Demos gegen WTO und Krieg
Über 5'000 Globalisierungs-Gegner haben am Samstag in Genf gegen die WTO-Runde in Katar sowie die US-Angriffe auf Afghanistan protestiert.
Zahlreiche Redner sprachen sich gegen die Umsetzung der Marktgesetze auf Kosten der Ärmsten aus. «Gott ist tot. Die WTO ersetzt ihn», unterstrich ein Transparent die von den Demonstranten vertretene Meinung, dass die in Genf ansässige WTO-Organisation zwar unsichtbar, aber übermächtig sei.
Der grüne Neuenburger Nationalrat Fernand Cuche, der in der vergangenen Woche die Blockade der Verteilzentren von Migros und Coop initiiert hatte, rief Bauern und Städter auf, sich gegen die Globalisierung zu vereinen.
Kritik auch an US-Angriff auf Afghanistan
Neben dem «ungerechten ‚Frei’handel» wurde auch die militärische Aktion der USA gegen Afghanistan kritisiert. «Nicht weit von hier werden in den nächsten Monaten Millionen von Kindern, Frauen und Männer mit dem Tod konfrontiert», sagte Paolo Gilardi von der Gruppe für eine Schweiz ohne Armee (GSoA).
Dieser Krieg sei dabei, die erste humanitäre Katastrophe des 21. Jahrhunderts zu werden. Sowohl die WTO als auch der Krieg dienten den Interessen der mächtigsten Staaten und deren international tätigen Konzerne und bedrohten die Rechte und Lebensbedingungen der überwältigenden Mehrheit der Weltbevölkerung.
Aufruf zum Gewaltverzicht
Der Koordinator der Genfer Kundgebung, Juan Tortosa, rief die Teilnehmenden auf, von Ausschreitungen und Gewalt Abstand zu nehmen. Die Widerstandsbewegung sei heute so gross und breit gestreut wie nie zuvor. Trotz des Aufrufs kam es während des Umzuges zu Sachbeschädigungen.
Mehrere Ladenbesitzer hatten ihre Shops entlang der Demonstrationsroute aus Angst vor Ausschreitungen vorzeitig geschlossen. Die Polizei schirmte das enfer Bankenviertel ab. Vor dem McDonalds, einem beliebten Ziel militanter Globalisierungsgegner, standen zusätzliche Sicherheitskräfte. Der WTO-Hauptsitz, das Ziel des Demonstrationszuges, war von der Polizei mit Barrikaden und Stacheldraht abgeschirmt worden. Einige Demonstranten versuchten aber unter den Augen des enormen Polizeiaufgebots zum WTO-Gebäude vorzudringen.
Genf, Rom, Paris, Berlin und Seattle
Die Proteste in Genf waren Teil einer weltweiten Aktion gegen die von der WTO derzeit in Doha in Katar abgehaltene Verhandlungsrunde mit Demonstrationen in mehreren Städten.
In Rom demonstrierten nach Angaben der Veranstalter weit über 50’000 Menschen gegen den Krieg. Gleichzeitig versammelten sich in der italienischen Hauptstadt über 60’000 Personen zu einer Solidaritäts-Veranstaltung für die USA, zu der Ministerpräsident Silvio Berlusconi aufgerufen hatte.
Rund 8’000 Menschen protestierten in Paris gegen die WTO. Mit Spruchbändern wie «Die Welt ist keine Handelsware» und «WTO – der Rinderwahnsinn des Kapitals» zogen die Globalisierungskritiker durch Frankreichs Hauptstadt. Die Kundgebung sei auch eine Antwort auf den Versuch, die Globalisierungsgegner zu kriminalisieren, sagten die Veranstalter.
In Berlin forderten mehr als 4’000 Demonstrierende ein Ende der Militäreinsätze in Afghanistan. Auf Transparenten forderten sie «Bombenstopp sofort» und «Arbeitsplätze statt Militäreinsätze».
Die Organisatoren, die bereits vor zwei Jahren in Seattle die Massen mobilisiert hatten, sagten, rigide Visa-Restriktionen hätten sie gehindert, in den Golfstaat zu reisen. «Die Regierungen flohen nach Doha, weil sie sich vor den Menschen fürchteten, die sie gewählt haben», kommentierte Nationalrat Cuche.
In der Schweiz hatten rund 40 Organisationen zur Demonstration aufgerufen, unter anderem die GSoA, die Anti WTO-Koordination Bern, die Partei der Arbeit, die Jungsozialisten sowie die Gewerkschaften.
Nationaler Widerstand gegen die «Kriegstreiberei»
In der deutschen Stadt Gera demonstrierten unter starkem Polizeischutz rund 250 Anhänger der rechtsextremistischen Nationaldemokratischen Partei Deutschlands (NPD). Sie fordern «keine deutschen Soldaten für amerikanische Interessen» und ein Ende der «Kriegstreiberei». Mehrere NPD-Demonstranten wurden wegen des Tragens von Nazi-Symbolen festgenommen. Rund 350 Personen eines «Bündnisses gegen Rechts» fanden sich zu einer Gegenkundgebung ein.
swissinfo und Agenturen
In Übereinstimmung mit den JTI-Standards
Einen Überblick über die laufenden Debatten mit unseren Journalisten finden Sie hier. Machen Sie mit!
Wenn Sie eine Debatte über ein in diesem Artikel angesprochenes Thema beginnen oder sachliche Fehler melden möchten, senden Sie uns bitte eine E-Mail an german@swissinfo.ch