sich in der «fremden Heimat»?
Dass die als elitär wahrgenommene Semperoper nahbarer werden muss, ist für Peter Theiler wichtig. Dieser Herausforderung stellen sich weltweit viele ähnliche Institutionen. Er zieht jedoch klare Grenzen zu fremdenfeindlichen Äusserungen, die regelmässig vor seinem Haus kundgetan werden. Dagegen setzt er auch ganz konkrete Zeichen.
Ansonsten sieht Theiler in der Art der Schweizer und in derjenigen der Ostdeutschen gewisse Parallelen. Solche Gemeinsamkeiten treffen wohl auf mehr Kulturen zu, als es auf Anhieb scheint. Dies zu erkennen hilft im Zusammenleben.
- Das ganze Porträt von Peter Theiler finden sie in unserem Bericht aus Dresden
- Wie fühlen Sie sich «im Ausland»? Sehen Sie sich eher als «Ausländer»?
«SWI plus» feiert! Sie lesen heute unser erstes offizielles Briefing. Wir freuen uns sehr, Ihnen das neueste SWI swissinfo.ch-Kind vorstellen zu können. Die App «SWI plus» gibt täglich einen schnellen und kompakten Überblick aus der Schweizer Medien- und Themenlandschaft.
Dabei haben unsere Journalistinnen und Journalisten Sie, liebe Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer, im Fokus: Was interessiert Sie? Was ist für Sie von Belang?
Wir sind das erste Schweizer Medium, das diesen Service bietet. Die Auslandschweizergemeinde kann sich so vernetzen sowie einen aktiven Dialog untereinander und mit unserer Redaktion führen. Die Community ist ein tragendes Element und beantwortet auch Fragen. Wir sehen uns dabei nicht nur als Ermöglicher, sondern interagieren gerne mit.
Mit Ihnen wollen wir diesen Tag feiern! Als Dankeschön verlosen wir unter allen neuregistrierten Nutzerinnen und Nutzern – egal ob auf der Website von swissinfo.ch oder in der neuen «SWI plus»-App – ein iPhone XR. (Teilnahmebedingungen)
Was tun? Die App herunterladen, registrieren und mit ein wenig Glück gehört Ihnen bald ein neues iPhone! Falls Sie sich bereits registriert haben und dies auf der App lesen, sind Sie schon mit im Rennen.
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Und noch zur Erinnerung: Am 20. Oktober wählen die Schweizer Stimmbürgerinnen und Stimmbürger ihr neues Parlament. Ihre Stimme ist schon hart umkämpft.
Dabei geht es um die 200 Volksvertreterinnen und -vertreter im Nationalrat und die 46 Mitglieder des Ständerats (Genau genommen sind es deren 45: Der Kanton Appenzell Innerrhoden wählte seinen Standesvertreter bereits an der Landsgemeinde vom 28. April 2019).
Favoriten sind die Grünen, die Sozialdemokraten und die Grünliberalen – sie waren die Gewinner der letzten kantonalen Wahlen. Die Schweizerische Volkspartei dagegen, landesweit die stärkste Partei, musste auf Kantonsebene stark Federn lassen.
- Wir erklären in einem kurzen Video wie die Parlamentswahlen ablaufen
- Hier zeigen wir Ihnen die Wahlergebnisse seit 1971 auf einen Blick
- Was sind die fünf wichtigsten Probleme der Schweiz? Diese Frage wird jedes Jahr rund tausend Stimmberechtigten gestellt. Hier sind die Ergebnisse.
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