Heute in der Schweiz
Liebe Schweizerinnen und Schweizer im Ausland
Kein Plan, Fehleinschätzungen, Korruption: Das sind laut dem Schweizer Afghanistan-Kenner die Gründe für das Desaster der USA und Allierten am Hindukusch.
Herzliche Grüsse aus Bern
Die USA hatten keinen Plan und die Lage falsch eingeschätzt. Das sagt Pierre Centlivres, ausgewiesener Afghanistan-Kenner, zum Sieg der Gotteskrieger.
In Kabul herrschen wieder die Taliban. Sie hatten nur wenige Tage gebraucht, um die von den USA gestützte Regierung und Armee des Landes wegzufegen.
Für Regierungsbeamte, Armeeangehörige, lokale Mitarbeitende der westlichen Organisationen und natürlich die Frauen muss künftig das Schlimmste befürchtet werden. Und Europa droht eine Flüchtlingskrise.
Aber wie konnte es soweit kommen – nach zwei Dekaden westlichem «Aufbau» für Hunderte von Milliarden Dollar?Pierre Centlivres, Ethnologe an der Universität Neuenburg und jahrzehntelanger Kenner des Landes, spricht im swissinfo.ch-Interview Klartext.
Schlüsselfaktoren waren laut dem Experten auch die epidemische Korruption sowie die Streitigkeiten zwischen Zentralregierung und Lokalfürsten.
- Pierre Centlivres: «Pakistan hat den Schlüssel zur Lage in Afghanistan» – das Interview führte mein Kollege Frédéric Burnand.
- «Sind Sie für die Todesstrafe, Frau Bircher?»Externer Link – Debatte von Blick TV über die Haltung der Schweiz angesichts einer möglichen Flüchtlingskrise.
- «Ein Debakel für die Regierung von Joe Biden» – Interview mit USA-Korrespondentin der SRG, zu der auch wir gehören.
Digitale Plattformen ermöglichten die Ausweitung der demokratischen Debatten auf mehr Menschen, zeigt eine Studie.
Nein, die Schweizer Demokratie ist punkto Digitalisierung alles andere als eine Leuchte. Ihr genügen die vorhandenen – und alles überstrahlenden – analogen Tools Volksinitiative und Referendum.
Nur: diese sprechen nur einen Teil der Bürger:innen an. Vor allem Junge, die auf ausschliesslich auf sozialen Medien kommunizieren und sich informieren, sowie Menschen mit weniger Bildung werden nicht so warm mit diesen Instrumenten.
Digitale Plattformen böten mehr Menschen die Chance, sich ohne grossen Aufwand mit der eigenen Stimme einbringen zu können, sagte Stefanie Bosshard vom Dachverband der Schweizer Jugendparlamente bei der Vorstellung der Studie.
Als Journalist, der seit sieben Jahren über Demokratie schreibt, kann ich da nur sagen: Grösstmögliche Inklusion bei niederschwelligen Beteiligungshürden – das ist für mich echte Bürger:innen-Demokratie.
- Digitalisierung birgt Chancen und Risiken für die DemokratieExterner Link – Bericht zur Studie von SRF News.
- Die Schweiz – Entwicklungsland in digitaler Demokratie – heute noch gültiger Artikel unserer Technologie-Spezialistin von 2017.
- Es geht auch ganz anders – ganz inklusiv, wie mir Taiwans Digitalministerin Audrey Tang 2019 erklärte: Schauplatz Taiwan: Was die Schweiz und die Insel voneinander lernen können.
Der Kauf des F35 als neuer Kampfjet der Schweizer Luftwaffe hat Kopfschütteln ausgelöst. Dieses wird mit einer neuen Enthüllung nicht kleiner.
Whaaaat? Ausgerechnet der F35, dieser «Ferrari der Lüfte», war der billigste Jäger? Haben Sie schon mal einen echten Ferrari gesehen, den Sie zum Preis eines Volkswagen Passat hätten kaufen können?
Hat die Schweizer Regierung mit dem Kauf des F35 den Deal des Jahrhunderts abgeschlossen? Wir werden es in den nächsten Jahren erfahren.
Heute wurde bekannt, dass der Bundesrat den Kaufentscheid mit einer neuen Methode gefällt hat. Und diese sorgt bei Expert:innen des Beschaffungswesens für heftiges Kopfschütteln. Ja, sie warnen gar vor «Verzerreffekten«. Ich kann das Kind hier beim Namen nennen: Verfälschung.
- Juristisch «heikle» Bewertungsmethode beim Kampfjet-KaufExterner Link – Beitrag von SRF News zur Bewertungsmethode des Bundesrats.
- F-35: Grosse Fragezeichen hinter dem «Ferrari der Lüfte» – kritischer Bericht von unserem Mitarbeiter in Kanada vom April dieses Jahres.
- Die direkte Demokratie fliegt in jedem Schweizer Kampfjet mit.
Mehr
Unser Nachbar Frankreich hat einen echten Präsidenten. Doch vielen der 67 Millionen Französ:innen bleibt Emmanuel Macron auch nach mehr als vier Jahren Amtszeit nicht fassbar.
Nun ist es ausgerechnet ein Schweizer, der Politologe und Historiker Joseph de Weck, der sich in einem Buch aufgemacht hat, die politische Persönlichkeit EM aufzuschlüsseln.
Progressiv auf der einen Seite – etwa mit der Einführung von Gratis-Hygieneartikel für Frauen in Schulen und Gefängnissen –, traditionell auf der anderen Seite, etwa mit einem aggressiven Säkularismus, beschreibt der in Paris lebende Autor Macron.
Mit dem «grand débat national» – einer Reihe von Dialogen Auge in Auge mit Bürger:innen – als Reaktion auf die Steuerrevolte der Gelbwesten habe Macron aber auch für einen «magischen Moment» seiner Präsidentschaft gesorgt, so de Weck
- Hier das ganze Interview, das mein Kollege Samuel Jaberg mit dem Autor geführt hat: «Die Franzosen wissen nicht, was Macron wirklich denkt».
- Frankreich probt ein Stück namens direkte Demokratie – Bericht I von unserem Frankreich-Korrespondenten von 2019.
- Die «Grosse Debatte» von Monsieur Le Président und ihre Grenzen – hier Bericht II von Mathieu aus Paris.
In Übereinstimmung mit den JTI-Standards