Bundesrat Schmid: Der FC Basel wird Schweizer-Meister
Der Schweizer Verteidigungsminister Samuel Schmid wird vor allem als VBS-Chef wahrgenommen. Swissinfo spricht mit ihm für einmal (fast) nur vom Sport.
Sechs Bundesräte können «einfach» Bundesräte sein. Sie aber, Herr Bundesrat Schmid, sind nebst Verteidigungsminister auch Sportminister. Von Ihnen wird also quasi verlangt, dass Sie sportlich sind. Wie werden sie diesem Anspruch gerecht?
Gerade bei meiner Arbeit ist es eben wichtig, dass ich die entsprechende Bewegung habe. Deswegen bin ich noch lange kein Spitzensportler. Aber Sport bedeutet mir viel und ich bewege mich täglich!
Ihr Departement heisst seit einiger Zeit VBS (Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport) – früher EMD. Dieses S haben Sie von Ihrem Vorgänger, Adolf Ogi. Sind Sie glücklich mit dem geerbten S!
Selbstverständlich! Die Verwaltungs-Reorganisation hat den Sport in ein neues Departement verwiesen. Sport war auch vorher ein Bundesamt. Das EMD wurde mit dem Wechsel zum VBS zum Mehrthemen-Departement. Dass der Sport im Namenszug des Departementes vorkommt, zeigt den Stellenwert des Sportes in der Schweizer Öffentlichkeit.
Heute unterhalten wir uns mal nur über das S im VBS. Was erwartet man vom Sportminister?
Dass sich der Sportminister auf Bundesebene für den Sport einsetzt. Es soll ein Milieu geschaffen werden, dass dem Sport neue Möglichkeiten gibt. Dass er sich auch fördern lässt. Kurz: es geht um die politischen Rahmenbedingungen zu Gunsten der Sportbewegungen in der Schweiz. Direkte Förderung wird es kaum geben, die Hilfe des Bundes erfolgt indirekt.
Da Sie ja der oberste Sportler der Nation sind, wird es für Sie kein Problem darstellen uns zu sagen, wer Schweizer Meister im Eishockey, im Fussball wird und wie viel Medaillen die Schweiz in Salt Lake City holt?
Selbstverständlich gehört das in unser Departement, solche Voraussagen zu machen. Ich bin überzeugt, dass Davos Schweizer Eishockey-Meister wird. Basel wird im Fussball Schweizermeister und das Departement geht davon aus, dass wir an den Olympischen Winterspielen in Salt Lake City eine Medaille mehr holen, als in Nagano. Das wären dann acht.
Einige Ausdrücke oder Stichworte sind mir aufgefallen, als ich mich durch die Aufgaben des Sportministers wühlte. So, wie sie die Öffentlichkeit wahrnimmt. Oft war die Rede von Sportförderung in der Schweiz. Welchen Sport wollen Sie fördern?
Die Hilfe des Bundes ist ergänzend. Auf Gemeindeebene und im Kanton, wird viel für den Sport getan. Weiter tun die Sportverbände viel für den Sport. Aber auch beim Bund geht einiges: Immerhin, investiert er pro Jahr 120 Mio. Franken in den Sport. Die Hälfte davon fliesst in «Jugend und Sport». 900’000 Jugendliche lernen sich da bewegen. Dann die gesetzlichen drei Wochen Schulsport und die Rahmenbedingungen für den Schulsport. Der Bund hat also zahlreiche Möglichkeiten, positive Impulse zu geben.
Ein anderer Ausdruck, dem ich begegnet bin: Sportpolitik. Das tönt so offiziell. Wenn ich am Sonntag mit meinem Mountainbike durch den Jura fahre, betreibe ich da Sportpolitik?
Da betreiben sie Sport. Die Sportpolitik schafft die Rahmenbedingungen, in denen sich der Sport dann entwickeln kann. Dass Sie sich mit dem Bike im Jura bewegen können, dazu braucht es möglicherweise Wegweiser, möglicherweise auch Radwege, eventuell muss auch die Piste der Mountainbiker und der Wanderweg der Fussgänger entflechtet werden. Das alles sind Planungsgrundlagen, welche die örtlichen Organisation oder begleitend der Bund leisten müssen.
Sport sei ein Element unserer Kultur, sagten Sie in Magglingen. Dort, wo das Bundesamt für Sport zu Hause ist. Wie denken Sie, wird der Sport in unserer Kultur wahrgenommen?
Wenn Sie Kultur im weitesten Sinne als eine Art Lebensweise unserer Gesellschaft ansehen, dann hat der Sport innerhalb dieser Kultur eine sehr wichtige Bedeutung. Sowohl für Aktive wie auch für Passive, also für Sportkonsumenten. Sport ist Teil unseres Lebens, unserer Gesellschaft und somit auch unserer Kultur.
Eine Erscheinung, die aus dieser Kultur oder Sportkultur nicht wegzudenken ist: der Spitzensport. Ist der Sport dabei, unsere Kultur zu verändern? Anders gefragt, ist es Ihnen noch wohl beim Wort Spitzensport?
Jede extreme Betätigung – auch Spitzenleistungen in der Forschung – wirft ethische Probleme auf. Das ist nicht auf den Sport beschränkt. Wenn Sie gewisse Resultate in der Forschung nehmen, dann diskutieren wir über das gleiche Problem.
