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Das Schweigen der Mehrheit

Abstimmungen und Wahlen lassen die Mehrheit der Stimmberechtigten kalt. Keystone Archive

Die Schweizerische Nichtwählerschaft im Inland wird in einer neuen Studie in sechs Typen eingeteilt. Und die halbe Million Auslandschweizer?

Die Uni Bern hat im Rahmen der «Selects»-Wahlstudie eine Typologie der Schweizer Nichtwähler aufgestellt. Im National- und Ständerats-Wahljahr 1999 für die Parlamentswahlen betrug die Beteiligung 43,3%. Die Stimmbeteiligung für Sachfragen liegt ungefähr gleich tief.

Schweigende Inland-Mehrheit von 56,7%

Im Inland beträgt diese Abstinenzrate also 56,7%. Bei den Auslandschweizern – rund 580’000 Personen, bei 440’000 Stimmberechtigten – beträgt die Registrierung als Stimm- und Wahlberechtigte rund 73’000. Schätzungsweise 50 bis 60% davon wählen auch aktiv, was einer Ausland-«Abstinenzrate» von rund 90% entspricht. Im letzten August beschloss die Staatspolitische Kommission des Ständerats, die Administration des seit 1977 bestehenden Stimm- und Wahlrechts für Auslandschweizer zu vereinfachen.

Sechs Typen von Nichtwählern

Fürs Inland wurden nun die Nichtwählenden anhand einer Stichprobe von über 2000 Personen genauer untersucht. Die Autoren der Uni-Bern-Studie teilen sie in sechs Kategorien ein: Politisch Desinteressierte (ungefähr 33% der Nichtwählerschaft), Politikverdrossene (nur 7%), «sozial Isolierte» (knapp 10%), politisch Inkompetente (rund 14%), Protest-Nichtwähler (immerhin 17%) und alternativ Partizipierende (rund 19%). Bei den Protest-Nichtwählern ist anzuführen, dass sie bei Personenwahlen nicht mitmachen, bei Sachfragen hingegen oft stimmen gehen.

E-Voting als Lösung?

Die nächsten Parlamentswahlen finden 2003 statt. Noch vorher will die Landesregierung Versuche mit der elektronischen Stimmabgabe starten, was die «Fünfte Schweiz», also die Auslandschweizer betrifft. Man zielt auf rund 100’000 eingeschriebene stimm- und wahlberechtigte Auswanderer ab. Allein in Frankreich, Deutschland und Italien leben über 200’000 helvetische «Expatriots».

Man kann davon ausgehen, dass sich die Typologie der (Nicht)-Wählerschaft im Ausland ganz anders zusammensetzt als im Inland: sehr viel mehr politisch Desinteressierte, solange sie nicht eingeschrieben sind, dafür weniger Schweiz-Politik-Verdrossene, sozial Isolierte und politisch Inkompetente. Gerade die Sachvorlagen betreffen die «Fünfte Schweiz» oft sehr direkt, beispielsweise die Sozialversicherungen oder die EU-Fragen.

Auslandschweizer gehören oft zur aktiven Bevölkerungsgruppe, arbeiten als Fachkräfte und sind dementsprechend qualifiziert. Gute Voraussetzungen fürs E-Voting, das der Landesregierung als Pilotprojekt vorschwebt.

Alexander P. Künzle

Marc Bühlmann, Markus Freitag und Adrian Vatter: Die schweigende Mehrheit – eine Typologie der Schweizer Nichtwählerschaft. Uni Bern, 2001. Publikation für 2003 geplant, in einem «Selects»-Sammelband.

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