Navigation

Schweizer Erdbeben-Experten im Südkaukasus

Der Südkaukasus wird immer wieder von Erdbeben erschüttert. DEZA

Der südliche Kaukasus ist eines der Erdbeben gefährdetsten Gebiete der Welt. Jetzt unterstützt die Schweiz in Georgien den Aufbau einer Rettungsbasis für Erdbeben-Katastrophen.

Dieser Inhalt wurde am 18. Juli 2003 - 09:01 publiziert

Sie ist in dieser Region seit über zehn Jahren im humanitären Bereich engagiert.

Mit rund 690'000 Franken hilft die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) in Georgien beim Aufbau einer Rettungsbasis in der Hauptstadt Tiflis. Wie DEZA-Direktor Walter Fust gegenüber swissinfo sagte, sollen damit in Zukunft grenzüberschreitende Hilfseinsätze in den drei südkaukasischen Republiken Georgien, Armenien und Aserbeidschan ermöglicht werden.

Georgien sei dringend auf gut ausgebildetes Rettungspersonal und auf gutes Material angewiesen, erklärte David Tchtchinadze, Assistent im DEZA-Projekt. Das Land habe gerade auch im Bereich Erdbeben-Katastrophenhilfe mit den postsowjetischen Folgen zu kämpfen. Nach dem Abzug der militärisch organisierten sowjetischen Rettungskräfte musste auf private Organisationen zurückgegriffen werden.

Auf Schweizer Hilfe angewiesen

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion habe sich niemand für diese Arbeit verantwortlich gefühlt, erklärte der DEZA-Assistent. Das habe man beim jüngsten, glücklicherweise kleineren Erdbeben vom letzten Jahr gesehen. Die Stärke des Bebens habe nicht gemessen werden können, weil in der Messstation der Strom ausgefallen sei. Und wegen der schlechten Kommunikations-Möglichkeiten hätten sich die Helfer an den Fernsehnachrichten orientieren müssen.

Mit der Rettungszentrale werden jetzt mit Schweizer Hilfe Strukturen zuerst für Georgien und später für den ganzen Südkaukasus errichtet. Die Rettungskette Schweiz der DEZA dient als Modell: Die georgischen Katastrophenhelfer sollen zusammen mit Feuerwehr und Polizei eingesetzt werden.

Georgien hat ausländische Hilfe beim Aufbau solcher Strukturen bitter nötig. Denn der Staat habe kein Geld, um den Bau eines solchen Zentrums und die entsprechende Ausbildung der Katastrophenhelfer zu finanzieren. Deshalb ist nach Ansicht einheimischer Experten die Hilfe der Schweiz wichtig.

Einweihungsfeier

Die erste Phase des Projektes ist nun beendet. Zwei Drittel der DEZA-Gelder wurden für den Bau eines Gebäudes verwendet, das restliche Drittel für Material und Ausrüstung.

Am Freitag wurde das neue Zentrum in der georgischen Hauptstadt Tiflis im Beisein von DEZA-Direktor Walter Fust und georgischen Behördenvertretern eingeweiht. Am Samstag findet ein Tag der offenen Türen statt.

Das Gebäude bietet Platz für 25 Rettungshelfer, die rund um die Uhr auf Pikett sind. Dazu gehören auch Theorie- und Trainings-Räume sowie Material-Schuppen. Das technische Material umfasst neben Spezialgeräten und Kommunikations-Ausrüstungen auch vier Geländefahrzeuge und einen Lastwagen.

Bei der zweiten Phase des Projektes werde es vor allem um den so genannten Kapazitätsausbau gehen, erklärte Fust. "Die Leute werden dazu ermächtigt, die Ausbildung selbst zu übernehmen - Instruktion der Instruktoren also."

Die einheimischen Katastrophenhelfer gehören dem Departement für Notsituationen und Zivilschutz (DES) an, das dem georgischen Innenministerium angegliedert ist.

VBS Projekt-Partner in der Schweiz

Die Kooperation zwischen DES und der Abteilung Humanitäre Hilfe der DEZA basiert auf einem entsprechenden Abkommen, das im Juli 2002 unterzeichnet worden ist. Die DEZA entsendet Spezialisten des Schweizerischen Korps für humanitäre Hilfe (SKH) und der Rettungskette.