Doch zurück zum Sport. Er braucht den Spitzensport. Er motiviert, er leitet an, selber Sport zu betreiben, einzusteigen. Spitzensport ist eine Art Spitze der Bewegung, die wir über die Politik breit machen wollen.
Daneben hat jedes Ausreizen einer Leistung eine ethische Komponente. Hier stelle ich fest, dass gerade im Bereich Dopingverbot und Prävention doch sehr viel geschehen ist in letzter Zeit. Ich selber war kürzlich dabei, als sich die schweizerischen Sportverbände einhellig zur Dopingbekämpfung bekannt haben. Das zeigt doch, dass man einen ethisch sauberen Wettbewerb will, dass man sich zwar zu Spitzenleistungen bekennt, diese aber mit fairen und gesundheits-verträglichen Mitteln erreichen will.
Sie denken also, dass der Spitzensport noch in Ihrem Departement bleiben wird und nicht zu Kollege Pascal Couchepin wechselt. Der führt das Wirtschaftministerium.
Sport wird bei mir bleiben. Er hat zwar eine wirtschaftliche Komponente. Aber das haben viele Bereiche in unserem gesellschaftlichen Leben. Das ist ein Faktum. Das soll den Sport nicht stören, sondern Basis sein, um den Sport zu fördern. Sport und Sportförderung leben auch vom Sponsoring. Dieser Kreislauf gehört – in einer ethisch korrekten Art und Weise – zur ganzen Sportbewegung.
Nun kennt ja der Sport Extreme, manche sprechen auch von Auswüchsen. Da ist der Nervenkitzel. Das läuft dann unter Trendsport. Stichwort: Prozess um den Canyoning-Unfall. Jetzt werden neue Gesetzte gefordert. Sicherer Nervenkitzel?
Wenn Sie sich über den Sport in Gefahren begeben, dann bestehen heute schon dort Rechtsregeln, wo derartige Sportaktivitäten gewerbsmässig angeboten werden. Bereits unter der heutigen Gesetzgebung kann die Verantwortlichkeit geklärt werden, was ja im Canyoning-Prozess in Interlaken geschehen ist.
Das Parlament selber hat diesen Fall aufgenommen und prüft nun, ob Regeln geschaffen werden müssen, mit denen künftig die kommerzielle Verwertung dieser Sportarten kontrolliert werden kann. Da ist mein Departement und sind meine Spezialisten beteiligt. Auch die Sportverbände selber haben ja bereits Verhaltensregeln aufgestellt. Wieweit das gesetzlich ergänzt werden muss, wird sich weisen.
Als Sportminister dürfen – oder müssen – Sie an zahlreiche Sportanlässe. Welches war der schönste Anlass, den Sie bis jetzt besucht haben, besuchen mussten?
Es ist kein Müssen. Es ist ein Dürfen. Allerdings, wer die Wahl hat, hat die Qual. Sonst wäre ich Sommer und Winter praktisch ununterbrochen, mindestens an den Wochenenden an Sportanlässen. Die Teilnahme an den Anlässen war für mich immer interessant und spannend.
Zusammengefasst kann ich sagen, dass ich überall motivierte Leute antreffe. Im Spitzensport war das nicht anders als im Jugendskilager oder im Behindertensport. Es soll jetzt unsere Aufgabe sein, dieses Feuer der Begeisterung möglichst in der Breite wirken zu lassen und dieses Volk zu bewegen.
Kürzlich versuchten die Luzerner Behörden den Militärflugplatz Emmen für Zivilflugzeuge zu öffnen. Denn Formel-1-Weltmeister Michael Schumacher suche eine Wohnung im Luzernischen, wurde gesagt. Ein guter Steuerzahler!
Hier ging es ja nicht darum ein sportliches Urteil zu fällen, sondern um abzuklären, wie weit diese militärische Anlage für den Zivilverkehr geöffnet werden kann.
Wenn das rund um die Uhr sein sollte, auch an Wochenenden, dann müssten 10 bis 20 Personen ständig in diesem Flughafen bereitstehen. Der Militär-Flugplatz Emmen ist eben nur zu bestimmten Zeiten in Betrieb. Deshalb mussten wir den Behörden abschlägige Antwort erteilen.
Eines noch: die Bevölkerung rund um den Flughafen Emmen war nicht unglücklich über unsern Entscheid.
Welches ist eigentlich der Lieblingssport von Bundesrat Schmid?
Die Bewegung. Konkreter heisst das im Sommer Schwimmen und im Winter Skifahren.
Da kommt mir noch etwas in den Sinn: Auch der Seniorensport liegt ja in Ihren Händen. Da lautet eines Ihrer Sportprogramme «50plus». Sind wir jetzt mit 50 schon Senioren?
Das ist eine Sache der Einstellung. Aber wenn Sie diesen Senioren beim Sport zusehen, dann hat ihre sportliche Tätigkeit überhaupt nichts mit dem Alter zu tun. Da sehen Sie die gleiche Begeisterung, die gleiche Zielsetzung. Das sind sehr jugendliche Senioren und je mehr Sport sie treiben, desto jugendlicher werden bleibne sie.
Vielen Dank Herr Bundesrat für diese aufmunternden Worte und das Gespräch.
Interview: Urs Maurer
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