Clinton auf Stippvisite in Bern
Der frühere US-Präsident Bill Clinton hat Bern am Mittwoch einen kurzen Besuch abgestattet.
In seiner Rede am Alpensymposium verurteilte er die Aussenpolitik seines Nachfolgers George W. Bush mit deutlichen Worten.
Clinton sprach vor etwa 500 Kongressbesuchern über Globalisierung, Sicherheit und Wohlstand. Der ehemalige Präsident hat nichts von seiner fesselnden Rhetorik eingebüsst und zog damit auch das Publikum in Bern in seinen Bann.
Vier Jahre nach seiner Amtszeit als US-Präsident ist Clinton politisch immer noch aktiv. Dem Publikum in Bern legte er seine Vision einer besseren Welt dar. Die globalen Probleme wie Armut, Terrorismus und Umweltschutz könnten nur mit einer starken UNO und anderen internationalen Organisationen angegangen werden.
Deutliche Worte
In seiner Rede kritisierte Clinton insbesondere die Sicherheitspolitik seines Nachfolgers Bush. «Wenn Sie wie ich glauben, dass wir auf der Welt voneinander abhängen und einander nicht ausweichen können, dann genügt Sicherheitspolitik allein nicht. Ausser man glaubt, man könne alle seine Gegner töten, ins Gefängnis stecken oder belagern.»
Er gehe jedoch nicht davon aus, dass dies möglich sei, so Clinton weiter. «Deshalb müssen wir über das reine Sicherheitsdenken hinausgehen und eine Welt mit mehr Partnern, weniger Terroristen und Feinden schaffen.»
Feine Ironie
Ein sichtlich entspannter, aber erschöpft wirkender Clinton zeigte in seiner Rede auch seinen berühmten Humor. «Das Schöne daran, nicht mehr Präsident zu sein, ist, dass ich mehr Zeit zum Reisen habe und sagen kann, was ich will. Das Schlechte daran ist aber, dass mir niemand mehr zuhört.»
Am Rande des Symposiums gestand Clinton, dass er ein grosser Fan der Schweizer Geschichte und Demokratie sei und – mit einem zwinkernden Auge – eine besondere Vorliebe für die helvetischen Autobahnraststätten hege. Dort gebe es das beste Essen, das er je an einer Autobahn genossen habe.
Unvergessliches Ereignis
Diesen Abend werde er nie vergessen, erklärte der Organisator des Alpensymposiums im Berner Kursaal, Oliver Stoldt. «Als ich auf der Bühne stand und Clinton auf das Podium zukommen sah, spürte ich, wie die Spannung im Publikum stieg. Sie wollten ihn sehen, ihn grüssen. Es war phänomenal», sagte er gegenüber swissinfo.
Nach einer Fragerunde verabschiedete sich Clinton vom Publikum mit einer Verbeugung und erntete eine begeisterte Standing Ovation.
Clintons Besuch in Bern war nur von kurzer Dauer. Von Dänemark kommend war er kurz vor der Rede in der Bundesstadt eingetroffen. Gut zwei Stunden später reiste er wieder ab. Ein geplanter Stadtbummel durch die Altstadt fand nicht statt, da die Clinton-Maschine wegen des schlechten Wetters von Belpmoos nach Zürich umgeleitet worden war.
swissinfo, Isobel Leybold-Johnson in Bern
(Übertragung aus dem Englischen: Nicole Aeby)
Bill Clinton war der 42. Präsident der USA.
Seine Amtszeit dauerte von 1992 bis 2001.
Er war einer der wenigen Präsidenten der Demokraten, die für eine zweite Amtszeit gewählt wurden.
2001 gab er das Amt an den aktuellen US-Präsidenten ab, den Republikaner George W. Bush.
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