Hauptpartner in der Schweiz ist das Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS). Das VBS ist verantwortlich für Projekt-Entwicklung und Durchführung und stellt auch Instruktoren zur Verfügung.

Trotz schwieriger Situation gute Zusammenarbeit

Georgien befindet sich wegen des Abchasien-Konfliktes politisch in einer heiklen Lage. Trotzdem könne man die Zusammenarbeit mit dem Land nicht als schwierig bezeichnen, sagte DEZA-Direktor Walter Fust gegenüber swissinfo.

"Das ganze Projekt hat einfach länger gedauert, als wir gedacht haben. Das war weniger in den Personen begründet als vielmehr in den schwierigen Prozeduren durch die Institutionen hindurch."

Alles in allem sei die Kooperation mit den georgischen Behörden gut. "Denn wir machen ja eine ganze Reihe von Programmen und Projekten hier", so Fust. Die Errichtung der Rettungsbasis sei ein Projekt von 19, betonte er. "Wir haben in Georgien eine ganze Reihe weiterer Aktivitäten."

Schweiz auch aktiv im Abchasien-Konflikt

Die Kaukasus-Region ist nicht nur ein Erdbeben-Gebiet. Erschüttert wurde die Region 1992 und 1993 auch durch kriegerische Konflikte zwischen Georgiern und Abchasen. Es entstand grosses Flüchtlingselend. Trotz UNO-Überwachung scheint die Lage bis heute festgefahren, der Friedensprozess tut sich schwer.

In dieser schwierigen Situation hat die Schweiz schon viel getan zur Linderung der Leiden der Zivilbevölkerung. So erhöhte sie im August 2002 ihre humanitäre Hilfe im Abchasien-Konflikt um 600'000 auf insgesamt 2,6 Mio. Franken. Damit wurden die desolaten Unterkünfte von intern vertriebenen Familien sowie von alten und gebrechlichen Menschen verbessert.

Gleichzeitig begann die DEZA ein Programm zu realisieren, bei dem lokale Initiativen zur Einkommens-Förderung in der Landwirtschaft unterstützt werden. In diesem Rahmen wurde beispielsweise auch die Arbeit von Frauen-Selbsthilfegruppen gefördert und viele andere Gruppen der Gesellschaft in ihren gemeinsamen Bedürfnissen unterstützt.

Schliesslich ist seit Juli 2002 eine Schweizerin UNO-Sonderbeauftragte für Georgien. Heidi Tagliavini soll Frieden und eine politische Lösung für den georgischen Landesteil Abchasien bringen. Eine schwierige und beinahe unlösbare Aufgabe für die Schweizer Top-Diplomatin.

swissinfo, Jean-Michel Berthoud

Fakten

1996: Eröffnung eines DEZA-Regionalbüros in Tiflis

18. Juli 2003: Einweihung der Rettungsbasis für Erdbeben-Katastrophen in Tiflis

DEZA-Beitrag zum Aufbau des Zentrums: rund 690'000 Franken

End of insertion

In Kürze

Seit Anfang der 90er Jahre leistet die Schweiz in den drei südkaukasischen Republiken Georgien, Armenien und Aserbeidschan humanitäre Hilfe. 1996 eröffnete die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) in der georgischen Hauptstadt Tiflis ein kleines Regionalbüro zur Koordination und Weiterführung des Schweizer Engagements.

Später wurden zwei weitere DEZA-Filialen in der Region eröffnet: eine in Baku, der Hauptstadt Aserbeidschans, und eine in der armenischen Hauptstadt Eriwan.

Ab 1999 verlagerte sich das Schweizer Engagement (rund 6,9 Mio. Franken jährlich) im südlichen Kaukasus von der humanitären Hilfe zur technischen Zusammenarbeit.

Das DEZA-Koordinationsbüro für den südlichen Kaukasus konzentriert sich auf die Bereiche nachhaltiger Gebrauch der natürlichen Ressourcen, gute Regierungsführung, Katastrophen-Bereitschaft und –Prävention sowie humanitäre Hilfe dort, wo es sie noch braucht.

End of insertion

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Webseite importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@swissinfo.ch

Diesen Artikel teilen

Diskutieren Sie mit!

Mit einem SWI-Account erhalten Sie die Möglichkeit, Kommentare auf unserer Webseite sowie in der SWI plus App zu erfassen.

Login oder registrieren Sie sich hier.