Heute in der Schweiz
Liebe Schweizerinnen und Schweizer im Ausland
Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer in Mexiko erleben gegenwärtig angespannte Tage. Nach dem Tod eines Drogenbosses bei einem Militäreinsatz kam es überall im Land zu schweren Unruhen und Gewalt.
Und heute jährt sich der Angriff Russlands auf die Ukraine zum vierten Mal. Was hat die Schweiz an Hilfe geleistet? Ist die Integration der Geflüchteten gelungen? Die Schweizer Medien ziehen Bilanz.
Herzliche Grüsse aus Bern
Am Sonntag spürte das mexikanische Militär den meistgesuchten Drogenboss Nemesio Oseguera Cervantes, genannt «El Mencho», auf und verletzte ihn dabei tödlich. Seither herrscht Chaos in Mexiko. Für die Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer in der Stadt Guadalajara bedeutete dies Stunden der Angst zwischen brennenden Barrikaden und Falschinformationen.
Nach der Tötung von «El Mencho» wurde Guadalajara im mexikanischen Bundesstaat Jalisco zur Kriegszone. Die Auslandschweizerin Zarina García-Camou sah, wie sich die Strassen leerten und die Lage gefährlich wurde. Brennende Blockaden legten das Leben für über einen Tag lahm.
Belastend wirkte die Desinformation im Netz: Raymond Domon berichtet von KI-Fake-Videos, die brennende Flugzeuge am Flughafen zeigten. Diese digitale Gewalt verstärkte die Panik und erschwerte die Einordnung der realen Gefahr, sagt er gegenüber unserer freien Mitarbeiterin Flurina Dünki.
Selbst erfahrene Expats wie Valentina Krucker stiessen an Grenzen: «Es gibt Dinge, an die gewöhnt man sich einfach nicht», sagt sie, nachdem sie sich mit ihrem kleinen Sohn 24 Stunden lang im Haus verschanzt hatte.
Vier Jahre Krieg gegen die Ukraine: Die Schweizer Medien ziehen heute Bilanz. Zwischen grosser Solidarität und harten Fakten zeigt sich, dass die Integration weiterhin mit vielen Hürden behaftet ist.
Vier Jahre nach Beginn der Vollinvasion Russlands in die Ukraine haben erst gut ein Drittel der in die Schweiz geflüchteten Ukrainerinnen und Ukrainer im erwerbsfähigen Alter einen Job. Besonders brisant ist das Gefälle zwischen den Kantonen, wie die Publikationen von CH Media berichten: In Appenzell Innerrhoden haben 70% der Geflüchteten eine Arbeit gefunden, in Genf nicht einmal 18%.
Der Bund investierte bisher über sechs Milliarden Franken in die Hilfe für die Ukraine. Da rund 80% dieser Summe direkt in die Betreuung im Inland flossen, findet der grösste Teil der Unterstützung faktisch in der Schweiz statt. Langfristig sind weitere Milliarden für den Wiederaufbau geplant.
Auch in der letzten Woche trafen sich die Kriegsparteien erneut für Friedensgespräche, diesmal in Genf. Doch die Verhandlungen kommen nicht voran. «Moskau macht unbeirrt weiter, baut Druck auf, droht – aber blufft», heisst es heute in einer Einschätzung der Tamedia-Zeitungen. «Russland hat sich selbst in einen Zermürbungskrieg manövriert. Der Westen sollte sich daran erinnern, dass auch diese Macht ihre Grenzen hat.»
Interlaken verliert ein Stück Industriegeschichte: Der Schweizer Pharmakonzern Galenica schliesst die Produktion bei seiner Tochter Bichsel. Bis zu 170 Stellen sind bedroht. Für die Angestellten wurde ein Konsultationsverfahren eingeleitet. Sollten Entlassungen unvermeidlich sein, soll ein Sozialplan zur Anwendung kommen.
Bichsel produziert künftig keine Medikamente mehr, sondern will voll auf Home-Care-Dienstleistungen setzen. Dieser Schwenk zeigt: In der Schweiz wird die Betreuung von Patientinnen und Patienten zu Hause lukrativer als die Herstellung von Medikamenten.
Galenica hatte nebst der Schliessung verschiedene Szenarien für die weitere Produktion bei ihrer Tochtergesellschaft geprüft. Die Schliessung kostet den Pharmakonzern einmalig bis zu 40 Millionen Franken, soll aber den Gewinn jährlich nur um 3 Millionen Franken steigern. Dass ein Konzern bereit ist, so hohe Abschreibungen für eine solche Renditeverbesserung zu schlucken, illustriert den enormen Kostendruck auf Schweizer Standorte.
Auch das lokale Stadtbild ändert sich: Die traditionsreiche «Grosse Apotheke Dr. G. Bichsel» wird per 1. März 2026 in «Amavita Apotheke Bichsel Interlaken» umbenannt, wie Blick berichtet. Für die Region bedeutet das nicht nur den Verlust von 170 Jobs, sondern auch das Ende einer eigenständigen Marke, die seit 2019 zum Konzern gehörte.
Jodeln ist seit 2025 Unesco-Weltkulturerbe. Doch als akademisches Studienfach hat es der Volksgesang in Zürich schwer: Eine Initiative scheiterte im Kantonsrat krachend – sie erhielt nur eine einzige Ja-Stimme.
Trotz Weltkulturerbe-Status bleibt Jodeln in Zürich ein Hobby. Der Vorstoss, Jodeln als Studienfach einzuführen, erlitt am Montag im Zürcher Kantonsrat Schiffbruch. Nötig für eine Annahme wären 60 Stimmen gewesen, es blieb bei einer einzigen. Die Initiative eingereicht hatte Stefan Basler, Präsident der Schweizerischen Volkspartei (SVP) in Bülach, ein aktiver Jodler.
Eine staatliche Doppelförderung sei unnötig, befanden die Räte, da das Angebot in der Zentralschweiz bereits etabliert sei. Zürich wolle Luzern keine Konkurrenz machen. Dort existiert das Studienfach bereits seit 2018; eine erste Master-Absolventin schloss ihr Studium 2025 ab.
Das Problem bleibt bestehen: Jodelklubs schwinden, Dirigentinnen und Dirigenten sind rar. Zwar betonten die Parlamentarierinnen und Parlamentarier von links bis rechts die Bedeutung des Jodelns für die Schweizer Kultur. Doch es passe nicht ein staatlich finanziertes Hauptfach.
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